Projekt-A Kapitel1 Gruppenfindungsprozeß Kapitel 2 Ortssuche

Kapitel 1
Im Apri 1985 kam das Projekt-A-Buch heraus mit den Plänen für eine Vernetzung von Alternativprojekten. Vorher schon hatte Horst Stowasser etliches veröffentlich, darunter das im Kollektiv immer weiterentwickelte “Was ist eigentlich Anarchie” In Wetzlar hatte er das Anarchiv aufgebaut, eine riesige Sammlung anarchistischer Literatur. Auf Leserreisen stellte er Buch und Projekt vor, warb Mitmacher und Besucher für Bundestreffen und AHA.Abbos.
Das Projekt-A eine Vernetzung auf anarchistisch von Alternativbetrieben und Wohngemeinschaften von Kultur in Info soll an einem zentralen Ort stattfinden. In einem Diskussionsprozeß durch die Zeitung AHA und einige Bundestreffen sollte sich eine Gruppe von Entschlossenen entwickeln, und mögliche Orte ausgewählt werden. Aus den in verschiedenen Findungsrunden vorgestellten Orten wird auf einem Entscheidungstreffen der Ort bestimmt, sollen viele zusammenziehen und in Projekten und Wohngemeinschaften eventuell Kommunen eine Struktur aufbauen, die diesen Ort durchdringt und ab einer sinnvollen Größe auch verändert.
Eine erste Runde die grundsätzliche Bereitschaft überhaupt in einen Ort zusammenzuziehen sich kennenzulernen und über die Anregungen des P-A Buches und seine Umsetzung zu reden.
Von Juni 85 bis Nov. 87 wurde in 14 Bulletins”AHA” in vielen Artikeln Selbstdarstellungen, Protokollen von 4 Bundestreffen einem Zeltlager und verschiedenen Gruppentreffen wie Landwirtschaft Praktiker Entschlossene versucht Grppenstrukturen zu entwickeln. Leider entwickelte sich auch eine Tendenz zu Konflicten, die von mehreren unterschiedlichen Personen forciert, und sich in Flugblättern vor allem gegen die angeblich zu dominante Rolle von Horst richtet.In Preßbaum Okt 87 eskalierte es zum offenen Steit zwischen der Mehrheit der genervten Affinis (alle die konstruktiv und rücksichtsvoll miteinander umgehen wolle) und den verschiedenen Konflictis (die meinen alle müßten erst mal in einem depressiven Konflict bis in den Abgrund ihrer Persönlichkeit getrieben werden) eskalierte. Doch schon auf dem nächsten Treffen in Berlin hatte praktisch keiner mehr Lust sich mit den Konflictis zu streiten.

Kapitel 2
Mit dem nächsten Bundestreffen in Berlin begann die konstruktive Phase der Ortfindung. In kleinen Gruppen waren verschiedene Orte um 60ooo Einw. besucht worden, auch mit Grünen usw schon gesprochen und viel Material gesammelt worden. Es begann eine Phase des sortierens und bewertend der verschiedenen Orte Ben der eigentliche Konflicti, der es auch für möglich hielt, Andersdenkende zu schlagen, verschwand nach dem nächsten Treffen, als ich ihm einen ersten Schlagabtausch vor der Tür anbot. Worauf er verlegen meinte, das so nicht gemeint zu haben. Einige, die echt Angst vor Ben hatten waren mir dankbar für meine Geste. Es wurden große Statistiken angefertigt Pläne gezeichnet Engagierte setzten sich für einzelne Orte ein Es entstand aber auch ein Überdruß über die Länge der Auseinandersetzung.
Schließlich wurde auf dem Secttreffen in Wetzlar von 7 übrig gebliebenen Entschlossenen Alsfeld südlich von Kassel zu zentralen Ort bestimmt und darauf die Gläser gehoben und angestoßen. Da verschiedene zwar P-A machen aber an ihren Orten bleiben wollten, wurden Leer und Neustadt mit einer eigenen Projektstruktur zu kooperierenden Orten erklärt was nicht vorgesehen war. Gruppen und Einzelprojekten zB. in Marburg Oldenburg usw als dazugehörig gerechnet

