Projekt-A Kapitel1 Gruppenfindungsprozeß Kapitel 2 Ortssuche

Kapitel 1
Im Apri 1985 kam das Projekt-A-Buch heraus mit den Plänen für eine Vernetzung von Alternativprojekten. Vorher schon hatte Horst Stowasser etliches veröffentlich, darunter das im Kollektiv immer weiterentwickelte „Was ist eigentlich Anarchie“ In Wetzlar hatte er das Anarchiv aufgebaut, eine riesige Sammlung anarchistischer Literatur. Auf Leserreisen stellte er Buch und Projekt vor, warb Mitmacher und Besucher für Bundestreffen und AHA.Abbos.
Das Projekt-A eine Vernetzung auf anarchistisch von Alternativbetrieben und Wohngemeinschaften von Kultur in Info soll an einem zentralen Ort stattfinden. In einem Diskussionsprozeß durch die Zeitung AHA und einige Bundestreffen sollte sich eine Gruppe von Entschlossenen entwickeln, und mögliche Orte ausgewählt werden. Aus den in verschiedenen Findungsrunden vorgestellten Orten wird auf einem Entscheidungstreffen der Ort bestimmt, sollen viele zusammenziehen und in Projekten und Wohngemeinschaften eventuell Kommunen eine Struktur aufbauen, die diesen Ort durchdringt und ab einer sinnvollen Größe auch verändert.
Eine erste Runde die grundsätzliche Bereitschaft überhaupt in einen Ort zusammenzuziehen sich kennenzulernen und über die Anregungen des P-A Buches und seine Umsetzung zu reden.
Von Juni 85 bis Nov. 87 wurde in 14 Bulletins“AHA“ in vielen Artikeln Selbstdarstellungen, Protokollen von 4 Bundestreffen einem Zeltlager und verschiedenen Gruppentreffen wie Landwirtschaft Praktiker Entschlossene versucht Grppenstrukturen zu entwickeln. Leider entwickelte sich auch eine Tendenz zu Konflicten, die von mehreren unterschiedlichen Personen forciert, und sich in Flugblättern vor allem gegen die angeblich zu dominante Rolle von Horst richtet.In Preßbaum Okt 87 eskalierte es zum offenen Steit zwischen der Mehrheit der genervten Affinis (alle die konstruktiv und rücksichtsvoll miteinander umgehen wolle) und den verschiedenen Konflictis (die meinen alle müßten erst mal in einem depressiven Konflict bis in den Abgrund ihrer Persönlichkeit getrieben werden) eskalierte. Doch schon auf dem nächsten Treffen in Berlin hatte praktisch keiner mehr Lust sich mit den Konflictis zu streiten.

Kapitel 2
Mit dem nächsten Bundestreffen in Berlin begann die konstruktive Phase der Ortfindung. In kleinen Gruppen waren verschiedene Orte um 60ooo Einw. besucht worden, auch mit Grünen usw schon gesprochen und viel Material gesammelt worden. Es begann eine Phase des sortierens und bewertend der verschiedenen Orte Ben der eigentliche Konflicti, der es auch für möglich hielt, Andersdenkende zu schlagen, verschwand nach dem nächsten Treffen, als ich ihm einen ersten Schlagabtausch vor der Tür anbot. Worauf er verlegen meinte, das so nicht gemeint zu haben. Einige, die echt Angst vor Ben hatten waren mir dankbar für meine Geste. Es wurden große Statistiken angefertigt Pläne gezeichnet Engagierte setzten sich für einzelne Orte ein Es entstand aber auch ein Überdruß über die Länge der Auseinandersetzung.
Schließlich wurde auf dem Secttreffen in Wetzlar von 7 übrig gebliebenen Entschlossenen Alsfeld südlich von Kassel zu zentralen Ort bestimmt und darauf die Gläser gehoben und angestoßen. Da verschiedene zwar P-A machen aber an ihren Orten bleiben wollten, wurden Leer und Neustadt mit einer eigenen Projektstruktur zu kooperierenden Orten erklärt was nicht vorgesehen war. Gruppen und Einzelprojekten zB. in Marburg Oldenburg usw als dazugehörig gerechnet

Kapitel 2 A
Es gab mal einige Leute bei Projekt-A die meinten jeder Mensch müsse erst duch den untersten Dreck gehen in den hintersten Löchern leben, bevor er seine Erziehung/Sozialisation überwinden und wirklich frei bei P-A einsteigen kann. Da wir die Leute nur nervig fanden und nachdem in Preßbaum der Konflict eskalierte, blieben sie weg. Ansonsten habe ich nur Anarchisten kennen gelernt, die statt in einem Loch lieber in einem gemütlichen WG- oder Kommune-Zimmer wohnten….
Das hatte sich schon vorher angekündigt mit einem großen Psychodruck auf alle die sich angeblich diesem notwendigen Schritt verweigerten. Als ein Ben gar meine man müsse auch mal mit körperlicher Gewalt bei Unentschlossenen nachhelfen, bat ich ihn für eine persönliche Frage nach draußen. Hier haute ich ihm beide Fäuste vor die Brust, und forderte ihn auf seine Gewalt auszuleben. Doch er wurde ganz klein: „das war doch nicht wirklich so gewollt“. Wieder drinnen konnte ich also feststellen, daß Ben das nicht ernst gemeint habe und alle entspannten sich.

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ÜBER MICH Rückwärts nur um Anlauf zu nehmen

Erinnerungen an den Krieg: Meinen Vater war Leiter des Reichsnährstandes in 0ldenburg organisierte die Lebensmittelverteilung, damit noch ein Wochenmarkt funktionierte und die Bauern die Notlage nicht zu sehr ausnutzen konnten. Er und seine Mitarbeiter galten darum bis 1945 als unabkömmlich. Als die Russischen Armeen an der Oder standen, wurden auch die letzten Reserven eingezogen. Sie waren unerfahren und kaum vorbereitet. Als seine Mitarbeiter dann doch eingezogen wurden, bestand mein Vater darauf mit an die Front zu gehen. Er wurde mit dem letzten Aufgebot verheizt und bei den ersten Einsätzen in Crossen an der Oder erschossen. Meine Mutter habe ich nie fröhlich erlebt. Auf einem Bild im Garten aufgenommen ist als einziges meine ganze Familie zu sehen. Meine Mutter und Schwestern lachen ich bin etwa 2 Jahre kusche! mich an meine Mutter mein Vater uns gegenüber schaut uns irgendwie stolz und ernst an. Bewußt habe ich meine Mutter nie fröhlich gesehen. Der Tod hat für sie alles zerstört
Merkwürdigerweise erinnere ich mich nur als er das letzte Mal aus dem Haus ging und wir ihn nach einer Tafel Schokolade fragten. Auch an den Ärger im Bunker in der Amalienstraße wenn beim Bombenabwurf auf den Bahnhof meine Bauklötze umfielen. Mit dem Alter ab dem 4. Jahr setzen die allerersten Erinnerungen ein. Bewußt habe ich also nur die Nachkriegszeit erlebt.
Die Amalienbrücke war zerstört und durch eine Notbrücke ersetzt worden. Kanadiern bewacht sie hatten ein Zelt und einen großen Lastwagen. Ein Soldat schmierte grade Weißbrote mit Butter und Marmelade. Als ich ihn hungrig anstarrte, schnitt er eine besonders breite Scheibe ab, beschmierte sie dick mit Butter und tat reichlich Marmelade drauf. Ich trug die Kostbarkeit vorsichtig auf beiden Händen nach Hause. Ich bekam das größte Stück meine beiden Schwestern und meiner Mutter auch etwas. Meine Mutter war immer sehr traurig. Sie hat den Tod meines Vaters nie verwunden eine der vielen Kriegerwitwen, die im Leben zurückblieben.
Als katholisches Kriegskind wurde ich ab 6 Jahren jede Sommerferien zu Bauern nach Südoldenburg ins stockkatholische Münsterland verschubt. Bei denen konnten wir uns richtig satt essen, schliefen in den Schulen auf Stroh und gingen zu den Malzeiten zum zugewiesenen Bauern. Alles war streng reglementiert. Die begleitenden Lehrer achteten auf regelmäßiges Gebet und sonntags war Kirchgang. Anders kannte ich es von meiner Mutter auch nicht. Nur waren wir in Oldenburg als Katholiken eine Minderheit. Insgesamt war ich 6 Sommer bei verschiedenen Bauern in Hagstedt Haltern Westendöllen Meierhöfen Varnhorn und wieder in Hagstedt.
In Südoldenburg lernte ich noch eine ganz andere Welt kennen von ursprünglicher
Landarbeit mit Pferden, die die Ackerwagen Kutschen und Ackergeräte und
auch die Mähmaschinen zogen. Bereits mit 11 lenkte ich die Mähmaschine mit 2 Pferde, der Bauer warf mit einer Pedale alle 2 Meter eine Korngarben raus. Sie wurden noch von Hand gebunden und abends zu Hocken zusammengestellt. Im fünften Sommer kam ich zum ersten Mal zu einem Heuermann weiter außerhalb von Varnhorn. Darum durfte ich den Tag bleiben streifte mit den Bauernjungs durch den wilden Bruch einer Wassermühle mit Teich und Aalfang. Wir kletterten in die riesigen Buchen. Der alte Bauer saß verkrümmt am Küchentisch und rotzte auf den Boden
Im sechsten Jahr kam ich in Hagstedt zu den Heuerleuten Hermes, Ein Vater etwa 55 Jahre mit 2 Töchtern, tollen einfachen klugen Menschen, die noch fast alles selber machten und mich an ihrem wunderbar natürlichem Leben im Ablauf des Jahres teilnehmen ließen. Fünf Jahre verbrachte ich die Oster-Sommer- und Herbstferien bei Ihnen. Bei Ihnen erlebte ich das an Familie, was meine Mutter nicht geben konnte. Jedes Jahr mußten Hermes genau wie die Nachbarn Meyer 90 Arbeitstage für den Großbauern ableisten. Sie bekamen dafür eine winzige 3 Hektar-Landstelle mit einem Heuerhaus mit einer Diele dahinter die Küche mit 4 winzigen Zimmern teils nur 5qm groß und einem Stall für 3 Kühe im Anbau war der Stall für 5 Muttersauen und einer für 60 Hühner. Sie bauten fast alles an, was sie für die Tiere brauchten legen Rüben-und Kohlmieten an für den Winter. Das Wasser kurbelten wir aus dem Ziehbrunnen auf der Grundstücksgrenze zu dem anderen fast genau gleichen Heuerhaus vom Nachbarn Meier. Jeden Tag fuhr ich einen Handwagen mit 100 Litern zu der Kuhweide. Erst mit dem Ziehbrunnen Eimerweise hochgekurbelt
Über Spannungen mit dem Großbauern wurde nie geredet. Nur manchmal bei
Ungerechtigkeiten konnte der alte Hermes kurz sehr wütend werden. Die Erfahrungen mit dem direkten Leben mit den Jahreszeiten den Tieren für die fast alles selbst angebaut wurde im großen Garten fast alles übrige für die eigene Ernährung fast alles selbst repariert manches mit dem Dorfschmied zusammen hergestellt, hat meine Sicht auf viele Dinge für mein ganzes Leben bestimmt.
Der Bauer Hermes war nach dem Krieg gleichzeitig im ersten Gemeinderat Visbecks und im Kreistag von Vechta. aber bei der nächsten Wahl, als die alten Machtverhältnisse wieder funktionierten, verlor er seine Sitze.
Hermes baute verschiedene Geräte selbst zB einen großen Fahradanhänger
schrotete regelmäßig das Futterkorn drosch sogar mit einer eigene Maschine,
schnitt das Feuerholz mit der Kreissäge alles mit dem Treibriemen an den gepflegten Elektromotor angeschlossen. Der Wagen, der mehrmals wöchentlich die Eier einsammelte und alles Wichtige für den Bedarf mitführte, konnte nur wenig verkaufen. Für Butter gab eine eigene Zentrifuge und ein Butterfaß, das ich stampfen durfte. Durch die Runkelrüben zogen Paula und Agnes den Pflug, den ich führte.
Im Herbst gab es für Schulkinder Halbtags 2 DM fürs Kartoffelsuchen. Der Roder von zwei Pferden gezogen wirbelte eine Furche Kartoffeln hoch auf einen breiten Streifen. Nach einem Halbtag war ich zu abgekämpft, mein Rücken schmerzte heftigste. Viele Jungs machten täglich beide Halbtage und waren zum Ende der Herbstferien, die extra in die Kartoffelernte gelegt wurden, stolzer Besitzer eines Fahrrads. Nach einigen Jahren kam der Vorratsrodern der die Erde über ein Laufband aussiebte und die Kartoffeln in eine Reihe ablegte. Da mußten wir mehr schaffen. Noch ein paar Jahre später war der Ferienjob vorbei. Ein Trecker zög einen Selbstlader mit eigenem Vorratsbehälter. Neueste Errungenschaft war bei der Getreideernte einige Jahre ein Selbstbinder von Pferden gezogen mit einem Motor der die Mechanik antrieb und die Garben seitlich fertig gebunden auswarf. Nur zu den Hocken, in den sie trockneten, mußten wir die Garben noch aufsetzen.
Mit 15 und anderen Interessen wie Jugendgruppe mit Sommerfahrt und
Schwimmverein fuhr ich nicht mehr zu Hermes. Hier fand ich den neuen Halt und Anerkennung
In Oldenburg gab es keine eigentliche Jugendkultur, höchstens im Jazzclub Alluvium. Als die Louisiana Jazz Band auf einem Abiturball unserer Schule spielten und beim Walzer patzten gab das richtig Ärger. Die Schüler durften danach die Band nicht mehr selbst aussuchen. Auch nannte sich unsere Vertretung nach den ersten von den Lehrern missbilligten Gehversuchen nicht mehr Schülerselbstverwaltung sondern Schülermitverwaltung. jede Entscheidung mußte vom Rektor genehmigt werden, manches kam auch vor die Lehrerkonferenz.

In der OT (Offenen Tür) beim Beatabend jeden Donnerstag wurde genau auf
angepaßtes Verhalten geachtet. Trotzdem war das in der Woche der einzige Treffpunkt für Schüler mit Beatmusik und darum waren die recht engen Kellerräume unter der „Brücke der Nationen“ immer brechend voll. Im Saal darüber lief die Jugendfilmstunde für die ich manchmal Filmkritiken schrieb. Im begrenzten Rahmen konnten wir auch Filme auswählen, die für Schüler zugelassen waren. Die Kirchen hatten ein Einspruchsrecht
Die Flying Arrows brachten etwa ab 1964 die grüne Eiche zum rocken. Mit dem Cadillac von Bassist Edgar durfte ich manchmal vorn in der Mitte zum Starclub fahren. Im Astoria spielten sonntags die Midnights der Tisch unserer Clique war oben am Aufgang von wo wir alles im BlicK hatten. Einer mußte sich ganz früh anstellen, raufstürmen und unseren Tisch besetzen So um 18 Uhr an verschiedenen Tagen standen wir mit der Clique am Leffeerseck und machten unseren Schabernack mit den Passanten. Jemand griff durch den Briefkasten nahm die Post, die von der anderen Seite eingesteckt und gab sie den verblüfften Einwerfern zurück. Kinder in Wagen fanden wir besonders häßlich. Manche Mädchen vom Sonntagstanz kamen ganz zufällig vorbei, vorsichtige Begrüßung und ausschleichen, denn wir waren schnell! mit unserem Spott.
Meine Schulzeit bis 1965 war relativ ereignislos. Noch heute kommt mir ein Gähnreflex hoch, wenn ich in Räumen ausharren muß, die einer Schulklasse ähnelt. Da mein Vater in den letzten Kriegsmonaten an der Oder fiel und meine Mutter 1958 starb hatte ich mit 16 keine Eltern mehr und wurde bei Familien „untergebracht“ Wobei die Kirche eine Familie besorgte, bei der ich Essen und ein zugiges Zimmer unter dem Dach erhielt neben dem ihres Sohnes einem Maurer mit abgebrochenen Gymnasium. Ein anderes Zimmer teilten sich zwei Architekturstudenten. Als die Alten sonntags zurückkamen und Gospelmusik im Fernseher lief, Mahalya Jackson im Bild, drehte der Vater durch. Rockmusik war für unsere Elterngeneration bis auf Ausnahmen absolut negativ. Bei meinem ersten Tramp mit einem Elternpaar in England ein Kulturschock. Die beiden sprachen sehr anerkennend über Stones Beatles und was sonst im Radio lief.
Ohne Eltern war ich besonders auf ein Umfeld angewiesen, das mir eine positive Gruppenzugehörigkeit gab wie Pfadfinder und Schwimmverein. Die Osternburger Pfadfinder waren eine zwar kritische aber auch elitäre Gruppe, die sich auch mit verschiedenen politischen Themen auseinandersetzte, bis sie der Pfarrer aus der Gemeindearbeit ausschloss, womit sie ihren Treffpunkt verloren. Da ich immer der
Jüngste war, den die anderen nicht ernst nahmen, ging ich in eine andere
Pfadfindergruppe, wo ich mit meinen Fahrtenkenntnissen Anerkennung fand. Wir kauften eine Kothe ein lappisches Feuerzelt und gingen damit auf Fahrt. An den Wochenenden erforschten wir erst die Zeltplätze aber dann auch verbotenes Gebiet an Lehte und Fischteichen.
Eine Jugendkultur gab es kaum. Aber eine Druckerei von zwei Freunden, die alles mögliche Kritische zu Friedenspolitik, Wehrdienstverweigerung, Gewerkschaften, Kino, Schriften und Plakate und im Umfeld auch Veranstaltungen wie Wanderungen der Bibliophilen und Lesungen, von Autoren, die vorher in OL niemand kannte, organisierten die aber leider nach 2 Jahren schon wieder aufgeben mußten.
Die Schule interessierte mich als notwendiges, langweiliges Übel wenig. Noch heute packt mich das Gähnen, wenn ich in eine Schulstundenähnliche Situation gerate. Ein neuer Lehrer machte eine wirklich gute Stunde ich machte begeistert mit doch schon hatte er sein Pulver verschossen döste weiter er war von mir enttäuscht ich fand es sinnlos ihm das zu erklären.