Kapitel 2 A
Es gab mal einige Leute bei Projekt-A die meinten jeder Mensch müsse erst duch den untersten Dreck gehen in den hintersten Löchern leben, bevor er seine Erziehung/Sozialisation überwinden und wirklich frei bei P-A einsteigen kann. Da wir die Leute nur nervig fanden und nachdem in Preßbaum der Konflict eskalierte, blieben sie weg. Ansonsten habe ich nur Anarchisten kennen gelernt, die statt in einem Loch lieber in einem gemütlichen WG- oder Kommune-Zimmer wohnten….
Das hatte sich schon vorher angekündigt mit einem großen Psychodruck auf alle die sich angeblich diesem notwendigen Schritt verweigerten. Als ein Ben gar meine man müsse auch mal mit körperlicher Gewalt bei Unentschlossenen nachhelfen, bat ich ihn für eine persönliche Frage nach draußen. Hier haute ich ihm beide Fäuste vor die Brust, und forderte ihn auf seine Gewalt auszuleben. Doch er wurde ganz klein: “das war doch nicht wirklich so gewollt”. Wieder drinnen konnte ich also feststellen, daß Ben das nicht ernst gemeint habe und alle entspannten sich.

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Kapitel3 Die Zeit in Alsfeld

Kapitel 3
Alsfeld war als Projekt-A-Ort ausgewählt Es entstand eine ganz neue Aufbruchstimmung die Leute erfaßte die sich schon zurückgezogen hatten und jetzt in Alsfeld auftauchten. Im Oktober/November 1988 wurden 2 Häuser Unfug (Untere Fuldergasse) 2 und 12 gekauft. Sofort die 2 von ET (Erhard Trotnow) kurz später die 12 vom Kollektiv Jo Arthur Sylvester Heike und Uli. Karl der einzige Einwohner besorgte die Wohnung für Horst und das Anarchiv. Zur erwarteten Ubernahme des Ökoladens durch Uli kam er nicht rechtzeitig, Icke machte auch keinen Elektroladen auf sondern später in Neustadt wo ach Uli in den Ökoladen einstieg Die Galions kauften einen Hof in der Nähe in Bieben. Ebenso miete eine Gruppe einen Hof etwas weiter in Reimrod. Peter und noch 2 zogen nach Alsfeld in eine WG gründeten die gemeinnützige Kulturfabrik und Kneipe
Um Cora die erst nach Bieben zog und dann in Unfug2 kam es aber bald zu einem Klinsch besonders zwischen Gabi und ET um Mietzahlung und abgeholten Besitz. Das wurde leider unnötig aufgebauscht als ob in Bieben esoterische Hexen hausten. Mein Versuch, den Bruch aufzuarbeiten scheiterte leider an ET’s Sturheit. ein treffen versank in Sprachlosigkeit.
Im ersten Jahr erschienen noch gemeinsam von Unfug 2 und ET vier AHA , im zweiten drei im dritten nur noch eins. Barbara hatte sich bei ET intensiv an den Renovierungen des großen Fachwerkhauses beteiligt, war dann aber im Streit ausgezogen. Als ET das AHA für seine einseitige Darstellung nutzte, wurde er in Stangrod-Bundestreffen Juni 1990 von der AHA-Mitarbeit ausgeschlossen. Um die Abgeltung von Barbaras Arbeit gab es leider einen Rechtsstreit
Ich war häufig in Alsfeld saß in allen möglichen Küchen herum und war bald der einzige, der noch zu allen Kontakt hatte, weil ich mich als Besucher aus allen Streitigkeiten raushalten konnte, Es war manchmal komisch, wenn ich nacheinander in die Unfug 2 und 12 bei Horst vorbei und dann zu den Gallions, alle im gleichen Projekt aber dennoch kaum Gemeinsamkeiten. Es gelang mir meist das zu ignorieren und versuchen von allen Positives und Fortschritte insbesondere beim Ausbau zu berichten, auch im AHA..
Horst zog inzwischen mit Anarchiv und Satzzentrum nach Neustadt. Der Bauernhof in Reimrod wurde aufgelöst . Weitere Bundestreffen Leer 25-27. August, Berlin 7-9.Sept. 90 und Neustadt 18-20.Jan. 91 Es wurde schwierig, überhaupt noch anhand der AHA nachzuvollziehen wie der Auflösungsprozeß ablief. Die Unfug 12 wurde an einen Mitbewohner, der in Alsfeld bleiben wollte verkauft und der Umzug der anderen nach Neustadt abgewickelt.
Inzwischen war mir durch meine Besuche aller möglichen Orte und Treffen klar geworden, daß nur mit der Weiterführung des AHA außerhalb von Neustadt das Gesamtprojekt weitergeführt werden konnte. Andernfalls wäre das AHA in N untergegangen. In der Befürchtung der Arschkarte, das ich als einziger das durchzuziehen “zu müssen” bereit war. fuhr ich zu dem einzigen Treffen, das noch stattfand.
So wurde in Billertshausen, eigentlich nur ein Vorbereitungstreffen. 22-24 Nov. 1991 Alsfeld als PA-Ort aufgehoben und jedem freigestellt, wie er sich weiter zum Projekt verhält. Mitsamt Konto und Abo-Liste wurde mir das AHA nach Oldenburg überantwortet. Mehrere versprachen hier zur Endredaktion zu kommen was zeitweise mit Jörde/Dortmund auch klappte.
Leider schafften wir es nicht mehr zum geplante Bundestreffen im Dezember 1991 rechtzeitig einzuladen, das die aktive Theoriegruppe Marburg vorbereitet hatte, aber mißverständlich keine extra Einladungen verschickte, denn das AHA wurde erst im Januar fertig. Das nächste sehr gut besuchte Bundestreffen fand darum erst im März statt. Bis dahin galten die Beschlüsse vom Vorbereitungstreffen, die dort bestätigt wurden.