Ich wollte nach 8 Hauptschuljahren 1958 mit 14 Jahren unbedingt eine
Elektikerlehre machen, um mich nach der Lehre weiter hochzuarbeiten wie das bei der Familie meines Vaters mit 5 Brüdern üblich war. Meine Mutter aber stopfte mich trotz Widerstand auf dem GAG-Gymnasium 2 Jahre zurück. Ich trottelte sauer mit mußte die 7. und 8. Klasse doppelt machen. Als ich in der 1O.Kiasse mal aufwachte und gegen das Lehrerthema über „echte soziale Not“ einen bösen Aufsatz schrieb, daß seien nur ein Verteilungs- und keine echtes Problem brüllte mich der Pauker Storkebaum vor der Klasse zusammen und sorgte dafür das ich auch diese Klasse
nochmals machen mußte mit deutsch von 3 auf 5 und Latein von einer sicheren 4 auf 5 ohne blauen Breit was Vorschrift war. Aber mein Vormund fand das richtig.

Dafür machte ich 2x den Bezirksmeister im Brustschwimmen und war auch recht gut im 1OOOm Lauf eine Stütze der Schulstaffel. Wir hatten einen Superläufer einer war genauso schnell wie ich der nächste wieder 1Osec langsamer. Die stellvertretende Rektorin versuchte meine Auftritte auf Schulsportfesten zu verbieten wegen meiner Haare den längsten auf einem Jungenkopf an der Schule. Erregte Konfrontationen im Lehrerzimmer, aber ich durfte doch laufen. Wir machen den zweiten Platz die Schule war stolz drauf. Mir war das egal nur das ich trotzdem mitlaufen durfte war mir
wichtig. Mich bis zum letzten verausgaben, war mir selbstverständlich, wenn ich etwas will, kann ich sehr viel Energie entwickeln. Auch mit 70 tauche ich noch 50 Meter 2 Bahnen im Hallenbad.
Was war es damals doch einfach, mit langen Haaren und Parka seine Antihaltung auszudrücken. Heute muß einer brachiale Mühe und Kosten mit seinem Outfit geben, um ähnliches Aufsehen zu erreichen.
Bei der neuen Pfadfindergruppe war ich anerkannt im Kartenlesen und sonstigen Lager-und Fahrtenfertigkeiten. Ich führte einen Haufen desorientierter Bengels durch dickste Wildnis und als sie schon aufgeben wollten, jemals aus dem Wald rauszufinden, standen sie plötzlich gut geleitet vor einem Wirtshaus mit köstlich kühlem Malzbier. An den Fischteichen mit dem Flüßchen Lehte fanden wir an den Wochenenden wunderschöne versteckte Plätze für unsere Kothe aus den lappischen Feuerzelten entwickelt. Wir sangen viel, hinterfragten mit 15 aber nicht die Inhalte der Lieder, überfielen andere Jugendgruppen um deren Wimpel zu klauen, hielten Wache um nicht selbst überrascht zu werden. Häufig endete das nachts nach gutmütiger Rauferei mit gemeinsamen Tee und Gesang. In meinen 10 Jahren Jugendgruppen habe ich zwar manchen autoritären Gruppenführer erlebt aber niemals, daß sich jemand mit Gewalt durchsetzte oder bestrafte, Auch sexuelle Anmache habe ich nie bemerkt. Vielleicht ist das an mir vorbeigegangen. Ich legte viel Wert auf Kameradschaft, sich aufeinander verlassen können und Fahrtenfertigkeiten, behutsam mit der Natur umgehen. Das kann ich auch heute noch positiv sehen. Als Anarchist sehe ich aber auch einiges „Bündisches“, was ich strikt ablehne. Jugendarbeit war damals eben ein sehr breites Spectrum. Grade 18 Jahre alt wurde ich von einer Gruppe mit einem sehr frommen Gruppenführer eingeladen, eine Radtour durch Holland zu organisieren. Doch die 15/16 jährigen in der Gruppe machten schon nach 3 Tagen Ulrichs autoritäre Frömmelei nicht mehr mit und setzten ihn schließlich ab. Da ich nicht bereit war, die „Führung“ zu übernehmen, aber die Gruppe als „Offizieller über 18“ weiter zu begleiten, fuhren wir einfach weiter. Kochen Einkäufe Tageseinteilung Schlafplätze mußten die Jungs selbst hinkriegen was auch klappte. Nachher versuchte der Pfarrer ein großes Donnerwetter und den frommen Ulrich wieder einzusetzen. Aber die Gruppe machte ohne ihn ihre Treffen und ich konnte nachweisen, daß ich an den Entscheidung der Gruppe nicht beteiligt war, nur als Begleiter die Übernachtungen organisierte. Das machte ich auch in der nächsten Zeit, wenn die Jungs auf Fahrt gingen und ohne einen Älteren nicht losfahren
durften. Wenn ich später einen von Ihnen traf, fand ich immer noch die Begeisterung über die Zeit der Unabhängigkeit.
Die Lehrer hatte mich nach 17 Schuljahren also 4x extra Runden endlich durchs Abitur gelassen, weil ich versprach, ordentlich und bescheiden Pädagogik zu studieren. Im Jahr davor hatten Sie noch mit einer 5 in Zeichen meine Zulassung verhindert. Auch die 10 Klasse mußte ich nach einer Konfrontation mit dem Deutschlehrer über ungerechte Armut doppeln. Nach dem Abitur arbeitete ich 2 Monate auf Brands Werft im eiskaltem Ostwind Schiffssektionen die der Kran aus der Halle holte mußten wir mit riesigen Spannschrauben ausgerichtet Dabei habe ich das Elektroschweißen gelernt. Natürlich paßte ich erst nicht auf, kuckte ungeschützt in den Lichtbogen. Die nächste Nacht rannte ich mit irren Augenschmerzen auf der Straße herum. Ein herumliegendes Eisenteil warf ich am ersten Tag einfach vom hohen Heck. Als die anderen blaß und vorsichtig runterkuckten ob jemand getroffen worden war, hatte ich eine Lektion in Arbeitssicherheit gelernt.
Nach den 2 Monaten konnte ich mir einen 49er VW mit 24PS unsynchronisiertem Getriebe mit Seilzugbremsen und einigem Rost kaufen vollpacken und ab ging’s nach Hamburg.
Ich versuchte ernsthaft Psychologie zu studieren. Manches war spannend und nützlich wie Gruppendynamik und Verhaltensforschung. Angeblich unangepaßtes Verhalten von Professor Hofstätter als negativ bewertet, regte meinen Widerspruch. Ich versuchte darin einen creativen Wert zu erklären, war danach bei ihm erledigt. Nach 2 Jahren fand ich alles Wissenswerte aufgenommen zu haben besonders über Tiefenpsychologie Verhaltensforschung und Gruppendynamik. Dann noch die verschobenen Ansichten und Lehren von Professoren fürs Diplom auswendig zu lernen hatte ich keine Lust. Was ich aus eigener Ansicht im Zusammenhang verstehen konnte, lernte ich leicht. Was ich als nachschlagbares Formelwissen auswendig lernen sollte oder in zusammenhanglosen Leersätzen eines eilten Professors aufgezwungen wurde verweigerte mein Gehirn aufzunehmen.
Ich entdeckte den Hamburger Hafen Ich arbeitete 2 gekoppelten Schichten auf Schiffen die frei im Hafen an Dalben vertäut waren in stinkender indischer Tabioka in staubigen Säcken. Mit den Schiffsladebäumen wurden die von uns gepackten Säcke in Hieven in längseits liegende Schuten umgeladen. Nach etwas über 9 Stunden statt 16, wenn wir unser Pensum an Tonnen gepackt hatten, konnten wir mit zwei Schichten und Übergangsgeld insgesamt 72 DM auf der Karte völlig verdreckt mit der Barkasse zurückfahren zum Duschen. Später als Fruchtpacker in Schuppen 42 haben wir ganze Bananendampfer in 8 gekoppelten Schichten entladen. Als erster Student überhaupt bin ich in die Gang reingekommen, als ein Fester ausfiel und sie mich als besten Zuarbeiter auskuckten. Ich hatte Aussehen und Sprache total übernommen, achtete auf Sicherheit stapelte ordentlich, konnte das Arbeitstempo gut mithalten und als dann rauskam, das ich kein „Ständiger“ war, flog ich nicht aus der Gang trotzdem ich ihnen manchmal die Bildzeitung auf meine Art deutete. Auch Schuppen 75 bis 85 Fernoststückgut arbeitete ich bei Bedarf. Ein Mal haben wir mit dem Gabelstapler eine verlötete Blechkiste aufgebrochen und alle sind blaß geworden. Feuerwerkskörper, wir hätten mit dem ganzen Schuppen explodieren können. Interessant waren die Teppichlager, zB wie den 66.Teppich aus einem Stapel von 80 Teppichen kriegen? Alles eine raue Arbeitswelt, aber auch ungeheuer authentisch. Eine klare direkte Sprache, solidarische Kameradschaft, denn jeder in der Gang mußte sich auf die anderen verlassen. Wenn ein Latexballen von 50kg in dem Netz falsch gepackt war und aus 30 m Höhe in den untersten Raum runter donnerte, konnte dem niemand ausweichen, wenn Block durch den Laderaum sprang.
Seit der Entwicklung von Dampfwinsch und Ladebaum hat sich in 80 Jahren die Hafenarbeit wenig geändert. Mit dem Container einer Kiste von 12,20 x2, 40x 2,60m konnten 40 Tonnen bis dahin eine Schichtgangleistung von einer Std. in Minuten gekrant werden. So war diese Hafenarbeitswelt wenige Jahre später verschwunden. Niemand brauchten mehr Stauer die um 6.30 morgens mit Arbeitskarte im Arbeitsamt Admiralitätsstr. um eine Schicht anstand.
Im Karolinenviertellernte ich Release kennen, die akzeptierende Drogenarbeit Daß die Profitgesellschaft den Menschen und seine Gesundheit zerstört auch wenn er „arbeitsfähig“ bleibt und Drogenabhängigkeit eine Folgekrankheit ist, die nicht einfach durch Forderung nach Abstinenz und Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit geheilt werden kann. Release versuchte mit ganz anderen Lebensmöglichkeiten in Wohngemeinschaften auf dem Land mit Werkstätten möglichst auch zur Existenzsicherung um auf Dauer eine Lebensgrundlage zu schaffen. Ich half öfter im Druckbereich und konnte Fehlexemplare der tollsten Bücher mitnehmen. Vorm Jahresende als der Sozialsenat Hamburgs seinen Restetat noch ausgeben mußte und wir plötzlich zu viel Geld kamen das ebenso schnell sinnvoll ausgegeben werden mußte kauften, wir Teppiche Regale Druckmaschine und Lieferwagen.
Nach zwei Jahren Hamburg traf ich Puse.Wir hatten uns in der Schule nur flüchtig wahrgenommen, aber am Oldenburg-Tisch in der Uni-Mensa wiedererkannte. Nach kurzer Zeit zogen wir zusammen und merkten daß wir ganz anders leben wollten als unsere Familien uns erzogen hatten. Wir erlebten daß sich ändernde Klima der Lebensauffassungen 1967 eine kritisch hinterfragende Aufbruchskultur. Wir wurden die, vor denen uns unsere Eltern und Lehrer immer gewarnt hatten.
Wir beschlossen nach München zu wechseln: bessere Jobs schönes Wetter und eine interessante Subkultur. Auch die Polizei war weniger brutal. Denn wir erlebten die letzten Tage in Hamburg, die Reaktion, als das Dutschkeattentat durch einen Bildzeitungsleser verübt wurde Wir versuchten mit vielen Demonstranten das Springerhochhaus in Hamburg zu stürmen, mindestens aber die Zeitungsauslieferung zu verhindern. Bullen prügelten wahllos in die Menge schufen Breschen Lastwagen fuhren Vollgas durch die Lücken Im Wasser der Werfer war zum ersten Mal reichlich Reizgas Wir hatten alle entzündete tränende Augen und wußten nicht warum
Vorher hatten wir auf einem großen Gutshof beim größten Kunstblumenimporteur gearbeitet. Ein zwar handelsmäßig top aber in der Arbeitsorganisation in Lager vertrottelt, überfordert die Bearbeitung der Aufträge stockte die Packstationen mit ihrem Laufband war den Anforderungen nicht gewachsen. Denen organisierte ich nach kurzer Zeit neben anderen Innovationen in einer entrümpelten Scheune einen Rundlauf für große Einzelaufträge, die nicht aufs Laufband paßten. Dafür bekam ich regelmäßig fast die doppelte Stundenzahl angeschrieben. Einige neue Studenten waren empört als sie erfuhren, daß ich ebenfalls Student war und gleichzeitig dem Chef die Arbeitsabläufe rationalisierte. Denn zuerst dachten sie, ich wäre der Manager für Arbeitsabläufe und Lager. Sie machten mir in der abseitigen Ecke für Grünpflanzen rasch klar, daß ich solidarisch handeln müsse statt Arbeitsplätze weg zu organisieren.
Und bei Treffen nach Feierabend machten sie mich mit Grundlagen sozialistisch/marxistischer Politik vertraut. Ich solidarisierte mich rasch lernte die Widersprüche zwischen Arbeitern und Ausbeutern nur widersprachen ihre Forderungen nach strikter Einbindung in Gruppendogmen und Funktionärs-Hierarchie meiner Forderung nach freiem Denken für jeden Menschen und freier Vereinbarung untereinander. Für eine verbindlichen Arbeit und gemeinsamen Zielen braucht Mensch keine Kader und Dogmen und Zentralkomitee. Räte und Syndikalismus statt Lenin Stalin Mao und Hodscha.
ln München genossen wir das bunte Leben in Schwabingen die langen
verschwatzen Nächte im Schwabiger Dachel und im Voltaire. Ich machte anfangs den Fehler, den Diskutanten zu genau ihre Meinung zu zerpflücken, buntes Schwadronieren mit konsequenten Folgerungen zu belasten. Anderntags nüchterner wollten sie mich nicht mehr kennen. Ich wurde vorsichtiger mit Kritik an großen Gesellschaftsfantasien unverbindlicher nahm die Abende mehr Spaß-Erlebnisorientiert.
In München kämpften wir gegen die Notstandsgesetze mit häufigen Demos Als wir wieder mal Straßenbahnschienen blockierten meinte ein väterlicher Polizist: na mei nu hams fui gnug demoschtriert, nu gehns fui nach Haus. Aus mehreren Jobs flog ich raus weil ich mir die Schikanen der Lagermeister nicht gefallen lassen wollte. War man morgens aufsässig, bekam man noch das Geld für den ganzen Tag Jobs gab’s genug. Ich war kräftig konnte zupacken. Dann fiel in einem Stahltürenzentrallager nach kurzer Einarbeitungszeit der Lagermeister aus, was nicht auffiel, da ich seine Arbeit schnell im Griff hatte. Der Chef sprach schon von einer gutbezahlten Festeinstellung nachts noch fuhr ich gegen gutes Überstundengeld eilige Bestellungen quer durch Bayern.
Doch auch diese Erfolgskarriere endete jäh. Ich mußte kündigen den Puse
vermißte unsere Gemeinsamkeit und verschubte mich in den Skiverband Karteileichen zupfen ein entspanntes Arbeiten in fröhlicher Runde. zu halben Verdienst. An der Kunstakademie hatte Puse ihre Mappe abgegeben, wurde leider nicht genommen. Wir bemühen uns um einen Stand für Kunstprodukte an der Leopoldstraße. Aber der wurde nicht genommen denn die Mafia verteilte die Plätze schon vor dem Bewerbungsende untereinander. Wir bemühten uns um die Förderprogrammen für junge Paare in Berlin. Aber es gab kein Interesse an noch einem abgebrochenen Studentenpaar. Die allgemeine Stimmung in Berlin erschien uns hektisch bis aggressiv
So landeten wir 1969 nach 4 Jahren wieder in Oldenburg. Die Pädagogische Hochschule, wie sie damals noch hieß war für 400 Studenten geplant für 600 gebaut und für 800 wurde es bald schon eng. So blieb es eine Baustelle für demnächst 1300 Hier bekam ich als Kriegswaise noch ein Stipendium und Puse ein Halbes. So ging es erst mal ernsthaft ans Lehramtsstudium, denn noch wurden Pauker gesucht.
Nach der Auflösung des SDS hofften wir, daß sich 1969 neue geistige Freiräume entwickeln würden zu Spontanität und Anarchie. Doch stattdessen bildeten sich die dumpfesten verbohrten Kadergruppen und fast alle uns bekannten linken machten mit bei drei trotzkistischen GIM, KJO Leninisten vier maoistischen KB, KBW, KPD und KPDML und bei der DKP mit ihren verschieden Untergruppen. Aus Notwehr kam es bei uns wenigen Sontis Libertären und Anarchisten zur Gründung des Blattes “Der Kleine Oldenburger“ Wir versuchten, die dogmatischen Gruppen mit ihrem Zentralkomitee Kaderschulung usw als absurdes Theater darzustellen und die Entfremdung und Unfreiheit dieses rückschrittlichen Wegs öffentlich zu diskutieren. Daneben mischten wir uns natürlich in die Stadtplanung und zB die Grundstücksspekulationen der Handwerkskammer einzumischen.