  • Pu Schröder Im Fabrikprojekt Oldenburg war ich in der angenehmen Lage wenn kein Laden gebaut wurde, von Freitag bis Montag weg bleiben zu können, was ich exessiv ausnutzte. Natürlich muße ich die Zeit nacharbeiten.
  • PU Schröder Das eigentlichen Faktengerüst der drei Jahre Alsfeld als P-A-Ort ist nur dürftig in den AHA dargestellt. Ich habe hier schon einiges aus meinen persönlichen Erinnerungen dazu gepackt. Demnächst müssen weitere Quellen erschlossen werden die eigentliche Arbeit beginnt damit. Wer wohnt noch in der Unfug 2 und 12 in Bieben. Über die Kulturinitiative und Kneipe fast nichts. was ist noch in Neustadt im Anarchv. das jetzt nach Speyer umgesiedelt wurde Werde mal losfahren alte Bekanntschaften auffrischen. Mit Mitmachern über Facebook oder Unterstützung über ein sich regendes Interesse unter den alten P-A’lern rechne ich nicht..
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Kapitel 4 Zwei Jahre geht es weiter Kapitel 5 Absturz und Auflösung

Kapitel 4
Nach dem Beschluß Alsfeld als Projekt-A Ort aufzuheben war mein Konzept, das AHA aus dem Run auf Neustadt herauszuhalten und eigenständig auch für Bundestreffen und Lutterspectakel und der Vernetzung mit dem ganzen Umfeld wie Kommunen Ökodörfern Graswurzlern Widerstandsdörfern Wagenburgen Anarchotreffen weiterzuführen und mit meinen Kontakten Vorstellungen und Büchertischen auf den verschiedensten Treffen auch das ganze Umfeld einzubeziehen sowohl in die Berichter…stattung im AHA Vorstellung verschiedenster Projekte und Initiativen als auch in Vertrieb und Besuche und Büchertische bei allen sinnvollen Treffen auch durch Pflege von Kontakten auch tatsächlich das AHA bunt und aktuell und interessant zu füllen Insbesondere auszugsweise die Stichpunkte aus Neustadt soweit nicht intern vertraulich veröffentlichen zu dürfen um die Entwicklung dort für das übrige Umfeld nachvollziehbar zu machen.
In den 2 Jahren nach Alsfeld fanden noch verschiedene Bundestreffen und zwei Spectakel statt, intensiv begleitet von den von mir innerhalb der Fabrikprojekts herausgegebenen AHA’s Das erste davon drohte uns zu entgleiten und war mit über 300 Beteiligten für Lutter eigentlich zu groß. Auch mußten wir ziemlich massiv eingreifen weil einige unsere Abmachungen für Auto und Feuer nicht einhalten wollten. Danach konnten wir das nächste nur noch ohne jede Werbung veranstalten. Trotzdem kamen noch über 200. Infotisch und Projektvorstellungen waren mangels Bereitschaft an mir hängen geblieben. Auch die Bundestreffen waren fanden rege Beteiligung, trotz zu vieler Besucher in Neustadt, die zu rigiden Beschränkungen führten. Das Verhältnis zwischen dem Bundeszusammenhang P-A und Neustadt schien sich einzuspielen. Nur meinten Theoretiker insbesondere in Berlin Marburg und Ruhrgebiet und Gruppen von Außerhalb das für einen Selbstläufer zu halten. Im Projekt waren alle sehr beschäftigt, freuten sich; daß die Kommunikation klappe und man scheinbar nichts dazu beitragen mußten. Jetzt zeigte sich, daß es in P-A keine langfristigen Vereinbarungen gab, das Zufallsmehrheiten auf Bundestreffen alles total in Frage stellen konnten.