Schließlich waren wir die Jahre vorher für die totale undogmatische Befreiung des Geistes eingetreten. Was uns nicht daran hinderte, mit vielen einzelnen der K-Gruppen freundschaftlich umzugehen Feten zu feiern oder im Lindenstübchen endlose Debatten zu führen. Insidermäßig war ich immer gut informiert und wußte wo ich mich besser raushielt oder wo ich grade gut eingreifen konnte.
Besonders als die Gewaltdebatte aufkam einige sinnlose Mollis flogen und ich einige von diese absurden Aktionen abhalten konnte. Einer wurde besonders verdächtigt, die Mollis geschmissen zu haben und landete 8 Monate in Untersuchungshaft. Danach wurde er wegen Aufforderung zur Gewalt auf einem Flugblatt und einer Pappe die er in einer Kneipe beschriftete zur abgesessenen Zeit verurteilt. Wir selbst hatten eine ganze Nacht lang vor zwei abgefüllten Bezinflaschen gesessen und die Gewaltfrage ausdiskutiert durchforscht, keinen Sinn darin gefunden und die Flaschen zurückgeschüttet Damit war das Thema Gewalt für uns erledigt. Die meisten Anarchisten hatten schon um 1900, der Propaganda der Tat nach einigen erfolglosen Gewaltaktionen eingesehen, daß auf Attentate nur mehr Repression, verschärfte Gesetze und mehr Überwachung erfolgte, sich politisch aber nichts damit bewegen ließ. Aber einige maoistische Splittergruppen mußten diese Erfahrungen wohl um 1975 noch mal machen. Besonders wenn denen zwar klar ist, daß dieser Staat zerschlagen werden muß, aber keinerlei bis sehr vage Vorstellungen besteht wie eine freien Gesellschaft aus alternativen Gegenstrukturen entwickeln kann und wie sich so eine Gesellschaft nach rätedemokratischen syndikalistischen und grasswurzelnden Vorstellungen aussehen kann. Nächtelange heftigste Gespräche waren zu der Zeit üblich. Mit der parallel entstehenden Bürgerinitiativen- und Alternativbewegung mit ihren unzähligen Projekten und Kollektiven gab es auch in Oldenburg bald andere Schwerpunkte. Wer sich daran beteiligte, hatte ganz andere Interessen und Probleme. Wir schwammen in der neuen Bewegung mit unserer Holzwerkstatt wie die Fische im Wasser.
Ich wurde in der Zeit angesprochen an einer Initiative mit Beate Klarsfeld zu beteiligen, einen KZ-Schergen der viele Menschen totgeprügelt hatte und unbehelligt in Oldenburg lebte zu entführen. Die Sache war einerseits einleuchtend aber schon nach kurzer Zeit bekam ich mit, daß der Staatsschutz alles beobachtete und alles auf einen großen Medienrummel hinauslaufen mußte. Briefe die ich bekam waren offensichtlich schon geöffnet worden Das wurde mir dann zu blöd.
Daneben entwickelte sich unsere Art von Pädagogikstudium zu einer Abfolge von Projekten.
Nach einer Ferienfreizeit mit benachteiligten Berliner Kindern Dann hörten wir von Obdachachlosenarbeit mit Kindern und Jugendlichen am Schlagbaumweg. Mit den Kindern war das einfach sie freuten sich über jede Zuwendung und Schularbeiten-Betreuung. Mit unserer Antiautoritäten Einstellung konnten wir Studenten bei den Jugendlichen nichts werden. Die verlangten eine klare Ansage wie wir mit ihnen umgehen wollten, was wir von ihnen wollten. und ganz besonders wo wir und aus den Interna rauszuhalten hatten. Manche Studenten kapierten das nicht, hielten sich aber an die Regeln die ich intuitiv richtig erkannt habe“ Den wahren Durchblick dank ihrer politischen Schulung hatte angeblich die K-Grüppler. Daß IHNEN das in der Obdachlosensiedlung nichts brachte, durften Sie nicht anerkennen. ich taufte das auf „kompensatorische Erziehung“ tat einiges angelesene Wissen kund verließ mich in der Praxis aber auf meine Intuition. Entgegen Warnungen organisierte ich in der Nachbargemeinde einen Beatabend der nach strikten Regeln gewaltfrei ablief. Nur als mich andere Jugendliche für ihren Abend offen abwerben wollten kam es zu einer erregten Debatte. Ein Quatschkopf, der
die Jugendlichen belehren wollte, und gegen meinen Rat dazwischen schob als sie sich verbal anmachten, mußte mit geknicktem Nasenbein nach
Hause. Ich sage nichts dazu, denn ich wußte wie die Spielregeln liefen.

Mit den Bewohnern planten wir eine Demo. Ein Ofen, der
ausgewechselt worden war, trotzdem er noch schlechter war als der vorige, wollten wir mit einem Bollerwagen gemeinsam transportieren und dem Ordnungsamtsleiter auf den Cheftisch stellen. Die NWZ-Schlagzeile: „Pu Schröder stürmt mit den Obdachlosen das Ordnungsamt“. Sofort kam die Angelegenheit: Obdachlosigkeit im absoluten Sondertempo genau wie wir lange schon gefordert hatten in die Zuständigkeit des Sozialamts, in genau den zwei Wochen. Die Demo hatte ihr Ziel erreicht ohne daß wir loslaufen mußten. Danach kam aus manchen Verwaltungskreisen nur noch heftige Ablehnung
Was damit endete, daß der Arbeiterwohlfahrt angedroht wurde, ihr alle Mittel zu sperren, wenn wir nicht aus dem Projekt geschossen würden. Was uns nicht schmerzte. Wir hatten sowieso als Ziel unserer Arbeit gesehen uns durch den Auszug aller Eltern mit Kindern in Wohnungen selbst arbeitslos zu machen Da uns auch diese Kampagne gelungen war und keine Kinder mehr in den Siedlungen hausten. In einer Kneipe feierten wir gemeinsam mit allen Beteiligten erfolgreichen Abschied. Auf der
nächsten Sitzung des Jugendwohlfahrtsauschußes kuckte der Sozialamtsleiter komisch an mir vorbei. ich machte ihn intuitiv an: sie wollen ja schon wieder eine Familie in die Obdachlosensiedlung stecken. Mit seinem hilflosen Gestammel; Herr Schröder das können sie doch gar nicht wissen“. entlarvte er sich. Die Familie kriegte auch eine Wohnung.

Für die Arbeiterkinder in Osternburg  vor allem von der Glashütte machten wir danach ein  Vorschulprojekt als freie Initiative innerhalb unseres Pädagogikstudiums Wir mieteten einen ehemaligen Blumenladen, verteilten Einladungen und sprachen auch Eltern in den Glashüttensiedlungen „Kammerun“ und „Sansibar“ direkt an. Es kamen alle Eltern, die Kinder im Jahr vor der Einschulung hatten und freuten sich, daß wir uns um ihre Kinder kümmern wollten. Unsere Vorstellungen die Creativität soziales Verhalten und notwendiges Vorschulwissen zu fördern kam gut an. Wir begannen mit einer festen Gruppe von 12 Kindern

Die Redakteurin vom „ OL-Bürger“ erschien und wollte gleich den Chef der DKP sprechen, „der das ganze doch leite“. Wir konnten sie davon überzeugen, daß die DKP wohl einigen unserer sozialen Ansprüchen, keinesfalls aber unserer Idee einer freien fantasievollen Gesellschaft entspreche und darum eine direkte Zusammenarbeit unsinnig sei. Sie ließ sich überzeugen und fand unsere Bestrebungen und Konzept sehr unterstützenwert. Nachdem wir auch Frau Deipenbrok von der NWZ überzeugt hatten, bekamen wir auf der ganzen erste Stadtseite einen begeisterten Bericht mit Fotos über „engagierte Studenten im Blumenladen“, Danach konnte sich das Jugendamt nicht der Notwendigkeit entziehen, auf unseren Antrag mit einer regelmäßigen Förderung beizutragen. 2 Jahrgänge hielten wir das Projekt durch, die Kinder so zu fördern, das gut durch den Schultest kamen, und gute Grundlagen hatten in der Klasse mitzukommen. Das vorher häufig nicht der Fall. Anfangs verdächtigte uns sogar die Schule, wir würden den Schultest verfälschen, durch den vorher etliche dieser Kinder zur gleich Sonderschule sortiert wurden. Leider fanden wir nach den 2 Jahren keine Nachfolger. Dafür hatte sich die Kindergartensituation verbessert und die Eltern inzwischen motiviert ihre Kinder anzumelden.

Das Pädagogikstudium brachen wir aber desillioniert ab. Im zweite Schulpraktikum an der Röwekampschule wurden wir vom Rektor als die kommenden engagierten Studenten vorgestellt, denn sein Sohn hatte bei uns in der Obdachlosensiedlung ein Praktikum gemacht. Ohne jede Vorbereitung wurde die erste Schulsprecherwahl angesetzt. Als sich die Schüler auf dem Pausenhof um die Plätze rangelten brach der Rektor die Abstimmung ab und beschloß, den Schülern einen Sprecher zu bestimmen. Als ich das im Lehrerzimmer beanstandete, verbot er mir in der Versammlung etwas zu sagen. Donnernd kritisierte er in der Aula die Schüler und als einer mutig aufstand, zählte er ihm eine alte Verfehlung auf. Nun muße ich doch dazwischen, klarstellen, daß der Rektor sich im Ton vergriffen hat. Nur zwei entschiedene Sätze von mir und danach meldeten sich viele Schüler die jetzt Rückenwind spürten. Statt 45 Minuten ging die Versammlung über zwei Stunden. Alle Lehrer standen im Raum um diese erste Auflehnung mitzuerleben. Ich muße nur noch einen scharfen lauten Satz sagen, als der Rektor wieder anfing Schüler zu beschimpfen Auf dem Schulhof tobten die unbeaufsichtigten unteren Klassen. Es war nichts mehr wie vorher. Auf eine Anweisung des Hausmeisters bekam der zu hören: „Hier wird sowieso alles anders und Schröder wird Rektor“ Darauf bot er mir Prügel an. Etliche Lehrer redeten nicht mehr mit uns, der Rektor sage er werde dafür sorgen, daß wir nicht an eine gemeinsame Schule kommen

Durchgehalten haben wir das Praktikum auch weil genau in der Mitte das Festival in Fehmarn war, in dem sich zwar die Rocker brutal aufführen und die Wiese immer mehr verschlammte. Aber die Musik war gut die Besucher solidarisch und freundlich und Sonntags spiele sogar noch Jimi Hendrix ein wahnsinns Konzert, leider das letzte seines Lebens

Nach unseren Erfahrungen in den 6 Wochen konnten wir uns nicht mehr vorstellen an einer solchen Schule einen freien Unterricht zu gestalten. Einige Professoren wollten uns unbedingt zum Abschluß motiviere, uns goldene Brücken bauen da sie unser „Projektstudium“ für genau das hielten, was sie eigentlich anstrebten. Zum Beginn der Uni waren wirklich einige ganz tolle Leute gekommen, die über eine libertäre soziale Gesellschaft nachgedacht hatten und mit uns darüber diskutierten. Etliche beteiligten sich auch finanziell an der Gründung des Autonomen-Zentrums Alhambra, als anfangs noch eine Ente als Auto und ein Zimmer in der Wohngemeinschaft reichte,

Um einen Freiraum zu schaffen, in dem wir uns mit anderen zusammen entwickeln konnten, begannen wir 1972 eine Holzwerkstatt für einfache Regale. 6 Jahre später nannte sowas Alternativprojekt und trat plötzlich sehr gehäuft auf ebenso wie die Menschen Ihre Probleme selbst in die Hand nahm und zu jedem Anlass Bürgerinitiativen gründeten. Ich natürlich überall mittendrin. Die Dogmatiker versuchten auf den Zug aufzuspringen aber ihre Zeit kam erst für einzelne als wir Spontis die Grünen nichtmehr als parlamentarische Verteuerung der Bl.s sehen konnte und die Karrieretypen uns rauszudrängen versuchten in dem Gemenge auch einzelne der K-Grüppler Fuß faßten.
Wir jedenfalls schwammen bald in BI- und Alternativbewegung wie Fische im
Wasser, machten zwei Zeitungen Den „bunte Kahn“ und das Stattblatt Es entstand eine Kneipenscene von der Mottenkiste Dammtor Chimära Lindenstübchen

Wir mieteten für 2 Jahre unweit meines Elternhauses in der Amalienstraße 36 eine geräumige Hundehütte in der nacheinander 48 Leute zeitweise wohnten etwa 12 gleichzeitig. Viele dachten mit dem Auszug aus dem Elternhaus und dem Miteinander mit Gleichgesinnten sind alle Probleme vorbei und des volle freie Leben beginnt. Das dann erst die eigenen Schwierigkeiten wirklich sichtbar wurden wollten fast alle damals noch nicht wahr haben natürlich waren dann die anderen schuld besonders wir beiden die im Mietvertrag festhingen und als einzige nicht ausziehen konnten. . die Fluktuation war immens Darum waren wir froh, als
Wir nach dem Ablauf nach 2 Jahren ausziehen konnten.
Danach war auf Monate unser Kommunikationsbedürfnis auf 0. In unserer
Honigkuchenfabrik am Julius Mosen Platz gab es keine Klingel außerhalb er Öffnung unsere Regalbaus waren wir nicht erreichbar. Die Werkstatt entwickelte sich für die Alternativen war es selbstverständlich sich mit unseren Regalen einzurichten auch für linke Buchläden waren wir in 60km Umkreis immer die erste Wahl. Unsere Honigkuchenfabrik stand in einem Innenstadtinnenhof ein trockener Keller Parterre erster Stock und Boden je 8×8 Meter also je 64 qm. Im Parterre war die Grobwerkstatt darüber unser Wohnbereich ganz oben Lager für fertige Regale und
Farbwerkstatt ein Torfaufzug mit Endlosseil ließ die Regale nach oben schweben runtertragen mußte ich die lackierten Regale auf der Treppe. Da es sonst keine billigen Regale gab lkea kam drei Jahre später nach Bremen und für uns keine echte Konkurrenz da wir unsere Regale konsequent billig in Serie bauten und kaum Nebenkosten hatten. Wir lebten hier 4 Jahre.
Die drei Jahre vor den Kindern nutzen wir um das Wattsegeln zu lernen. Dies amphibische Gebiet mal Sand und Schlick mal Wasser faszinierte uns. Im ersten harten Lehrjahr mit einer stämmigen Jolle auf dem Autodach transportiert fuhren wir erst auf der Jade vor Wilhelmshaven später auf dem Watt um Spiekeroog und zelteten auf den flacheren Wattwiesen bei Nipptide was damals noch niemanden aufregte, da alle wußten, daß dort wo bei Spring alles überflutet war keine Vögel nisteten. Dieses Gebiet im ständigen Wechsel wie zwischen Traum und Realität mal Wasser mal Sand oder Schlick mal alles vom Grau aufgesogen mal klar im Sonnenschein faszinierte uns. Im zweiten Jahr kauften wir ein kleines Kajütboot. Wir versuchten es erst ohne Motor. Das brachte uns in einige absurden Situationen die wir mit Einsatz und Intuition ohne die keiner im Watt zurechtkommt immer wieder überstanden. Dazu will ich noch ein eigenes Buch machen mit Fotos die heute mit den Sperrgebieten nicht mehr möglich sind. Die Magie dieser Landschaft wurde für uns und bald auch für unsere Kinder zu
Genau wie früher meine Zeiten mit meinen Heuerleute, wurde es zur Möglichkeit
intensiven Erlebens natürlicher Vorgänge. Bei den Bauern noch unzerstörte Elemente eines direkten natürlichen Lebens das es wenige Jahre später mit Mähdreschern Vorratsrodern und Massentierhaltung verschwunden war. Die beiden Heuertöchter mußten dann in einer Hähnchenschlachterei arbeiten und wohnten in einem Wohnblock. Auch das Wattsegeln wurde mit dem beginnenden Massentourismus und EU-Verordnungen den bei uns gab es keine Soldwatervereinigung wie in Holland die den Unsinn, Menschen auch da aus der Natur zu drängen wo sie gar nicht störten aber die Umweltsünden und Zerstörungen in den Industriezonen zu decken weil keine Menschen sie mehr beobachten konnten erleben konnten.
Nach vier Jahren Honigkuchenfabrik und unserem Umzug in den Bauernhof
Schützenhofstr und Umstellung auf Naturholzregale richteten sich die Naturkostläden mit uns ein. Aus Helfern wurden Kollektivmitarbeiter Es machte Spaß zusammenzuarbeiten aber es stellte sich über viele Jahre nie die Besitzfrage. Die wenigen Maschinen alten abgeschriebenen, die wir brauchten, fielen gegenüber dem Wert der akuten Arbeit, der Miete und dem Materialdurchsatz kaum ins Gewicht Auch blieben die meisten nur sechs bis fünfzehn Monate, dann wollten sie ihren Lebensweg nicht mehr mit unserem Projekt verbinden, die Entwicklung ging anderswohin ein Beruf abgesichert mit den Vorteilen einer festen Anstellungen. Bedauern eher über den Umstieg, bei dem ich etlichen mit meiner Erfahrung gute Anregungen geben konnte mit vielen bin ich heute noch befreundet.
Etwa 5 Jahre nach der Gründung unserer Holzproduktion begannen überall
Kollektive innerhalb der Alternativbewegung zu sprießen und Werkstätten Läden und Garten-Landbau zu betreiben. gleichzeitig wehrten sich die Menschen in verschiedensten Bürgerinitiativen gegen die Beeinträchtigung ihrer direkten Umgebung und bundesweit gegen Umweltzerstörung und Atomkraftwerke.

Dann stand auch die Gründung der Grünen an Anfang mit der Absicht, lediglich Sprachrohr der Bürgerinitiativen zu sein Zum Gründung der Partei in der Harmonie trafen sich hauptsächlich Lehrer usw aus dem Landkreis. Dagegen versammelte sich eine Protestrunde im Alhambra Die konnte ich motivieren nach einigem Zögern zur Gründung in die Harmonie mitzukommen. Hier fanden wir ein offenes Gespräch, und unsere Vorbehalte wurden entkräftet. So beschlossen fast alle gleich mit bei den Grünen einzutreten Paul Deing, der eigentliche Initiator hatte plötzlich bei den Vorstandswahlen nur noch eine Stimme mehr wie ich. So wurde ich zweiter Vorsitzender. Die eigentlichen Gründer kamen nicht uns „Spontis“ klar und separierten sich in den Landkreis. Stattdessen schlossen sich uns dann die Ammerländer an. Als Zeichnungsberechtigter führte ich das Konto und mietete in der Nadorster Str. einen Laden mit Nebenräumen an und führte die Mitgliederliste.  Es entwickelte sich bald ein buntes Treiben aller möglichen Arbeitsgruppen Initiativen und Protestbeteiligungen. Da alles selbstverwaltet funktionierte stellte sich keine Frage nach Mitgliederversammlung und Vorstandswahlen.

mit angelegter Karriereleiter erwarteten, begannen sie den Kampf gegen die Subkultur und waren etwa 8 Monate nach Gründung auf einer Sitzung in der Lage meinen Ausschluß wegen Sabotage zu fordern. Das kam zwar nicht durch aber ich bezog mich auf die Zeitung „Der bunte Kahn“ und Zusammenarbeit mit den BI und Alternativen. Ziemlich rigide frustrierende Leute meist mit Unibezug besetzten auch Pöstchen und forderten in endlosen Diskussionen ein gemeinsames politisches Selbstverständnis zu entwickeln ohne das wir nicht zu den Stadtratswahlen antreten könnten. Wir müßten darum noch 4 Jahre damit warten, bis wir nach grundlegender Diskussion eine gemeinsame Plattform erarbeitet haben. Ein netter Briefträger formulierte mühsam sein Unverständnis und war bereit mit mir zu den Wahlen anzutreten. Ich behauptete einfach daß wir über den Landesverband antreten, wenn der Ortsverein nicht will. Ob das stimme, war mir egal, solange das alle
beeindruckte. Erst zwei weitere dann noch 4 Grüne schlossen sich uns an. Die Unidiskutierer gaben ihren Widerstand auf. Und bei den Wahlen hatten wir drei Grüne im Stadtrat. Ich nicht, denn ich hatte mich auf Osterburg versteift, wo wir von Größe und Struktur die geringsten Chancen hatten, trotzdem ich auch in der Innenstadt hätte antreten können. aber so ist Oldenburg PU Schröder als Stadtrat erspart geblieben. Nach gut zwei Jahren wollte unser Postbote Bernd Keck nicht mehr die Anmachen einiger Besserwisser ertragen und ich wäre nachgerückt. Die Ratsherren kamen in meine Werkstatt und wollten, daß ich einem Finanzfachmann als nächsten Nachrücker weiche. Dummerweise fing ich die Outfitdebatte an, daß nicht mehr die Rede der keiner zuhört sondern das Outfit die Botschaft übermitteln und mit einer selbstgeschneiderten Hose und anderen schönen Ausstattungen wollte ich das vermitteln. Das brachte die grünen inzwischen seriösen Ratsherren ins Nachdenken. Plötzlich waren alle wieder nett zu unserem Postboten, hoffierten ihn ganz plump, er machte weiter. Scheiße ich hätte der Quasseibude 18 bunte fantasiegeladene Monate beschert,
Die anarchistische Fabrik als Idee entwickelte sich, regelmäßig betreuten wir einen später zwei Menschen, die wir intern nicht als Behinderte ansahen eher als Menschen mit besonderen Fähigkeiten. Wir versuchten nicht sie für unsere Ideen zu motivieren sondern sie in ihrer Würde und Persönlichkeit zu stärken. Mit etlichen, die bei uns wieder Vertrauen zu sich fanden bin ich heute noch befreundet. Wir sahen es nicht als unsere Aufgabe, sie fit zu machen als Verwertungsobjekte im Arbeitsmarkt. Wenn sich das so ergab auch gut. Wichtiger war ein persönliches Selbstwertgefühl zu bestärken, ein einzigartiger wertvoller Mensch zu sein, innerlich gesund zu werden.
Wir verbanden die Fabrikidee mit ProjektA, das versuchte bundesweit
Alternativbetriebe auf anarchistisch zu vernetzen und dafür Schwerpunktorte zu finden. Für PA brachte ich mehrere Jahre das AHA als Forum heraus. Ich war auf viele Treffen auch ganz interne, Kommunetreffen auf denen ich als vertrauter Besucher und Außenvertreter von ProjektA kommen durfte. Auch zu den Ökodörflern Zegg Grasswurzlern Es war eine aktive bunte Zeit.
ProjektA entwickelte einige Orte wie Leer Alsfeld Berlin Marburg und ganz besonders Neustadt
Leider lief sich besonders in Neustadt, wo fast 150 Menschen sich mit PA-Ideenvernetzten alles um 1985 in und um ProjektA müde neue kamen aus den Autonomenzentren mit aufgesetzten sterilen Ansprüchen. Das wunderbare lockere Spontane das neugierige Leben wich frustrierte Mißtrauen zerstörte Solidarität eine wunderbare Zeit war zu Ende
Ich arbeite noch nach 1985 mit Widerstandsdörfern zusammen und besuchte öfter
den Platz an der Autobahn die von Osnabrück nach Bielefeld gebaut wurde. Im Verlauf der Bauarbeiten wurde der Platz mehrfach geräumt und ein Stück weiter auf der Planungsstrecke mit fantasievollen Aktionen neu eingerichtet. Ich bemühte mich immer mit einem vollen Wagen zu fahren damit möglichst viele die Erfahrungen mitnahmen. denn der Platz lag immer zwischen zwei Unistädten und eine
Für das entstehende Widerstandsdorf in Papenburg lag Oldenburg 70km entfernt im Moor, eine wertvolles Biotop in das Mercedes eine gigantische Teststrecke klotzen wollte. Aus Brettern Planen und Unmengen Torfsoden wurden Hütten gebaut. die nicht nur der Sommerhitze und Regen sondern auch der Winterkälte trotzen sollte. Kaum hatte mal ein Bewohner ein Auto und das nächste befreundete Telefon war 500 m entfernt. Um deren Verbindung besonders im Winter mit der Oldenburger Scene zu halten, mußten regelmäßig Autos rausfahren. Jeden Sonntags 14oo versuchte ich das zu organisieren, die die gespendeten und zwischengelagerten Sachen vom Alhambra und Besuchter hinfuhren Rückfahrt war meist 18oo Wichtig war eine Unterstützerscene auch im Winter zusammenzuhalten und manchmal mußte ich auch 2 Wochen nacheinander fahren. Drei Winter haben die unterschiedlichsten Bewohner den Platz gehalten.
Der Überfall zur Räumung traf uns unvorbereitet. Die Bewohner konnte alle unerkannt flüchten. Mußten aber alles zurücklassen, was dann in der Kammer des Staatsschutzes Lingen verwahrt wurde. Da klugerweise keine persönlichen Daten erbeutet wurden, verhandelte ich mit dem Staatsschutz Lingen zwei Mal über die Herausgabe. Natürlich wollten die Namen, die sie aber nicht bekamen. Dazu wollten sie die Sachen loswerden, die ihre Räume blockierten und nach Rauch stanken. Beim dritten Verhandeln konnte ich die Sachen abholen für unseren grade gegründeten Verein für alternatives in Leben der Wagenburg. Natürlich konnte ich mir ein klammheimliches Grinsen nicht verkneifen.
Neben unserer Regalbauwerkstatt in der Karistrasse waren die Hallen es
Eisenbahnausbesserungswerks die langsam aufgelöst wurden. Hier konnte ich anfangs manch schönes Werkstück schweißen lassen, das waren richtige Kumpel. Damit war bald Schluß. Die Lehrwerkstatt lief aus die Hallen leerten sich. So um 1985 wurden dort Bauwagen abgestellt an denen zukünftige Bewohner eifrig werkelten, um sie herzurichten. ich baute ihnen eine Anlage um die Dachbögen zu verleimen. und war auch sonst als Helfer mit unserer Werkstatt in allen Schwierigkeiten gefragt, wenn Sachzwänge gelöst und neue auf den Stand der Verhandlungen eingestimmt werden mußten. Als ein linker Stadtrat einige Mitstreiter überzeugte, sich doch vom Sozialamt einen Platz anmieten zulassen, stockten die Verhandlungen. Sozialhilfeempfänger in Bauwagen vermittelt im reichen Deutschland hätte einen irren Presserummel weltweit gebracht, doch wir verloren drei Monate und die für uns günstige Stadtrats-Koalition war dabei durch Übertritte ihre Mehrheit zu verlieren. Ich setzt alle Energie darein, die Verhandlungen wieder auf die politische Ebene zu bringen. Allerdings schwand bei diesen Späßen die Mehrheit der Befürworter im Stadtrat und als der Bauamtsleiter den Vatertag unterschrieb hätte er ihn auch nochmals überprüfen lassen können was der im Stadtrat nicht mehr überlebt hätte.
Die neue Verhandlungsgruppe blieb stabil bis zur Vertragsunterschrift arbeitete sich ernsthaft in die Materie ein durchblickte immer mehr die Trix der Verwaltung mit Sachzwängen und Vorschriften. Wir schafften es sogar, daß von einer Grünen aus Niedersachsens Innenministerium eine Anfrage an den Oberbaurat kam, warum in Oldenburg nicht möglich sei, was in anderen Städten schon vertraglich geregelt ist. Eine Besetzung des Platzes vor dem Ministerium ergab ein Gespräch mit der Bezirksregierung, die danach recht kooperativ wurde.
Oberstadtdirektor Wanscher hatte von Anfang an verkündet, jede Entstehung von hafenstraßenähnlichen Verhältnissen persönlich zu verhindern. Ein Jahr lang versuchte er auch jeden kleinsten Anlaß zB eine Mahnwache vor dem Rathaus nach Beschlagnahmung der Wagen mit eine Polizeiaktion und Verhaftungen zu beantworten. Die Polizei war genervt, und auch der Stadtrat, der zum ersten Mal Wanscher verboten sich weiter mit einer Angelegenheit:der Wagenburg zu befassen. Bei solchen Aktionen schafften wir es bei Schulbeginn schon mit Flugblättern die Schüler
Grüne und Linke unterstützten uns sowieso ebenso der linke SPD-Fiügel. Aber
Holzapfel als Vertreter der SPD- Rechten behauptete, mit uns nicht reden zu können. Schließlich erklärte er sich bereit bei Bürobeginn um 9oo 10 Min mit einem von uns am Tel. reden zu wollen. Ich organisierte, daß wir zu fünft in den Stühlen um 9 vor einem Büro saßen. Als er die Falle sah und an sich an uns vorbeidrängelte trat ich ihm energisch in den Weg Er könne sich die versprochenen 10 min auch zu uns setzten. Das
wurden 30 Minuten angeregte Unterhaltung. Danach konnte er nicht mehr behaupten, mit uns sei nicht zu reden.
…………..und der Legalisierung unserer Wagenburg, was nach 3 Jahren hartem Kampf und organisatorischen Mühen endlich zu einem Vertrag führte, der noch heute noch besteht. Es wurde groß gefeiert aber es krachte mit dem Alhambra als sich einige beschwerten, die nicht mit auf den neuen Platz ziehen durften weil sie nicht
zur Gruppe paßten. Nach reichlich Feiern mit Feuer und Musik. Danach versuchten die Wagis mit den gleichen Mitteln wie Blockaden und Platzbesetzungen einen zweiten Platz zu ertrotzen. Doch alle Parteien machen ihnen klar, daß niemand mehr mitmacht. Uneinsichtig und als ich vorschlug mit einem Vertrag auf Bauerwartungsland einen Platz auch kurzfristiger zu pachten zu suche und ihrem Plan keine Chancen gab war ich abgesagt. Das wiederholte sich als klar war, daß nach 13jahren ein Umzug anstand und sie mit Crashkurs gegen den Stadtrat ihren Platz erzwingen wollte. Die Verwaltung steckte sie drauf auf den hintersten Flugplatz ohne den Shelterbau. Ich bin weiter i-gitt
Als unser Regalbau immer widersprüchlicher wurde, weil das Umfeld austrocknete und sich fast alle Kollektive aufgelöst hatten verkaufte ich meinen Anteil an dem Projekt an das übrige Kollektiv nach einiger Zeit stellte der letzte Inhaber einen Tischler ein. Der übliche Kreislauf eines Alternativbetriebs war geschlossen. Zum Konflict wurde Franz für den wir große Förderung bekamen den aber außer mir niemand betreuen wollt weil er zwar sehr intelligent war aber nicht seinen Platz einrichten konnte. Ich kam inzwischen um 11 und blieb als letzter. Doch als ich ihn unter irren Bedingungen Arbeiten sah und keiner sich betroffen fühlte kam es nach 3 1/2 Jahren zum ersten deftigen Krach mit Klaus Keine Ausspracheergebnis am Nachmittag Am Montag war klar das er nicht mehr mit mir arbeiten wollte. So zahlte er mich aus und ich hüpfte glücklich aus der Werkstatt nach 26 Jahren Regalbau.
Als die Zeit anstand, daß die Kinder selbständig leben wollten zu Lebenspartnern auszogen auch meine Lebensgefährtin einen Aufbruch in ein Leben ohne Partnerschaft begann, um endlich ganz ihre ganz eigenen künstlerischen Vorhaben zu entwickeln. Dazu gehörten zwei längere Aufenthalte in Madagaskar
Unser Haus am Drielaker See ein kleines Eisenbahner-Siedlerhaus hatte ich mit dem Bodenausbau für die heutigen Raumansprüche einer Familie mit je einem eigenen Zimmer ausgebaut. Für den Ausbau mußte ich leider den herrlichen Jollenkreuzer verkaufen. Keine Wattfahrt für viele Jahre. ich konstruierte verleimte ineinander greifende Träger für das aufgeklappte Dach das 1 x1 m Fenster dazwischen passten wir dämmten und vertäfelten Türen rein und Fritz und Suse hatten so eigene Zimmer mit einem Zwischenraum und einer steilen Treppe
Mit dem Geld aus dem Regalbau konnte ich einen wunderschönen Anbau einen Raum mit hoher Balkendecke und einem geräumigen Boden mit Fenstern nach drei Seiten abbauen für Puppenbühne und Bücher.
Alles mußte leider verkauft werden als wir uns trennten. viel ist nach Bezahlung aller Schulden und Verbindlichkeiten nicht übrig geblieben. Für mich reichte es zur Einrichtung des Ladens und einen kleinen Jollenkreuzer um endlich nach 10 Jahren wieder auf dem Watt zu segeln. Auch unsere Puppenbühne überstand die Trennung leider nicht. Das Antiquariat mußte ich alleinverantwortlich weiterführen.
Mit meinem Anteil am Hausverkauf konnte ich meinen Traumladen direkt im Hafen mit Blick auf Ebbe und Flut mieten. Finanzierbar waren die Miete und sonstigen Kosten an diesem für mich schönsten Ort Oldenburgs nur durch das Internet, das sich für mich als Schnelldrehenes Hamsterlaufrad entpuppte. Und ich war der Hamster. Vorher machte in der Innenstadt zur weiteren Finanzierung einen illegalen Bücherkarren der erst nach 4 Jahren und 6 Monaten aufflog. Ich fand die Idee toll, als ambulanter Antiquar mitten im Zentrum herumzustehen den Tag zu verschwatzen William und den übrigen Musikern zuzuhören Manchmal fand ich auch „Orginal“ Waldemar und eiernden Drehorgelspielern akustisch unglücklich.
Das der Karren nach der Innenstadtsatzung nicht genehmigungsfähig war wußte ich nach dem ersten Gespräch im Ordnungsamt. Doch hatte ich die Erlaubnis, an drei Freitagen Prospekte zu verteilen und als Blickfang einen kleinen Büchkarren mitzuführen mit strengem Verkaufsverbot Zwei Mal erneuerte ich das auf insgesamt neun Tage. Und danach hatte ich als lernfähiger Anarchist alle Trix raus um alle Kontrollen zu umgehen und allen zu vermitteln, daß mein Karren erlaubt und legal sei, ich selbstverständlich niemals etwas tun würde das nicht streng genehmigt sei. Und die Polizei hatte sich an den Karren gewöhnt und fragte nicht nach einer Genehmigung. Es wurde ein neuer beim Ordnungsamt angestellt, der mit seiner Kamera alles abfotografierte und im Amt kontrollierte, was tatsächlich erlaubt war. Er schickte mir ein Bußgeld, Oberbürgermeister Schütz versuchte das abzuwenden, doch Glumert blieb stur. NWZ und Huntereport schrieben positive Artikel, Leserbriefe prasselten. Doch Glummert setzte sich gegen seinen Chef durch der mir aber das Bußgeld erließ
Danach entstand eine Pause von 7 Jahren in denen ich total mit meinem Antiquariat und Umfeld beschäftigt war. Erst jetzt ab 20014 komme ich wirklich nach dem verarbeiteten Umzug zum aufarbeiten der Zwischenzeit.
Da hatte ich aber schon genug Rückhalt, das ich auch so grade ebenüberleben konnte. Und das in dem Laden für 12 Jahre fast immer mit überzogenen Konto und zwei schweren Hüftgelenksoperationen. nach 7 Jähren hätte ich mit einer kleinen Legat meines verstorbenen Schwagers umziehen können in einen kleineren Stadtladen den ich auch heute noch hätte machen können. So waren die Widersprüche das Risiko und die Büchermarkentwicklung, die nur noch eine Auflösung sinnvoll machten.
Die Auflösung der Gebrauchtbücher war eine schwierige Expedition durch einen
Abschnitt unbekannter Sachzwänge und Aufgaben. Durch einen vor 2 Jahren verstobenen Antiquar wußte ich, daß so ein Laden nicht verkäuflich ist und das Bücher die für 5 Euro im Internet stehen nicht mal geschenkt loszuwerden sind.
Ein Wasserschaden durch ein Rohr in der Decke mit aufgequollenem Fußboden war der Anlaß im Einvernehmen mit der Vermieterin den Vertrag aufzulösen und das Startzeichen, den laden zu schließen. Ein guter Zeitungsartikel und die allgemeine Ankündigung in Anzeigen von 50 Prozent Rabatt brachte so viele Kunden, daß ich mit einem kleinen Plus aus der Ladenauflösung kam. Mit einem kleinen Kombi fuhren wir in Etappen unermüdlich die restlichen Bücher. In ein Lager und mein neues zu Hause in der Bergstr Mary sortierte fleißig Die Unterlagen was weg konnte. Die Familie rückte an, damit alles besenrein übergeben werden konnte. Ich steigerte mich in einen Wegwerfrausch, ließ nur wenig über bei Romanen Medizin und Esoterik während die Schubkarren in nacheinander drei Container fuhren und alles abkippten. Kaum ein Taschenbuch entkam meinem kritischen Blick. Ebenso kein Buch das mit 5€ und weniger gelistet war.
Inzwischen ist der Laden nach 12 Jahren Ende August besenrein übergeben worden.8,5 Tonnen Bücher wanderten in drei Schuttcontainer 11 Regale kamen in einen Abstellraum mit etlichen Kartons und einige Regale stehen hier in meiner Wohnung. 4 Regale für Mary’s Buchschopp in der Küche dazu Mein sogenanntes Wohnzimmer-Tiden-Antiquariat mit 2 Regalen Anarchie und sonstige Utopien alternative Entwürfe und sonstige libertäre Politik 2 1/2 Regale Seefahrt eins mit Regionalem und 1/2 mit meinen bescheidenen Bestand an ganz persönlichen Büchern eingerichtet.
Verleidet worden war mir der an sich tolle Platz am Wendehafen auch durch einen häßlichen Betonbau gegenüber der die weite Sicht auf die Wolken nahm und weil die Pappeln, die sich im Wind wiegten und jeden Hauch in harmonische Bewegung umsetzten, abgehackt wurden.
Als Rose am Stau leider schlossen, baute ich den nautischen Bereich mit Seekarten und Revierführern und eine nach und nach anerkannten Beratung aus. Insbesondere meine Empfehlung schon 1 Std vor Hochwasser loszufahren, um nicht vor Bremerhaven in den Gegenstrom zu geraten, wurde anerkannt. Meine Begeisterung für die Wattfahrt, welche mögliche Kurse, Landeplätze und Tidezeiten, welche Boote geeignet, Inzwischen
wo Gefahren und Grenzen zu beachten sind, wann Seegaten noch befahrbar sind. Sogar für ein Yachtgespräch mit der größten Seglerzeitung erhielt ich dort eine ganze Seite, fast ein Ritterschlag. Aus den vielen Fahrtenerfahrungen und Fotostrecken ein neues Buch zu machen ganz im Sinne von KarlHeinz Neumann dem wunderbaren Wattexperten. Daß ist eines meiner drei Projekten. „Rückwärts nur um Anlauf zu nehmen“ meinte der leider schon verstorbene Dr. Wassenberg, sei der einzig mögliche Titel für die Beschreibung meines unangepaßten Lebens. Wie im parlamentarischen Kapitalismus das Leben sinnvoll gestaltet werden kann ? Das Buch Alltagsanarchie (Projektanrchie) soll meine Anregungen dazu werden.