Kapitel 5 und Ende
Das klappte ab Jan 1992 zwei Jahre bis eine Gruppe um Ilse Schwipper die Forderung erhoben Artikel von „Anarchist Black Cross“ und andere Initiativen im AHA unbegrenzt zu veröffentlichen. Wir wiesen auf die Vereinbarung hin, daß das AHA allein für Projekt-A und ihre Vernetzung und Komunikation da sei.
Vorher schon hatte ich mit Hagen, der auch bei ABC engagiert war Ausein-andersetzungen. Nach einem Grundlagentext, den wir auch abdruckten, lehnten wir… die sich häufenden Solidaritätserklärung nach den üblichen Tel-Absprachen ab, sie im AHA zu veröffentlichen. Nach einem Brief von Hagen mit wüsten Beschimpfungen wurde das Verhalten von ABC zu ProjektA auf dem nächsten Bundestreffen besprochen und der nicht vorhandene Bezug festgestellt. Damit war das Thema vorläufig erledigt.
Es stellte sich heraus, daß niemand aus Projekten bereit war, sich wirklich für das AHA als spezielle Projekt-A-Postille zu engagieren und dafür zum nächsten Bundestreffen im Dez.1993 in das für die meisten weit entfernte Letschin zu kommen. Selbst aus Neustadt kam niemand.Ich bekam von den Anwesenden die Weisung, das AHA an wechselnde Gruppen abzugeben, die nacheinander die Herausgabe organisieren sollten. Ich wurde aber verpflichtet, weiter interne Zirkulare und sonstiges Material sammeln und diese mir großenteils persönlich anvertrauten Interna vollständig zur weiteren Auswahl und Bearbeitung abzugeben.
Das wäre ein Vertrauensbruch gewesen und hätte kraß meinen Absprachen widersprochen, nur weiterzugeben und zu veröffentlichen, was nach meinen persönlichen Informationsstand insbesondere im Zweifelsfalle nach telefonischen Rückfragen geeignet und „nicht Interna“ freigegeben war. Dieser Vorbehalt interessierte in Letschin niemanden. Das AHA das ich in gut zwei Jahren zu einem allgemeinen Zirkular für Projektanarchie aufgebaut hatte , war für ABC insbesondere die Gruppe aus Berlin um Ilse Schwipper zum Objekt der Begierde geworden, sich in der inzwischen auf 400 gewachsenen Auflage mit allen möglichen Pamphleten zu produzieren. Da zu Letschin als einem offiziellen Bundestreffen eigeladen wurde, war es völlig korrekt.
Die Auflage stürzte auf die abrupt weniger als 50 Abonnenten. Die Marburger übernahmen das AHA von Berlin zur Zeit der Großen Krise in Neustadt. aber nichts davon im AHA. Das Desinteresse führte auf dem Bundestreffen in Fronhausen im Dez 94 zum Auflösungsbeschluß für den Bundeszusammenhang des ProjektA. So hat diese Gruppe geschafft innerhalb von 9 Monaten sowohl das AHA als auch die Bundestreffen zu ruinieren. Ich konnte dem nur noch hilflos, untätig und traurig von außen zuschauen

Pu Schröder Zu Neustadt emfehle ich: Jens Herrmann: “Wespe das andere Modell” . Am besten bei “ixquick de” suchen ansonsten noch “Projektanarchie.de” mit Texten zur A-Fabrik in Oldenburg.