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Kapitel3 Die Zeit in Alsfeld

Kapitel 3
Alsfeld war als Projekt-A-Ort ausgewählt Es entstand eine ganz neue Aufbruchstimmung die Leute erfaßte die sich schon zurückgezogen hatten und jetzt in Alsfeld auftauchten. Im Oktober/November 1988 wurden 2 Häuser Unfug (Untere Fuldergasse) 2 und 12 gekauft. Sofort die 2 von ET (Erhard Trotnow) kurz später die 12 vom Kollektiv Jo Arthur Sylvester Heike und Uli. Karl der einzige Einwohner besorgte die Wohnung für Horst und das Anarchiv. Zur erwarteten Ubernahme des Ökoladens durch Uli kam er nicht rechtzeitig, Icke machte auch keinen Elektroladen auf sondern später in Neustadt wo ach Uli in den Ökoladen einstieg Die Galions kauften einen Hof in der Nähe in Bieben. Ebenso miete eine Gruppe einen Hof etwas weiter in Reimrod. Peter und noch 2 zogen nach Alsfeld in eine WG gründeten die gemeinnützige Kulturfabrik und Kneipe
Um Cora die erst nach Bieben zog und dann in Unfug2 kam es aber bald zu einem Klinsch besonders zwischen Gabi und ET um Mietzahlung und abgeholten Besitz. Das wurde leider unnötig aufgebauscht als ob in Bieben esoterische Hexen hausten. Mein Versuch, den Bruch aufzuarbeiten scheiterte leider an ET’s Sturheit. ein treffen versank in Sprachlosigkeit.
Im ersten Jahr erschienen noch gemeinsam von Unfug 2 und ET vier AHA , im zweiten drei im dritten nur noch eins. Barbara hatte sich bei ET intensiv an den Renovierungen des großen Fachwerkhauses beteiligt, war dann aber im Streit ausgezogen. Als ET das AHA für seine einseitige Darstellung nutzte, wurde er in Stangrod-Bundestreffen Juni 1990 von der AHA-Mitarbeit ausgeschlossen. Um die Abgeltung von Barbaras Arbeit gab es leider einen Rechtsstreit
Ich war häufig in Alsfeld saß in allen möglichen Küchen herum und war bald der einzige, der noch zu allen Kontakt hatte, weil ich mich als Besucher aus allen Streitigkeiten raushalten konnte, Es war manchmal komisch, wenn ich nacheinander in die Unfug 2 und 12 bei Horst vorbei und dann zu den Gallions, alle im gleichen Projekt aber dennoch kaum Gemeinsamkeiten. Es gelang mir meist das zu ignorieren und versuchen von allen Positives und Fortschritte insbesondere beim Ausbau zu berichten, auch im AHA..
Horst zog inzwischen mit Anarchiv und Satzzentrum nach Neustadt. Der Bauernhof in Reimrod wurde aufgelöst . Weitere Bundestreffen Leer 25-27. August, Berlin 7-9.Sept. 90 und Neustadt 18-20.Jan. 91 Es wurde schwierig, überhaupt noch anhand der AHA nachzuvollziehen wie der Auflösungsprozeß ablief. Die Unfug 12 wurde an einen Mitbewohner, der in Alsfeld bleiben wollte verkauft und der Umzug der anderen nach Neustadt abgewickelt.
Inzwischen war mir durch meine Besuche aller möglichen Orte und Treffen klar geworden, daß nur mit der Weiterführung des AHA außerhalb von Neustadt das Gesamtprojekt weitergeführt werden konnte. Andernfalls wäre das AHA in N untergegangen. In der Befürchtung der Arschkarte, das ich als einziger das durchzuziehen „zu müssen“ bereit war. fuhr ich zu dem einzigen Treffen, das noch stattfand.
So wurde in Billertshausen, eigentlich nur ein Vorbereitungstreffen. 22-24 Nov. 1991 Alsfeld als PA-Ort aufgehoben und jedem freigestellt, wie er sich weiter zum Projekt verhält. Mitsamt Konto und Abo-Liste wurde mir das AHA nach Oldenburg überantwortet. Mehrere versprachen hier zur Endredaktion zu kommen was zeitweise mit Jörde/Dortmund auch klappte.
Leider schafften wir es nicht mehr zum geplante Bundestreffen im Dezember 1991 rechtzeitig einzuladen, das die aktive Theoriegruppe Marburg vorbereitet hatte, aber mißverständlich keine extra Einladungen verschickte, denn das AHA wurde erst im Januar fertig. Das nächste sehr gut besuchte Bundestreffen fand darum erst im März statt. Bis dahin galten die Beschlüsse vom Vorbereitungstreffen, die dort bestätigt wurden.

  • Pu Schröder Im Fabrikprojekt Oldenburg war ich in der angenehmen Lage wenn kein Laden gebaut wurde, von Freitag bis Montag weg bleiben zu können, was ich exessiv ausnutzte. Natürlich muße ich die Zeit nacharbeiten.
  • PU Schröder Das eigentlichen Faktengerüst der drei Jahre Alsfeld als P-A-Ort ist nur dürftig in den AHA dargestellt. Ich habe hier schon einiges aus meinen persönlichen Erinnerungen dazu gepackt. Demnächst müssen weitere Quellen erschlossen werden die eigentliche Arbeit beginnt damit. Wer wohnt noch in der Unfug 2 und 12 in Bieben. Über die Kulturinitiative und Kneipe fast nichts. was ist noch in Neustadt im Anarchv. das jetzt nach Speyer umgesiedelt wurde Werde mal losfahren alte Bekanntschaften auffrischen. Mit Mitmachern über Facebook oder Unterstützung über ein sich regendes Interesse unter den alten P-A’lern rechne ich nicht..
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Kapitel 4 Zwei Jahre geht es weiter Kapitel 5 Absturz und Auflösung

Kapitel 4
Nach dem Beschluß Alsfeld als Projekt-A Ort aufzuheben war mein Konzept, das AHA aus dem Run auf Neustadt herauszuhalten und eigenständig auch für Bundestreffen und Lutterspectakel und der Vernetzung mit dem ganzen Umfeld wie Kommunen Ökodörfern Graswurzlern Widerstandsdörfern Wagenburgen Anarchotreffen weiterzuführen und mit meinen Kontakten Vorstellungen und Büchertischen auf den verschiedensten Treffen auch das ganze Umfeld einzubeziehen sowohl in die Berichter…stattung im AHA Vorstellung verschiedenster Projekte und Initiativen als auch in Vertrieb und Besuche und Büchertische bei allen sinnvollen Treffen auch durch Pflege von Kontakten auch tatsächlich das AHA bunt und aktuell und interessant zu füllen Insbesondere auszugsweise die Stichpunkte aus Neustadt soweit nicht intern vertraulich veröffentlichen zu dürfen um die Entwicklung dort für das übrige Umfeld nachvollziehbar zu machen.
In den 2 Jahren nach Alsfeld fanden noch verschiedene Bundestreffen und zwei Spectakel statt, intensiv begleitet von den von mir innerhalb der Fabrikprojekts herausgegebenen AHA’s Das erste davon drohte uns zu entgleiten und war mit über 300 Beteiligten für Lutter eigentlich zu groß. Auch mußten wir ziemlich massiv eingreifen weil einige unsere Abmachungen für Auto und Feuer nicht einhalten wollten. Danach konnten wir das nächste nur noch ohne jede Werbung veranstalten. Trotzdem kamen noch über 200. Infotisch und Projektvorstellungen waren mangels Bereitschaft an mir hängen geblieben. Auch die Bundestreffen waren fanden rege Beteiligung, trotz zu vieler Besucher in Neustadt, die zu rigiden Beschränkungen führten. Das Verhältnis zwischen dem Bundeszusammenhang P-A und Neustadt schien sich einzuspielen. Nur meinten Theoretiker insbesondere in Berlin Marburg und Ruhrgebiet und Gruppen von Außerhalb das für einen Selbstläufer zu halten. Im Projekt waren alle sehr beschäftigt, freuten sich; daß die Kommunikation klappe und man scheinbar nichts dazu beitragen mußten. Jetzt zeigte sich, daß es in P-A keine langfristigen Vereinbarungen gab, das Zufallsmehrheiten auf Bundestreffen alles total in Frage stellen konnten.

Kapitel 5 und Ende
Das klappte ab Jan 1992 zwei Jahre bis eine Gruppe um Ilse Schwipper die Forderung erhoben Artikel von „Anarchist Black Cross“ und andere Initiativen im AHA unbegrenzt zu veröffentlichen. Wir wiesen auf die Vereinbarung hin, daß das AHA allein für Projekt-A und ihre Vernetzung und Komunikation da sei.
Vorher schon hatte ich mit Hagen, der auch bei ABC engagiert war Ausein-andersetzungen. Nach einem Grundlagentext, den wir auch abdruckten, lehnten wir… die sich häufenden Solidaritätserklärung nach den üblichen Tel-Absprachen ab, sie im AHA zu veröffentlichen. Nach einem Brief von Hagen mit wüsten Beschimpfungen wurde das Verhalten von ABC zu ProjektA auf dem nächsten Bundestreffen besprochen und der nicht vorhandene Bezug festgestellt. Damit war das Thema vorläufig erledigt.
Es stellte sich heraus, daß niemand aus Projekten bereit war, sich wirklich für das AHA als spezielle Projekt-A-Postille zu engagieren und dafür zum nächsten Bundestreffen im Dez.1993 in das für die meisten weit entfernte Letschin zu kommen. Selbst aus Neustadt kam niemand.Ich bekam von den Anwesenden die Weisung, das AHA an wechselnde Gruppen abzugeben, die nacheinander die Herausgabe organisieren sollten. Ich wurde aber verpflichtet, weiter interne Zirkulare und sonstiges Material sammeln und diese mir großenteils persönlich anvertrauten Interna vollständig zur weiteren Auswahl und Bearbeitung abzugeben.
Das wäre ein Vertrauensbruch gewesen und hätte kraß meinen Absprachen widersprochen, nur weiterzugeben und zu veröffentlichen, was nach meinen persönlichen Informationsstand insbesondere im Zweifelsfalle nach telefonischen Rückfragen geeignet und „nicht Interna“ freigegeben war. Dieser Vorbehalt interessierte in Letschin niemanden. Das AHA das ich in gut zwei Jahren zu einem allgemeinen Zirkular für Projektanarchie aufgebaut hatte , war für ABC insbesondere die Gruppe aus Berlin um Ilse Schwipper zum Objekt der Begierde geworden, sich in der inzwischen auf 400 gewachsenen Auflage mit allen möglichen Pamphleten zu produzieren. Da zu Letschin als einem offiziellen Bundestreffen eigeladen wurde, war es völlig korrekt.
Die Auflage stürzte auf die abrupt weniger als 50 Abonnenten. Die Marburger übernahmen das AHA von Berlin zur Zeit der Großen Krise in Neustadt. aber nichts davon im AHA. Das Desinteresse führte auf dem Bundestreffen in Fronhausen im Dez 94 zum Auflösungsbeschluß für den Bundeszusammenhang des ProjektA. So hat diese Gruppe geschafft innerhalb von 9 Monaten sowohl das AHA als auch die Bundestreffen zu ruinieren. Ich konnte dem nur noch hilflos, untätig und traurig von außen zuschauen

Pu Schröder Zu Neustadt emfehle ich: Jens Herrmann: „Wespe das andere Modell“ . Am besten bei „ixquick de“ suchen ansonsten noch „Projektanarchie.de“ mit Texten zur A-Fabrik in Oldenburg.

Pu Schröder Grade habe ich die AHA 15-16 für die Zeit der Ortssuche vom Berliner Treffen Dez 87 bis zum Entscheidungstreffen Sept. 88 durchge-arbeitet. Damals gab es für diese 4 Ausgaben auch nur eine reine Sammel-stelle in Bochum ohne aktive Redaktion, wodurch der Informationsfluß für die Bundestreffen und den sonstigen Meinungs-und Informationsaustausch stocke. Da sich auch die Redaktionsanschrift änderte blieb leider bei der vorherigen Redaktion etliches liegenblieb oder wurde nicht abgerufen, Statt-dessen wurden in Nr 17 mangels Material 25 Seiten veraltete Protokolle von Regionaltreffen veröffemtlicht. Dafür waren die Termine zu den Bundestreffen kaum auffindbar. Und das wichtige Protokoll des Berliner Treffs zur Ortssuche mit vielen Vorschlägen und Kommentaren dazu blieb unveröffentlicht.. Etliche Interesierte blieben dadurch vom Informationsfluß abgeschnitten.in einer passiven Erwartung. Womit die Ortswahl auf dem Sekttreffen bei etwa 25 Anwesenden nur noch durch ganze 7 Entschlossene erfolgt. Erst danach mit neuer aktiver Redaktion kam mit dem Informationsfluß wieder neuer Schwung in die Sache. etlich kamen aus ihrer Passivität und da ein gleich gekauftes großes Fachwerkhaus in Alsfeld als als Anlauf funktionierte, gab es neu akti-vierte Entschlossene, die bei der Renovierung anpackten als Kollektiv zu 5 ein weiteres Haus und die Gallions einen Bauernhof in der Ungebeung kauften. Damit müßte ersichtlich sein, das ein Projekt, das nicht in einem überschau-baren örtlichen Rahmen stattfindet, ohne eine verbindlichen Informations-strukltur nicht funktionieren kann. .
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    Selbstverwaltete Betriebe Libertäre Tage 1993 Abschlußbericht

    Selbstverwaltete Betriebe

    Alternative Betriebe, praktische Anarchie und Ökonomie war von Anfang an der Gesamtrahmen dieser Arbeitsgruppe.

    Wir haben an allen drei Tagen gearbeitet; jedes Mal war es eine andere Zusammensetzung. Am ersten Tag waren wir etwa 80, am zweiten 50 und am dritten 25, damit am letzten Tag gerade richtig für eine funktionierende Gruppe.

    Die Aufteilung wollte an den beiden ersten Tagen nicht klappen, da eine zu große Gruppe Interesse hatte zusammenzubleiben.

    Die Schwierigkeiten mit dem Auseinandergehen bedeuten Verlust von Möglichkeiten, die Praxis von anderen zu erfahren. Die meisten fahren nicht zu so einem Treffen, um dann Gespräche wieder in einem engen Kreis zu führen.

    Bei der praktischen Verwirklichung der Anarchie kommen wir ohne Erfahrungen und Lernprozesse nicht aus und nicht ohne Leute, die davon berichten können.

    Ein Teil der Anwesenden hatten mit mir den Eindruck, daß die Erfahreneren aus den Projekten zusammenbleiben wollten und die Neueinsteiger wollten mit ihnen reden. So spalteten sich nur zwei kleine Gruppen zu speziellen Themen ab. Die große Gruppe tagte sogar bis in den Abend hinein.

    Am ersten Tag stellten sich etwa 15 Alternativbetriebe mit den unterschiedlichsten Arbeitsfeldern und Zielen vor.

    Am zweiten und dritten Tag kamen noch weitere hinzu:

    Ein Taxiverbund mit 25 Fahrern (Motto: Lieber ein mieser Job mit tollen Leuten als ein guter mit schlechter Stimmung), eine Bäckerei, Holzbetriebe, Kneipe und großes Cafe, Druckerei, Bau- und Innenausbau aus Berlin mit über 40 Beteiligten, Buchladen, Fahrradgeschäfte, Gärtnerei, Landkommunen, Behindertenprojekt, eine Gruppe ehemaliger Gefangener, die aufarbeitet und repariert, ein umfangreiches Selbsthilfeprojekt aus Holland mit viel Sozialunterstützung und eigener Bank, die Wespe (eine regionale libertäre Betriebsvernetzung aus Neustadt) und das Fabrikprojekt, beide im Verbund mit Projekt A, einem bundesweiten anarchistischen Zusammenhang.

    Erster AG-Tag

    Am ersten Tag wurden Probleme erörtert, wie weit Alternativbetriebe die Aktivitäten der Kollektivbeteiligten aufsaugen, soviel Kraft und Zeit erfordern, daß sie kaum noch nach außen wirken können. Schränken praktische Versuche die politischen Aktivitäten ein oder gibt es gerade dadurch erweiterte Möglichkeiten?

    Das hängt sicher auch von der Effektivität der Arbeit ab, wieviel jede/r braucht, um das notwendige zu verdienen. Dabei dürfte die 5-Std.-Woche eine interessante Spekulation bleiben, 25 Wochenstunden in der anarchistischen Fabrik sind ein realistischer Versuch. Einschließlich notwendiger Gespräche beanspruchen viele Kollektive ihre Mitarbeiter über 50 Stunden in der Woche.

    Wer da nicht das entsprechende Durchstehvermögen hat, gibt leicht auf.

    Am ersten Tag wurden also mehr die Möglichkeiten besprochen, die Menschen in solchen Betrieben überhaupt haben, nach innen eine sinnvolle, ausfüllende Arbeit, nach außen, wie weit sie sich auf dem Weg zu einer utopischen freien Gesellschaft mit der Verwirklichung von wirtschaftlich arbeitenden Projekten voranbringen können.

    Diskutiert wurden die Möglichkeiten und Gefahren, die Utopie auf dem Weg der Verwirklichung in den Schwierigkeiten und Sachzwängen wieder zu verlieren. Wie weit sich eine Gruppe von ihrem Umfeld, ihrem Stadtteil, anderen Betrieben in der Umgebung abgrenzt, wie gleiche Branchen mit der Konkurrenzsituation fertig werden.

    Wobei nicht ganz klar wird, ob elitäres Bewußtsein oder schlichte Hilflosigkeit im Umgang mit dem Umfeld Abgrenzungen bewirken. Betriebe, die schon länger bestehen und bewußt und direkt an dieses Problem herangehen, haben meist nicht die Schwierigkeiten wie Gruppen, die noch im Aufbau total mit sich selbst beschäftigt sind.

    Aber der Wunsch mit der Umgebung auszukommen kann nicht heißen, sein Verhalten an Normalos anzupassen und den eigenen Stil zu verlieren. Der Wunsch, sich exotisch unter Angepaßten zu fühlen und das ausdrücken zu wollen, kann also nicht Anpassung heißen sondern gegenseitige Akzeptanz von beiden Seiten.

    Als wichtig wurde eine Vernetzung von Projekten angesehen, weil dann die Möglichkeit besteht, bei auftauchenden Widersprüchen und unvereinbaren Ansichten Betrieb oder Wohngemeinschaft wechseln zu können, wie z. B. bei dem Wespeverbund in Neustadt.

    Schön wären Möglichkeiten einer Wanderschaft durch verschiedenen Bereiche von Dienstleistung, Handwerk, Handel und Fabrikation. Als Erprobungszeit, um Erfahrungen zu machen und den Platz zu finden, an dem ich wirklich sein will und mich nicht nur mit meinen beruflichen sondern auch meinen politischen Zielen wiederfinde.

    Menschen, die noch auf der Suche sind, können für eingefahrene Projekte sehr wertvolle Anregungen bedeuten, ins Stocken geratene Gespräche wieder voranbringen.

    Aber besteht dafür nach einem jahrelangen Betriebsaufbau noch die Offenheit und Neugier?

    Wenn sich eine belastbare Gruppe zusammengefunden hat, die effektiv und wirtschaftlich arbeitet, hat sie dann noch den Schwung nach außen zu wirken?

    Zweiter AG-Tag

    Am zweiten Tag stand ein anderes Thema im Mittelpunkt:

    • Wie ist mit Randgruppen, AußenseiterInnen, weniger „effektiven“ Menschen umzugehen?
    • Wieviele davon verträgt eine Gruppe, ohne daß sie an Überlastung zerbricht?
    • Wie groß ist unser Anspruch, anderen helfen zu wollen?

    Theoretisch lassen sich leicht moralische Maximalforderungen aufstellen, jede/n aufnehmen zu müssen, der/die Hilfe braucht und in der normalen Konkurrenzgesellschaft wenig Chancen hat. Stellt eine Ablehnung von Menschen unsere ganzen Ansprüche in Frage?

    Wenn ich aber jeden Tag länger arbeiten muß, um Schwierigkeiten anderer auszugleichen, kann mir die Zeit für Kreativität und Kommunikation verlorengehen, damit meine Möglichkeit zur Weiterentwicklung.

    Kollektive erleiden dann leicht Absprünge durch Rausgehen in weniger belastete Gruppen oder es findet ein Rückzug auf einen normalen Arbeitsplatz statt, wo mensch sich mit so etwas gar nicht erst auseinandersetzen muß und unter keinen moralischen Druck gerät.

    Dieses Gespräch wurde teilweise sehr emotional geführt. Einige gingen raus und kamen erst nach vermittelnden Gesprächen wieder.

    Besonders die Möglichkeit, HartdrogenbenutzerInnen in Projekte aufzunehmen, wurde von einigen nach schlechten Erfahrungen strikt abgelehnt, weil Mißtrauen nach herben Verlusten eine vertrauliche Offenheit unmöglich macht.

    Ein Projekt hatte schon zweimal Probleme mit HartdrogenbenutzerInnen, wollte aber weitere Versuche nicht ausschließen. Einige waren empört, daß überhaupt in der Diskussion die Möglichkeit einer Ausgrenzung vertreten wurde, daß überhaupt Ablehnungen möglich sind, wenn jemand Schwierigkeiten mitbringt.

    Was für zeitliche, arbeitsmäßige und finanzielle Belastungen kommen durch Betreuung auf eine Gruppe zu?

    Was so schön und idealistisch klingt, heißt in der Praxis immer eine Bereitschaft der Einzelnen, die sich daraus ergebenden Belastungen tragen zu wollen und bei Überlastung die Gruppe nicht zu verlassen.

    Denn was nützt das schönste Konzept, wenn die Gruppe an der Überfrachtung mit Problemen zerbricht. Da stellen sich auch grundsätzliche Probleme der Beurteilung von bestehenden Projekten.

    Wenn KritikerInnen an die praktische Verwirklichung möglicher, gangbarer Wege zur anarchistischen Utopie mit idealistischen Vorstellungen herangehen, kann ihnen die Praxis nie genügen. Die real existierenden Versuche werden darum meist mit „Ungenügend“ oder „Falsch“ verurteilt. Wonach sich die TheoretikerInnen wieder beruhigt zurücklehnen können, denn auf solche Versuche brauchen sie sich nicht einzulassen.

    Wir wollen aber die Utopie einer freien, sozialen, ökologischen Gesellschaft verwirklichen und müssen uns darum auf Unvollkommenheit und Fehler einlassen, aus denen wir lernen und uns weiterentwickeln können.

    Auf dem Weg müssen wir uns möglichst weit so verhalten, wie wir auch in unserer verwirklichten Gesellschaft handeln wollen. Sonst verlieren wir auf dem Weg die Utopie.

    • Welche Probleme haben wir eigentlich allein schon auf unserem richtigen Weg innerhalb einer falschen Gesellschaft?
    • Wieviel Vorstellungskaft und Phantasie müssen wir aufbringen, um nicht ständig als innovatives Potential für kapitalistisches Wirtschaften vereinnahmt zu werden?
    • Oder werden wir bei Nichterfolg dieser Taktik der Herrschenden ausgegrenzt und verfolgt?
    • Wo läßt sich dazwischen noch frei agieren…?

    Meist wird Anarchie mit viel Theorie und wenig Praxis gemacht, und wo Praxis stattfindet, wird häufig versucht, sich mit minimaler Theorie durchzuwurschteln ohne rechte Lust auf Reflexion dessen, was gemacht wird. Projektanarchie versucht einen evolutionären Weg.

    Aus dem gemeinsamen Lernen jedes Menschen, mit dem ihm gemäßen Erkenntnisfortschritt ohne Zwang sich an eine allgemeine Theorieentwicklung anpassen zu müssen, wenn er sie innerlich noch nicht mitvollzogen hat.

    Fazit

    Ich betrachte unsere Arbeitsgruppe als die einzige, die sich mit den praktischen materiellen Grundlagen und realen Erfahrungen der Verwirklichung von Anarchie auseinandersetzte. Die rein spekulative Diskussion über die 5-Stunden-Woche zog schon alleine mehr Interessierte an.

    Zu anderen Themen, die sich mit theoretischen Erörterungen innerhalb der Libertären beschäftigten, kam ein Mehrfaches an BesucherInnen. Das war auch so vorausgesehen und bei der Raumplanung richtig eingeteilt.

    Aber stellt sich diese unsere Bewegung damit nicht in Frage, können solche Treffs über theoretische Auseinandersetzungen hinaus überhaupt etwas bewirken? Wenn sie/er etwas besser weiß, wie mensch manipuliert und unterdrückt wird, aber nicht, wie sie/er sich positiv mit anderen weiterentwickeln kann.

    Ich weiß, wie schwer es war, überhaupt Räume zu finden. Für Frankfurt war schon das Mögliche ausgeschöpft. Aber die kurze Zeit des Tages, die uns die vielen Räume und großen Flure des Seminarbereichs zur Verfügung standen, waren meist von Arbeitsgruppen ausgefüllt.

    Der freie Austausch, eine zirkulierende Kommunikation in einer Basaratmosphäre um die Stände waren immer nur kurze Zeit möglich und wenn es gemütlicher wurde, mußten die Bereiche auch schon verlassen werden. Jede schöpferische Muse brach ab.

    Draußen auf dem Platz hatte uns Krankfurt rasch wieder eingeholt, unsere angereisten AbhängerInnen mit ihren mitgebrachten Bierpaletten und der überdrüssigen, schmuddeligen Variante eines hilflosen Individualanarchismus; und die Abgeschobenen der Überflußgesellschaft in dieser reichen Stadt, mit deren Aggressionen wir nur schwer umgehen konnten.

    Pu, Oldenburg

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    Selbstverwaltete Betriebe Libertäre Tage 1993 Einführung

    AG Selbstverwaltete Betriebe

    Ich habe da so meine Schwierigkeiten über das bunte Spektrum der selbstverwalteten Betriebe einen Text zu verfassen, in dem sich alle wiederfinden. Mir scheint gerade umgekehrt, daß die Vielfalt ausufert von mönchisch-ökologisch-selbstverwirklichend über neugierig-testend bis zu juppihaft-erfolgsorientiert, sich vieles alternativ bis anarchistisch selbstverwaltet.

    Meine Rolle sehe ich dabei mehr in der Vernetzung und Ansprache verschiedener Gruppen, die sich dann in Frankfurt auf den Libertären Tagen einbringen. Meinen eigenen Beitrag zu praktischer Ökonomie und Vernetzung hatte ich eigentlich mehr als Sammeln von Projekten und Entwürfen zur praktischen Verwirklichung der Anarchie gesehen und nicht als Vorbereitung einer theoretischen Arbeitsgruppe.

    Dazu werde ich an der Vorbereitung von Ständen auf einem Jahrmarkt der Möglichkeiten, einer Vorstellungsrunde der teilnehmenden Projekte und dann mehr einer Gesprächsrunde mit eingehenderen Vorstellungen der beteiligten Projekte und Planungsgruppen mitwirken.

    Zu meinen eigenen Vorstellungen:

    Ein Weg zur einer Anarchie kann grundsätzlich nur über die Lernfähigkeit des Menschen führen. Eine Revolte von der viele träumen: so mal eben den Staat zerschlagen, und dann kommt die freie Gesellschaft schon von alleine. Eine solche Revolution kommt nie von der Gewalt wieder runter. Die Brutalsten und Machtgeilsten setzen sich am ehesten durch und geben die Herrschaft nicht wieder ab, auch wenn sie vorher noch so viel von der Beendigung der Diktatur nach einer Festigungsphase reden.

    Mit Anarchie zu leben, können wir nur lernen und verwirklichen, wenn wir „befreite Bereiche“ schaffen, in denen wir begrenzt erleben können, wie es mit den Entwürfen einer freien Gesellschaft in dem Projekt-Alltag tatsächlich zugehen könnte. Wir sollten dabei milde miteinander umgehen und jedem das Tempo seine persönlichen Entwicklung überlassen und nicht mit moralinsaueren aufgepfropften Forderungen das Unmögliche verlangen. Wir leben in der falschen Gesellschaft und können da nicht einfach das richtige tun.

    Solange ein Staat besteht, wird es nie eine heile Projektwelt geben, auch wenn sich einzelne Gruppen noch so weit auf die Almwiesen oder ins Heidekraut verziehen. Darum müssen wir mit den Brüchen leben, die zwischen Projektinseln, umgebender kapitalistischer Gesellschaft und auch innerhalb der Projekte bestehen. Und die werden von den Möglichkeiten bestimmt, die wir uns innerhalb dies Systems mit Phantasie und guter Planung und Flexibilität schaffen und erhalten.

    Die theoretischen Entwürfe für eine andere Gesellschaft können keine Patentrezepte nach Art einer Ideologie sein, die die Welt vollkommen erklärt, die nur noch genau umgesetzt werden brauchen. Mit der praktischen Entwicklung der Projekte verändern sich die Formen des Zusammenlebens und die Menschen selber. Sie lernen mit den neuen Bedingungen umzugehen.

    Und jetzt von ihnen zu verlangen, genau weiterzumachen, was Theoretiker vorgedacht haben, die die Erkenntnisse aus der Praxis noch nicht kannten, die am Umsetzungsprozeß nicht teilnehmen, bedeutet ein großes Maß an Unfreiheit.

    Darum kann ein Konzept zwar weite Ziele setzen, insbesondere grundsätzliche Forderungen, die zur Erreichung einer freien, sozialen, ökologischen Gesellschaft dezentraler Strukturen und Abbau jeder Art von Herrschaft, Patriarchat, Sexismus und Rassismus, Abschaffung von Gefängnissen, Staatsschulen, Zwangspsychiatrie führen. Wie weit aber in der Praxis die Erkenntnisse immer neu umgesetzt werden müssen, können allein die entscheiden, die das Werk in immer neuen Fortsetzungen erleben.

    Auf dem Weg muß immer neu entschieden werden, wie weit die Kraft reicht, über Veränderungen im Projektbereich auch andere Forderungen zu verwirklichen, wie weit z.B. das Engagement bei den Kämpfen gegen neofaschistische Umtriebe reichen kann, wie weit das auch in anderen Bereichen gehen kann, wenn es Selbstaufgabe bedeutet, die Kraft für unsere eigenen Möglichkeiten nicht mehr reicht.

    Die anarchistische Fabrik

    In einer kapitalistischen Fabrik arbeiten Menschen. Sie sollen mit Maschinenhilfe in möglichst kurzer Zeit aus möglichst wenig Material möglichst viel Waren herstellen, die sich gut zu einem hohen Preis verkaufen lassen, so daß das Geld, das in die Fabrik gesteckt wurde, in möglichst kurzer Zeit den möglichst hohen Gewinn bringt.

    Die Kapitalisten interessiert dabei weder die Gesundheit, die die Menschen bei der Arbeit ruinieren, noch die Umgebung, die sie mit dem Gift, Lärm und Verkehr unbewohnbar machen, noch die Zerstörungen, die beim Abbau der Rohstoffe erfolgen, noch die Folgen, die durch die Produkte angerichtet werden. Waffen, Gifte, Drogen, Verpackungsmüll, Autos, Plastikspielzeug und andere schädliche Produkte verlassen die Fabrik. Kriege werden um billige Rohstoffe geführt, Menschen in kurzer Zeit in den Bergwerken ruiniert, Landschaften mit Monokulturen  überzogen, vergiftet, verstrahlt, abgenutzt, betoniert oder ausgebeutet aufgegeben.

    Die häufig nutzlosen bis schädlichen Produkte werden trotzdem durch Werbefeldzüge entwurzelten Menschen angedreht, die ihre wirklichen Bedürfnisse nicht mehr kennen, die Folgen ihres Handelns nicht überblicken, sich nicht mehr dafür verantwortlich fühlen.

    Eine anarchistische Fabrik dagegen dient sinnvollerweise dazu, auf möglichst angenehme Weise in möglichst kurzer Zeit auf ökologisch unschädlichstem Wege sinnvolle, nützliche Produkte herzustellen.

    Sie müssen langlebig sein, leicht zu reparieren, auszubauen, wiederzuverwerten, unschädlich zu beseitigen.

    Vertrieben werden sie in vernetzen Strukturen, was immer du und ich uns darunter vorstellen. Geld abschaffen ist das Vordergründige, Menschen und Produktionen zu vernetzen ist der Weg, auf dem das weitgehend selbst passiert.

    Anarchistische Fabriken entstehen immer da und dann, wenn sich notwendige Produkte nicht kleinteilig herstellen lassen ohne vernünftigen Zeitaufwand, Materialumschlag, Maschineneinsatz und Organisation, oder weil die Herstellung sonst zu laut, zu stressig, zu gefährlich, zu giftig ist.

    Es gibt keine erhaltenswerten Arbeitsplätze, immer nur notwendige.

    Es gibt kein Recht auf Arbeit; es gibt ein Recht auf ein freies, gesundes, selbstbestimmtes Leben, auf die Entfaltung der Persönlichkeit.

    Lebensstandard bezeichnet alles, was ich im allgemeinen Konkurrenzkampf für meine persönliche Nutzung zusammenraffe; Lebensqualität, was ich genießen kann, egal ob es mir allein oder der Gemeinschaft gehört.

    Ansprüche und Forderungen, die noch aus der bürgerlich-idealistisch-erfolgsorientierten Erziehung stammen oder ihrer Umkehrung in der Pubertät, die natürlich zu wahnwitzigen Koppelungen führen können, sind mit äußerster Vorsicht zu genießen. Meist sind von vornherein die Grundlagen falsch, auf denen sie basieren. Fabrikarbeit fällt da total unter ein Tabu, wobei die gleichen Menschen aus Bequemlichkeit gerade auch Fabrikprodukte für Musik, Kommunikation und Fortbewegung nutzen. Aus meiner Sicht besteht das Projekt A in Neustadt (WESPE e. V., ein Zusammenschluß selbstverwalteter Betriebe) in der Tradition der alternativen Handwerks-, Verkaufs- und Dienstleistungsbetriebe, die schon seit etwa 15 Jahren Erfahrungen machen und durch Netzwerk im größeren Rahmen und auch durch Großraumkommuneprojekte und regionale Vernetzungen Gemeinschaftsideen verwirklichten.

    Das wesentlich neue an Neustadt ist die Verbindung mit Projekt A und damit die Entwicklung in einer libertär/anarchistische Vernetzung:

    Die Utopie einer Stadt, die sich mit jedem Entwicklungsschritt, jedem neuen Produkt, jedem Menschen, der mitmacht, weiter von der kapitalistischen, ausgrenzenden, manipulierenden Konkurrenzgesellschaft weg zu einer solidarischen, freien, sozialen, ökologischen Gesellschaft hinentwickelt.

    In Kommunen, die gemeinsam leben und arbeiten, unterscheiden sich die Anforderungen der einzelnen Betriebe meist nicht wesentlich. Sie sind mehr auf die angestrebte Lebensform als auf Effektivität angelegt.

    Die unterschiedliche Bewertung von Arbeitsstunden tritt als Problem nur am Rande auf. Die Mitarbeit in verschiedenen Bereichen, die sich dabei ergebenden Gespräche und die allgemeine Kommunikation ergeben zusammen einen runden Tag.

    Das ist in der anarchistischen Fabrik völlig anders. Zwar wird sie sich von den heutigen kapitalistischen Fabriken radikal unterscheiden, z. B. durch die Aufhebung der Trennung  von Gewerbe- und Wohngebieten, durch die Nutzung der Materialien und der technischen Einrichtungen auch außerhalb der Fabrikationszwecke. Aber andererseits macht sie nur einen Sinn, wenn eine klare Begrenzung und Bewertung der einzelnen Arbeiten besteht.

    Hier arbeitet jede/r nur soviel, wie er/sie zur Erhaltung seiner/ihrer Lebensqualität und gesellschaftlich notwendiger Aufgaben braucht.

    Daneben hat er/sie noch seine Aufgaben in seinen/ihren Lebenszusammenhängen, ansonsten aber viel „Freizeit“, in der er/sie machen kann, was er/sie für richtig hält, wozu ihn/sie Bewußtsein und Neigung treiben.

    Pu Schröder

    Kontaktadresse:
    Pu Schröder, Karlstraße 7, W-2900 Oldenburg

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    Wespe PA Libertäre Tage

    Projekt A / Wespe / von Bernd Neustadt Selbstverwaltete Betriebe

    Der „Projekt A“-Entwurf entstand so um 1984 und ab 1985 ging Horst Stowasser, der Autor, mit dem frischgedruckten Buch „Das Projekt A“ an die Öffentlichkeit. Viele Leute bekamen das Buch, das damals ausdrücklich nicht in den Buchhandel gelangen sollte, persönlich überreicht, noch mehr lasen es dann. Es verbreitete sich erstaunlich schnell.

    Das Projekt A war ursprünglich auf die Realisierung in einer Kleinstadt angelegt. So haben wir dann auf bundes-, regional- und sachbezogenen Treffen drauflosgeplant und von der „Stadt X“, dem „Tag X“, der „Urgruppe“ und Ähnlichem geredet. Es gab auch einen Anlauf in diese Richtung, doch die dabei gemachten Erfahrungen führten z.B. vom strengen Stadt X-Konzept weg.

    Natürlich fällt es schwer, das „Projekt A“ auf ein paar Sätze zu reduzieren. Wird das versucht, erntet man&frau fast sofort Widerspruch. Aber das ist auch ganz gut so – finden wir. Verschiedene Leute haben verschiedene Vorstellungen über das „Projekt A“. Bestimmt aber ist das „Projekt A“ eine Denktendenz, deren Definition je nach praktischer Erfahrung immer ein bißchen anders ausfallen kann, ja, ausfallen sollte!

    Im Kern geht es dem „Projekt A“ um die Vermittlung der drei großen Bereiche von Leben, Arbeit und Politik. In einer Gesellschaft, in der die Trennung zwischen Freizeit und Beruf, zwischen privatem und öffentlichem Leben immer weiter vorangetrieben wird, heißt ein Weg, diese Vermittlung zu betreiben: „Vernetzung“. Etwas anders gefaßt ist das „Projekt A“ also ein beispielhafter Vernetzungsprozeß von und für Einzelleute, Gruppen, Initiativen und Projekte.


     

    Vorstellung des „Projekt A“ während der Eröffnungsveranstaltung im Hörsaal VI
    Foto: Klaus Malorny


    In der Alternativbewegung ging es hauptsächlich im Projekte im Sinne selbstverwalteter Kleinbetriebe, in der Kommunebewegung um Arbeiten und Leben in einer Gruppe, bei den meisten „Föderationsversuchen“ um die Zusammenarbeit politischer Kleinorganisationen. Wir wollen uns für unsere Vernetzung die ganze Palette von Möglichkeiten offen halten. Und die Einzelleute, die Individuen, die in den meisten Organisationen mehr oder weniger untergehen, stehen in der Aufzählung nicht von ungefähr am Anfang.

    Als direkte MitmacherInnen wurden von Anfang an (und werden auch heute noch) hauptsächlich zwei Gruppen angesprochen:

    • zum einen projektinteressierte Menschen, denen es bei selbstverwalteten, ökologischen Produktionsformen um mehr geht als um eine dürftige AussteigerInnennische für arbeitslose Akademiker;
    • zum anderen AnArchistInnen oder libertär eingestellte Leute – die sich nicht unbedingt so nennen müssen (!) -, die über den allzu begrenzten Kreis ihrer eigenen „Szene“ hinauskommen wollen.

    „Projekt A“ beinhaltet für uns zwei große Orientierungen, die auf Projekte und die auf Anarchie. Das Wort „Orientierung“ soll sagen, daß wir aus beidem kein Dogma, keine „heilige Kuh“ machen wollen.

    Projekte sind soziale Experimente: Sie bedeuten für uns zum einen nicht mehr und nicht weniger als die Möglichkeit, in unserem heutigen Tun schon zu versuchen, Formen einer wünschenswerten Gesellschaft zu verwirklichen; und zum anderen die Möglichkeit uns eine eigenständige (ökonomische) Basis zu schaffen. Projektemachen hat immer etwas von Aussteigen. Wir wollen jedoch ausdrücklich unsere Projekte in dieser Gesellschaft verwirklichen.

    Wir sprechen von anarchistisch-libertärer Orientierung, weil wir die alten, fruchtlosen und entzweienden Diskussionen über die Anarchie als solche, über den einzig „wahren“ Anarchismus nicht wieder aufleben lassen wollen. Der Anarchismus ist vor allem deshalb so fruchtbar für uns, weil er uns auch genügend Potential zur Selbstkritik an die Hand gibt.

    Hehre und abstrakt klingende „Lehrsätze“ und Begriffe haben auch immer praktische Aspekte, die sich zur Reflexion und Selbstkontrolle auf das eigene Handeln anwenden lassen.

    • „Auf den einzelnen Menschen kommt es an“ (Individualität und Selbstbestimmung)
    • „Das Zusammenkommen der Menschen aus Lust aneinander und nicht aus (Profit)-Kalkül“ (freie Assoziation und Gegenseitige Hilfe)
    • „Beim Zusammenkommen nicht in eine Einheit verschmelzen, sondern die Vielfalt bewahren“ (Föderation)
    • „Das Ganze hat seinen Teilen nichts reinzureden bei Angelegenheiten, die nur sie selbst etwas angehen“ (Autonomie)
    • „Übergroße Gesellschaftsstrukturen wieder auf ein menschliches Maß bringen, die eigenen Zusammenhänge überschaubar halten“ (Dezentralisation).

    Das A in unserem Namen bedeutet also: Dezentralisation, Föderation und Autonomie der „Kleinen Einheiten“. Und weiterhin, daß wir ebenso ökologische Produktionsweisen wie herrschaftslose Lebens- und Politikformen anstreben.

    Ziel ist immer noch eine Gesellschaftsveränderung, allerdings wohl eher langsam, gewaltfrei – soweits geht – und von unten nach oben, von der Peripherie zum Zentrum und vom Kleinen zum Großen.

    Ein Vernetzungsmodell ist das „Projekt A“, weil es ihm nicht nur um sich selbst geht. Weil die Konzepte beispielhaft, unsere Versuche beispielgebend gemeint sind. Es geht ganz ausdrücklich nicht darum, eine einzige große Einheit zu errichten, wo alles auf einem Haufen zu finden ist, sondern darum, bereits bestehende Einheiten zusammenzubringen, ohne daß sie ihre Autonomie aufgeben müßten.

    Wenn wir im Zusammenhang von Vernetzung von „Vermittlung“ von Leben, Arbeit und Politik reden, heißt das, daß die extremen Gräben zwischen diesen Bereichen als ein Problem erkannt werden, für das andere, neue Lösungen gefunden werden müssen.

    Vernetzung zwischen Einzelnen und Gruppen plus „Ver-Netzung der Gesellschaft“ lautet unser Ziel. Uns geht es nicht um die Vernetzung unserer Gettos. Wir wollen unsere „Netze“ durch die ganze Gesellschaft legen und so knüpfen, daß viele verschiedene Menschen damit in Kontakt kommen, einsteigen, aber auch wieder aussteigen können.

    So hoffen wir, vermeiden zu können, daß die Scheidelinie zwischen uns und denen zu einer unüberwindlichen Mauer wird. Auch für die Projektmacher und – macherinnen hätte eine solche Struktur Vorteile: Nämlich, daß man nicht gar zu sehr im eigenen Saft schmort, daß man hin und wieder von außen vorgeführt bekommt, daß mensch nicht der Nabel der Welt ist und daß der Konflikt, der einen gerade beschäftigt, nicht das zentrale Problem der Menschheit darstellt.

    Das „Projekt A“ fiel als Modell in Neustadt an der Weinstraße auf äußerst fruchtbaren Boden. Den Leuten dort, die mit dem „Projekt A“ in Berührung gekommen waren, war meist von vorneherein klar gewesen, daß sie niemals in die „Stadt X“ ziehen würden. Waren sie vorher schon rege und aktiv in der neustädtischen Alternativszene vertreten, so wurde ihrer Motivation und Überzeugungskraft mit dem „Projekt A“-Modell eine entscheidend neue Ausrichtung gegeben.

    Seit 1989 besteht das „Werk Selbstverwalteter Projekte und Einrichtungen“ (WESPE). Es wird versucht, selbstverwaltete, dezentrale, ökologische und libertäre Strukturen aufzubauen und miteinander zu vernetzen, die wirtschaftlich, kulturell und politisch wirken.

    Libertäre Lebensformen als praktische Anarchie im Alltag sollen so auch breiteren Schichten zugänglich werden. In der WESPE gibt es bisher 14 Betriebe, ein Dutzend Wohngemeinschaften und eine Reihe von Initiativen, in denen etwa 100 Erwachsene und viele Kinder bunt miteinander vernetzt sind.

    Kontakt:
    WESPE e.V., Friedrichstr. 36, 67433 Neustadt, Tel. 06321 – 35129, FAX 06321 – 34701
    (Vor Besuchen bitte anmelden!)

    Allerdings: Neustadt soll nun nicht als die letztlich doch noch gefundene „Stadt X“ gelten – die Neustädterinnen selber wollen das auch gar nicht. Wenn wir dennoch relativ oft „Neustadt“ im Munde führen, dann als eine Art praktisch-realen Fluchtpunkt, der verdeutlichen kann, was mensch z.B. gegenüber „herkömmlichen“ Projekten der Alternativ-Szene alles anders, vielleicht sogar besser machen kann, wenn mensch nur die richtigen Leute und Konzepte zusammen hat.

    Was es noch so alles gibt, was sich „Projekt A“ nennt: Ein bis zwei Bundestreffen pro Jahr, wo sich die über die ganze Republik verstreuten aktiven PA-Interessierten treffen, koordinieren und beraten.

    Zusätzlich dazu ist ein „PA-Spektakel entstanden, eine Art Festival, wo sich das große libertäre, projektorientierte Spektrum mit den PAlerInnen zusammenfindet, um ein paar Tage lang Informationen zu sammeln oder weiterzugeben und einfach viel Freude zu haben. Außerdem gibt es trotz wechselvoller Geschichte immer noch das AHA!, das „Projekt A“-Bulletin.

    Bernd

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    Utopie der Entstehung einer Fabikfiliale von 1992

    1.9.1992 Hannover
    Unterwegs erzählte Turban noch einiges über das Verhältnis von F
    und PA in Hannover. Vor 5 Jahren hatten einige Interessierte nach
    dem Bremer Modell einen monatlichen Arbeitskreis eingerichtet und
    in den verschiedenen Alternativbereichen Flugblätter verteilt mit
    den Anregungen Strukturen aufzubauen, die über den üblichen
    Netzwerkaktivitäten, sich mit dem Arbeiten und Wirtschaften  zu
    beschäftigen und dabei Geldsucher mit Unterstützern
    zusammenzubringen  Kontakte zwischen Betriebe zu knüpfen und auch
    Möglichkeiten zur Beschaffung von Staatskohle herauszufinden und
    die Formalitäten dafür zu managen.
    Wie üblich kamen die immer überall sonst auftauchenden Aktivisten
    hier nicht. Stattdessen aufmerksam gewordene schon halb
    resignierte früher mal begeisterte von den Realitäten und den
    Machern mit ihren ewig vorgeschobenen Sachzwängen mit denen sie
    jede fantasievolle Weiterentwicklung abblocken, gefrustete auf
    einen Ausweg oder Neuanfang die Hoffnung noch nicht aufgegeben
    haben.
    Und Neueinsteiger, die noch so richtig neugierig alles
    beschnüffeln, die Altalternativler ablehnen und gleich eine
    Vorstellung von einer Gesellschaft mitbringen in der sie leben
    und zu der hin sie sich entwickeln wollen.
    Nach kurzer Zeit gab es richtig Zoff zwischen den Netzwerkern die
    alles auf dem alten Standard der etablierten Alternativbetriebe
    also Schwerpunkte Ökologie und Kollektiv lassen wollten und den
    PAlern, die Leben Politik und Arbeit zu einer lebendigen Einheit
    entwickeln wollten. DAs brachte natürlich auch die
    eingeschlafenen Strukturen durcheinander die nur bei gemeinsamer
    Werbung und Vermarktung und der Jagd nach Staatskohle aktiv
    wurden. Das ging bis zur Spaltungs- und Rausschmißdrohungen.
    Bis die Etablierten endlich merkten, das hier ein ruhiger
    Lernprozeß anfing und keine provokativer Bruch und das die
    Vernetzungsvorschläge von PA ohne einen Konsens im jeweiligen
    Projekt/Betrieb sowieso nicht umzusetzen waren.
    Als die PA-Gruppe sich überlegte ein Infobüro/cafe einzurichten
    und die Finanzierungsfrage auftauchte kam einer mit dem Vorschlag
    das als Doppeltprojekt mit einer Filiale von Projekt F der
    Regalfabrik zu verbinden. Edwin arbeitete doch seit 6 Monaten
    dort mit und so wurde mit ihm und den Alternativtischlern ein
    gemeinsamer Termin gemacht um die Konsequenzen für den Markt in
    Hannover zu erörtern und mit Leuten zu reden die Interesse an der
    Mitarbeit in der Filiale hatten.
    Die Debatte wurde gleich erregt. Was das den solle
    Alternativbewegung und Fabrik. Ist diese Bewegung nicht
    angetreten um wieder die direkte Verbindung zum eigenen Machen
    zur Arbeit zu finden zur Selbstverwirklichung in der
    individuellen Anfertigung von Einzelstücken in der Tischlerei mit
    dem Wissen für wen man das macht“. Frage:“Aber was ist mit den
    vielen die sich im Aufbruch befinden die die dann erforderlichen
    Preise nicht zahlen können zB der Naturkostladen der wohl die
    8ooo für unsere Regale hat aber nicht die 25ooo für eine
    Tischlerarbeit aufbringen kann  Sollen die alle weiter in
    Großmärkten kaufen wo keiner weiß mit was für schädlichem Material
    in welchen Knästen die Sachen hergestellt wurden.
    Wenn die neue Gesellschaft entstanden ist zu der wir uns
    entwickeln wollen, werden sich viele Widersprüche lösen. Es
    werden sich viel Produkte als überflüssig herausstellen und so
    verschwinden. Andere werden von den einzelnen direkten Bezügen kleinteilig angefertigt werden weil es angenehm und
    kommunikativ ist. Strümpfe stricken und Bücher binden Segelboote
    bauen. So wird viel weniger fabrikmäßig hergestellt weil es sonst
    unangenehm ungesund gefährlich oder stressig ist oder die Zeit
    es mit einer Maschine herzustellen soviel schneller ist daß die
    Zeit wirklich günstiger verbracht werden kann. Aber grade jetzt
    ist es wichtig auch hier Erfahrungen zu machen. Es kann auch in
    viel weniger Zeit das nötige Geld verdient werden. Wie viele
    Tischler können häufig nicht für Kunden arbeiten, weil die ihre
    Preise nicht bezahlen können. Andererseits kann die Fabrik auch
    Tischler mit Vorprodukten wie Einlegeböden für Schränke und
    verleimten Trägern beliefern. Wie die Erfahrung in Oldenburg,
    Delmenhorst und Bremen zeigt tun sich beide Bereiche nichts eher
    das über die Filiale schneller der Kunde den passenden Tischler
    findet wenn ihm klar geworden ist das der ihm besser helfen kann.

    In Innenstadtrandlage war bald ein Laden mit Nebenräumen gefunden
    und für die Zwecke eingerichtet worden. Doch nach dem Ökomarkt wo
    sie über 5oo Prospekte verteilten und der Auslage in
    verschiedenen Projekten ging ein solcher Run auf die Produkte
    los, daß sie noch einen weiteren Werkstattraum anmieten müßten
    womit sich eine ungünstige Trennung von Info- und Verkaufsraum und
    der Endfertigung mit Auslieferung ergab.
    Schon nach einem Jahr hatten sie ein Wohnhaus mit Werkstatt und
    Hofzufahrt gefunden das teuer gemietet oder günstig gekauft
    werden konnte womit eine ungeheure Debatte durch die gesamte
    Scene losging. Netzwerk wollte sich gar nicht erst beteiligen, es
    sah einen Gegensatz zwischen seinen und den Prinzipien der
    Fabrikidee. Alles was in Esoterisch- Antroposophische Bereiche wirkte
    war entsetzt  über ein so grobschlächtiges Ansinnen einer Fabrik.
    Finanzierung war auch von dieser Seite nicht zu erwarten.
    Dagegen bot ein Typ der geerbt hatte den 6 verantwortlichen
    Projektlern an das heruntergekommene Objekt zu kaufen und ihnen
    ein Jahr sogar mietfrei zu überlassen und danach für eine
    Festmiete wenn sie alle notwendigen Instandsetzungsarbeiten Um-
    und Ausbauten selber anpackten  und finanzierten. Er hätte damit
    einen sinnvollen Zweck für seine Kohle gefunden und ihnen wäre
    geholfen.
    Der Vertrag wurde konkreter und auch mit der Fabrik in Oldenburg
    besprochen wie weit sie sich dem Ausbau beteiligt. Von denen kam
    ganz unerwarteter Widerstand. Wenn das in Hannover so gut liefe
    warum dann so ein Zentrum. Warum nicht dezentral in den einzelnen
    Stadtteilen Filialen einrichten und gleichzeitig das Konzept
    Stadtteilinfoladen damit verbinden. Für das Centrum würde ein
    Ausstellungsraum im Infoladen völlig ausreichen.
    Alle waren sauer auf die Fabrik was die sich in Hannover einfach
    so einmischt. Warum nicht dann gleich ganz selbständig und
    innerhalb von PA eine eigene Herstellung. über  Zusammenarbeit
    und Austausch könne  sich beide dann immer noch verständigen.
    Die Fabrikler fanden da viel heiße Luft und sahen einen Vorschlag
    und kein Diktat

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    Gedanken zum realen Fabrikprojekt 1990

    12.6.1990 II Das Konzept unserer Holzproduktion lässt sich recht
    einfach auf größere Maßstäbe übertragen. Momentan arbeiten wir
    im Rohbau mit nur einer Sorte von Brettern für die Baden und
    einer Sorte Latten die Ständer. Für Rückwände verwenden wir
    Pappelsperrholz. Falls wir noch Tischplatten und Hochbetten usw
    reinnehmen würden, brächten wir noch eine weitere Sorte dickerer
    Bretter.
    Wir können keine Stämme selbst aufsägen und trocknen auch keine
    Bohlen passend längssägen. Dafür fehlen uns Technik, Erfahrung,
    Maschinen und Platz.
    Durch Vierseitenhobel Breitbandschleifer und Verleimanlage ließe
    sich ein grosser Teil der Arbeitszeit einsparen. Aber dann müßte
    soviel Material durch die neuen Anlagen laufen, um sie
    wirtschaftlich zu betreiben, wie es sich in Oldenburg nur mit
    Konkurrenzkampf und Verdrängungswettbewerb durchsetzen liesse. Was
    wir schon rein politisch ablehnen. Stattdessen wäre es
    sinnvoller, die Vorproduktion noch weiter zu treiben, zentral
    herzustellen und in den verschiedenen Städten an Filialen
    auszuliefern.
    Die machen nur Endfertigung, Zusammenbau, Anstrich, Auslieferung
    und Einbau mit wenig Maschinen Kapital und Raumbedarf. Das
    werden richtig schöne Doppeltprojekte, die im politisch kommunikativ kulturell künstlerischen Bereich die Belebung,
    Verbreitung und Verwirklichung friedlich ©anarchistisch sozialer
    Ideen Lebensformen und Projekte voranbringen. Durch unsere gut
    organisierte Vorproduktion und Marketing bräuchten die
    Kollektivmitglieder nur etwa 2o/25 Std für ihre Bedürfnisse zu
    arbeiten und hätten noch genug Zeit Kraft und Fantasie für die
    andere Seite des Projekts. Dabei könnten sie alle Möglichkeiten
    der Fabrik nutzen, die sie als Doppelprojekt für Kunst, Kultur,
    Kommunikation und Verwirklichung von Anarchie in Theorie und
    Praxsis brauchen.
    Auch die technischen Möglichkeiten von Maschinenausleihe
    Anleitungen und Praktika Fahrgelegenheiten mit den Fahrzeugen der
    Fabrik die regelmäßig ausliefern und auch zurückbringen was an
    Tauschmöglichkeiten mit Betrieben vor Ort möglich ist.
    In den Filialen ist eine richtige Wanderung möglich vielleicht
    angefordert wenn viel zu tun ist oder Spezialisten benötigt
    werden. Nur muß eine Konstanz gewahrt bleiben und so darf eine
    Gruppe in einer bestimmten Form auch eine Grösse nicht
    unterschreiten wenn die Durchmischung mit Verantwortlichen und
    Praktikanten stimmen soll und die Zwänge für den einzelnen nicht
    zu groß werden sollen.
    Das wesentliche Hindernis dieses ganz einfache und praktikabele
    Konzept zu verwirklichen, ist die Sperre im Gehirn der Menschen
    die meinen anarchischen Zielen zustreben muß etwas ganz
    besonderes sein schon in der Ausführung der ganz einfachen
    Grundlagen muß die Post abgehen der Poge den Kopf zerreißen ein
    Wahnsinnsgefühl der Quasierlsung alles erfassen.

    Natürlich werden jetzt wieder die Pubertären ihre kleine überschaubaren anarchistischen Antiwelten ebenso wie die Elitären ihre
    Ansprüche an eine saubere heile Tausch- Bastel- Garten- Landbauidylle gestärkt sehen. Forderungen, alles zu lassen, was sich mit
    einer kleinbürgerlichen  Anarchievorstellung von einer Erlösung
    schon gleich wenn es losgeht nicht vereinbaren lässt. überhaupt
    ist der Begriff anarchistische Fabrik für alle eine
    Absurdität, die nur von dem Ideal einer schönen reinen und in
    jeder Beziehung stimmenden Welt ausgehen. und nicht von ihrer
    eigenen Betroffenheit und den zu verwirklichenden unvollkommenen
    Formen zu den Brüchen die da entstehen und mit den wir dann leben
    müssen wenn wir aus den Elfenbeintürmen in die Realität
    hinuntersteigen.
    Wer tatsächlich mit anderen Menschen in Projekten lebbare und
    dadurch auch vermittelbare Formen zu entwickeln versucht, wird
    zumindestens nach seinen ersten Erfahrungen anders herangehen.
    Lebbar heißt ausdrücklich nicht eine primitiven Mangelwirtschaft
    mit 70 Wochenstunden Fronarbeit in selbstdiktierten primitivsten
    Arbeitsformen ohne Elektrizität und Chemie. Sondern eine
    kritische Überprüfung aller technischen Fortschritte. Dabei
    müssten alle Techniken auf Umweltschädlich, Gefährlichen,
    Verstreßend, Kommunikationshemmend, Phantasie-zersetzend,
    Lusthemmend untersucht und entweder umgewandelt oder durch andere
    Produktionsweisen ersetzt werden. Selbstverständlich müssen sie
    auch dienend© unterstützend nicht dominierend- bestimmend sein.
    Wir werden nach uns suchen müssen im modernen Leben mit Fernsehen
    Telefon Auto industrialisierten Nahrungsmitteln und
    digitalisierter Kommunikation. Suchen nach unseren Lebensgefühl
    Rhythmus nach Gesundheit, nicht nach Arbeitsfähigkeit also
    künstlich einem kranken Körper mit Penecillin Wachmachern und
    Schlafmitteln fitmachen.
    Wir müssen auch daran glauben daß wir unser Ideal nicht dadurch
    zerstören das wir zwar den Anspruch erheben Anarchie zu
    verwirklichen aber noch so vieles falsch machen weil wir
    gleichzeitig verwirklichen und leben müssen.

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    Besuch in der anarchistischen Fabrik von 1992

    31.7.1992 Besuch
    Es gibt in der Fabrik keinen Besuchsstop nur größere Gruppen
    müssen sie sich für eine Führung vorher anmelden. Die kostet dann
    mit einem gesunden Mittagessen und Nutzung aller
    Informationsmöglichkeiten wie Zeitungsarchiv Bibliothek und
    Datenbank 10 DM. Auch einzelne die nicht direkter Besuch eines
    Bewohners sind gehen erst mal ins Büro und bekommen
    Informationen, wo er bleiben und übernachten können und wo sie
    sich zu einem Praktikum vorstellen können. Das kann sich nach der
    Art der Arbeit richten oder nach den sonstigen Schwerpunkten der
    Gruppe zB Kunst Kommunikation oder Forschung. Wer sowieso auf der
    Reise ist, kann nach einem Rundgang gleich mit einem der
    Transporter in eine Filiale fahren und dort das Ende der
    Produktionskette ansehen. Wo eine Gruppe von vier bis 8 Menschen
    das zusammensetzt und endbearbeitet, was in der Fabrik
    entsprechend vorbereitet wurde. Die Filialen sind immer Teil
    eines Doppelprojektes. Das ist bei der Kalkulation gleich
    berücksichtigt worden daß auch in den Filialen nicht mehr als 25
    Wochenstunden für eine gute Lebensqualität bei vernetzter
    Lebensweise gearbeitet werden muß. Dort wo es noch nicht
    vorhanden war einer Mischung aus Teestube und Infoladen mit
    unterschiedlichsten Zeitungen und Büchern Gruppenraum Kopierer
    Computer um allen von Links bis Alternativ die Möglichkeit zu
    geben sich zu informieren und kommunikativ zu arbeiten.

    Unsere Besucherin Iris ist 20 hat grade Abitur und möchte sich
    orientieren. Sie will morgens mitarbeiten um kostenlos wohnen und
    alles nutzen zu können. Sie kommt in die Kommune x die die
    westlichen Filialen betreut und für sie die Zuschnitte Fräsungen
    und sonstige Zurichtungen ausführt und kompliziertere
    Verleimungen die mit den dortigen Mitteln nicht machbar sind..
    Sie bekommt ein Gästezimmer und sitzt bald mit in dem großen
    Eßraum am Abendbrottisch.

    Am nächsten Morgen ist sie mit sechs andere in der Werkstatt. Ein
    Haufen Aufträge wird erst mal danach sortiert, was einfach im
    Zuschnitt aus dem Bestand genommen werden kann. Einiges muß aus
    einem Speziallager geholt werden ein bestimmte Sorte Beschläge
    wird per Fax bestellt und eine grosse Tischplatte wird aus
    Lamellen in einem grossen Rahmen speziell verleimt. Sie fährt
    mit Sven mit dem Seitenstapler ins Lager fährt Leimholzböden um den
    Tagesvorrat an der Aufteilungssäge zu ergänzen. Sie schauen auch in
    die nächste Halle wo an einem Ende die unterschiedlichsten Latten
    auf Rollwagen sortiert darauf warten zu Böden verleimt zu werden.
    Zwei machen eine Endkontrolle und versuchen möglichst
    einheitliche Latten zu gleichwertigen Böden zusammenzustellen.
    Die Latten werden dann durch eine Einleimanlage geschickt um
    dann in einem gewaltigen Verleimstern in rotierenden Ebenen
    ausgerichtet und gepreßt zu werden. Danach erfahren die Böden noch
    weitere Bearbeitung erst mit dem Hobel dann mit einem
    Breitbandschleifer der mit breiten rotierenden Schleifbändern die
    letzte Maschinenglätte erzeugt. Sven packt mit Iris aus dem
    dahinterliegenden Lager diverse Böden steckt dann seine Liste in
    ein Lesegerät woraufhin ein Drucker bei den Sortierern eine Bogen
    ausspuckt auf dem zu geringe Lagermengen durch die Entnahmen
    angezeigt werden.
    „Werdet ihr dann nicht zu Sklaven des Computers“? fragt Iris.
    „Nein die liefern nur die Rohdaten mit denen wir machen können
    was wir wollen. Wir bekommen keine Zeitvorgabe aber die Listen
    beziehen noch die allgemeine Auftragslage ein und wesentlich ist
    wer bereit die Arbeit jetzt zu machen andererseits machen wir
    auch mehr Vorrat wenn auch mehr ihre Arbeitszeit abarbeiten
    wollen, aber eine gute Übersicht vermeidet Hektik und Mehrarbeit
    die entsteht, wenn wir spezielle Kleinmengen dazwischenschieben
    müssen. In der eigentlichen Fabrikation möchte jeder möglichst
    schnell fertig sein. Wir akzeptieren die Arbeit und wenn sie sich
    auf 5 Stunden am Tag beschränkt kommt jeder mit seinen übrigen
    Interessen noch gut zurecht“. Wer sich mit seiner praktischen
    Arbeit selbst den ganzen Tag verwirklichen will ist hier falsch.
    Wir sind mit mehreren Tischlereinen befreundet mit denen wir auch
    tauschen in denen das möglich ist. Wir haben auch eine
    Kreativwerkstatt in der jeder sich austoben kann und wo auf
    Effektivität nicht geachtet werden muß. Ein alter Meister der
    noch viele Techniken beherrscht die heutigen Tischlern nicht mehr
    beigebracht werden hilft Anfängern gerne weiter Hier kommen auch
    Tischler aus anderen Betrieben die dort weder Muße, Werkzeug noch
    Anregungen für ganz spezielle Interessen finden.“
    Sie fahren den Stapel zu einem Gestell mit rotierenden Ebenen die
    immer den gewünschten Boden direkt vor die Aufteilsäge postiert
    wo mit äußerster Präzision Schnitte in allen Winkeln ausgeführt
    werden können.
    In einem Nebenraum fräst eine Kette viereckige Löcher in Latten
    genau dort wofür sie programmiert wurde. die Latten wandern
    zusammen mit den Sprossen in die Filialen wo sie zusammengesetzt
    und endbearbeitet werden genau wie die Böden die mit einer
    anderen Maschine stapelweise ausgeeckt werden. „Ist das nicht eine
    ungeheure Verschwendung was ihr hier macht mit dem vielen Holz?“
    fragt Iris. „Unsere Möbel sind keine Verschleißteile und wir
    achten darauf, daß wo wir es schlagen nachher aus einer
    ökologisch fast wertlosen Baumplantage wieder ein lebendiger
    Organismus wird aus dem wir nur noch viel weniger entnehmen
    können, das aber regelmäßig. Wir befinden uns hier in einer
    Übergangsphase. Demnächst machen wir an den Orten auch eine
    Tauschbörse wo unsere Produkte zurückgegeben und aufgearbeitet
    werden können. Andererseits arbeiten wir mit an Projekten von
    flexibel nutzbaren Räumen in die unsere Möbel optimal integriert
    werden.

    Am nächsten Morgen will Iris in eine Filiale mitfahren wohin ein
    Lastwagen mehrere Paletten mit Regalteilen ausliefert. Hannover
    ist die größte Filiale erst vor einem halben Jahr in größere
    Räume umgezogen wo 8 Leute Arbeitsmöglichkeiten haben und wo auch
    der meiste Zuschnitt in allen gängigen Bödenteilen selbst
    erledigt wird. Darum nimmt auch ein langer Stapel verleimter und
    geschliffener Böden den meisten Platz ein daneben noch ein kurzer
    mit verschiedenen Tischplatten und ein anderer mit einem Haufen
    Holmen und passenden Sprossen. die verkaufen soviel wie die ganze
    Fabrik ein halbes Jahr nachdem sie auf die grüne Wiese zog. Wir
    sind am überlegen ob wir nicht Stadtteilbezogen dezentralisieren
    und nur den Zuschnitt an einer Stelle lassen. Eine Palette kommt
    noch mit vielen einzelnen Teilen. In Celle müßt ihr eben noch
    vorher rum da haben zwei Typen einen Infoladen aufgemacht mit
    einem Kopierer einem Zeitschriftenregal einer Sitzecke und
    mehreren von unseren Musterregalen. Jetzt haben sie sogar schon
    ein paar Bestellungen. Kurt einer von den beiden hatte die
    letzten Tage in der Fabrik mitgearbeitet und dabei einiges Wissen
    über Zusammenbau und Oberflächenbearbeitung vervollständigt.
    Jetzt besetzte er den dritten Platz im Fahrerhaus um mit
    zurückzufahren. „Schön daß ihr für meine Palette noch Platz
    hattet und den Umweg fahrt“. „Ach was sonst hätten wir den Kram
    eben per Hand obenauf gepackt. Wir lassen Euch doch bei Eurem
    schweren Anfang nicht in Stich sieht doch gut aus wenn die ersten
    Regale besonders pünktlich kommen“, meint Turban. Die Fahrt auf
    der Autobahn 2 Stunden in einer langen Kolonne Lastern und noch
    eine halbe auf der Landstraße und schon waren sie dank Kurts
    guter Einweisung vor dem kleinen Laden. da sie nur kurz halten
    konnten luden sie zu viert rasch alles aus fuhren den Laster um
    die Ecke und hatten jetzt Muße bei Kräutertee oder Kaffee einen
    aus zu schnacken. Hurz der andere Typ der schon im Laden wartete
    war ein halbes Jahr in Neustadt gewesen und hatte beim Ausbau des
    Technikhofs mitgearbeitet der zweiten groáááen Gráándung dort nach
    der Konsolidierung des Ökohofs vier Jahre nach der grade noch
    abgewendeten Pleite.
    31.8.1992 Ihm war aber das ständige Rotieren in den
    Verschiedensten Projekten über den Kopf gewachsen überall traf er
    auf Projektler manche die kaum über ihren eigenen Betrieb
    rauskuckten mache die nur das Machbare interessierte wenige die
    mehr als N interessierte und vor allem eine Gruppe die ständig
    allen klar machen wollte wie richtige Anarchisten auszusehen
    haben eben wenn sie es genauso machen wie die es sich vorstellen.
    Bei den meisten stießen die auf Granit aber für Hurz brachte es
    das Faß zum überlaufen. Er sehnte sich nach einem Ort wo noch
    ganz einfache Aufbauarbeit von ganz unten ganz vorne zu leisten
    war ohne gleich die Erwartung aller mittragen zu müssen.
    Er hatte Kurt besucht der in Celle geblieben war und hier in
    verschiedenen Initiativen mitarbeitete, darunter auch einen
    vierzehntägigen Informatonskreis über das praktische Erleben von
    Anarchie und Vernetzung. Sie hatten die Möglichkeit diskutiert
    eine Filiale des Fabrikprojekts einzurichten sich in OL
    eigeklinkt einer hatte einen Monat mitgearbeitet der andere nach
    Räumlichkeiten gesucht und den alten Laden gefunden. Ihr Geld
    ging für die Renovierung drauf einige Kommunikationsgeräte wie
    Computer mit Mailbox Kopierer und Fax und benutzbare Musterregale
    bekamen sie von der Fabrik, einige Initiativen machten sofort mit
    um die Räume mit ihnen zu nutzen. Zur Einweihung vor zwei Wochen
    kamen 2oo Leute viele kluge Worte warum Anarchie nicht
    funktionieren kann und warum Projekte immer zur Integration in
    die kapitalistische Gesellschaft führen müssen. Um 2 Uhr kam die
    Polizei auf Beschwerden von Nachbarn, etliche nahmen auch
    Prospekte der Fabrikproduktion und jetzt waren die ersten
    Bestellungen eingelaufen.

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