Pu Schröder Grade habe ich die AHA 15-16 für die Zeit der Ortssuche vom Berliner Treffen Dez 87 bis zum Entscheidungstreffen Sept. 88 durchge-arbeitet. Damals gab es für diese 4 Ausgaben auch nur eine reine Sammel-stelle in Bochum ohne aktive Redaktion, wodurch der Informationsfluß für die Bundestreffen und den sonstigen Meinungs-und Informationsaustausch stocke. Da sich auch die Redaktionsanschrift änderte blieb leider bei der vorherigen Redaktion etliches liegenblieb oder wurde nicht abgerufen, Statt-dessen wurden in Nr 17 mangels Material 25 Seiten veraltete Protokolle von Regionaltreffen veröffemtlicht. Dafür waren die Termine zu den Bundestreffen kaum auffindbar. Und das wichtige Protokoll des Berliner Treffs zur Ortssuche mit vielen Vorschlägen und Kommentaren dazu blieb unveröffentlicht.. Etliche Interesierte blieben dadurch vom Informationsfluß abgeschnitten.in einer passiven Erwartung. Womit die Ortswahl auf dem Sekttreffen bei etwa 25 Anwesenden nur noch durch ganze 7 Entschlossene erfolgt. Erst danach mit neuer aktiver Redaktion kam mit dem Informationsfluß wieder neuer Schwung in die Sache. etlich kamen aus ihrer Passivität und da ein gleich gekauftes großes Fachwerkhaus in Alsfeld als als Anlauf funktionierte, gab es neu akti-vierte Entschlossene, die bei der Renovierung anpackten als Kollektiv zu 5 ein weiteres Haus und die Gallions einen Bauernhof in der Ungebeung kauften. Damit müßte ersichtlich sein, das ein Projekt, das nicht in einem überschau-baren örtlichen Rahmen stattfindet, ohne eine verbindlichen Informations-strukltur nicht funktionieren kann. .
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    Selbstverwaltete Betriebe Libertäre Tage 1993 Abschlußbericht

    Selbstverwaltete Betriebe

    Alternative Betriebe, praktische Anarchie und Ökonomie war von Anfang an der Gesamtrahmen dieser Arbeitsgruppe.

    Wir haben an allen drei Tagen gearbeitet; jedes Mal war es eine andere Zusammensetzung. Am ersten Tag waren wir etwa 80, am zweiten 50 und am dritten 25, damit am letzten Tag gerade richtig für eine funktionierende Gruppe.

    Die Aufteilung wollte an den beiden ersten Tagen nicht klappen, da eine zu große Gruppe Interesse hatte zusammenzubleiben.

    Die Schwierigkeiten mit dem Auseinandergehen bedeuten Verlust von Möglichkeiten, die Praxis von anderen zu erfahren. Die meisten fahren nicht zu so einem Treffen, um dann Gespräche wieder in einem engen Kreis zu führen.

    Bei der praktischen Verwirklichung der Anarchie kommen wir ohne Erfahrungen und Lernprozesse nicht aus und nicht ohne Leute, die davon berichten können.

    Ein Teil der Anwesenden hatten mit mir den Eindruck, daß die Erfahreneren aus den Projekten zusammenbleiben wollten und die Neueinsteiger wollten mit ihnen reden. So spalteten sich nur zwei kleine Gruppen zu speziellen Themen ab. Die große Gruppe tagte sogar bis in den Abend hinein.

    Am ersten Tag stellten sich etwa 15 Alternativbetriebe mit den unterschiedlichsten Arbeitsfeldern und Zielen vor.

    Am zweiten und dritten Tag kamen noch weitere hinzu:

    Ein Taxiverbund mit 25 Fahrern (Motto: Lieber ein mieser Job mit tollen Leuten als ein guter mit schlechter Stimmung), eine Bäckerei, Holzbetriebe, Kneipe und großes Cafe, Druckerei, Bau- und Innenausbau aus Berlin mit über 40 Beteiligten, Buchladen, Fahrradgeschäfte, Gärtnerei, Landkommunen, Behindertenprojekt, eine Gruppe ehemaliger Gefangener, die aufarbeitet und repariert, ein umfangreiches Selbsthilfeprojekt aus Holland mit viel Sozialunterstützung und eigener Bank, die Wespe (eine regionale libertäre Betriebsvernetzung aus Neustadt) und das Fabrikprojekt, beide im Verbund mit Projekt A, einem bundesweiten anarchistischen Zusammenhang.

    Erster AG-Tag

    Am ersten Tag wurden Probleme erörtert, wie weit Alternativbetriebe die Aktivitäten der Kollektivbeteiligten aufsaugen, soviel Kraft und Zeit erfordern, daß sie kaum noch nach außen wirken können. Schränken praktische Versuche die politischen Aktivitäten ein oder gibt es gerade dadurch erweiterte Möglichkeiten?

    Das hängt sicher auch von der Effektivität der Arbeit ab, wieviel jede/r braucht, um das notwendige zu verdienen. Dabei dürfte die 5-Std.-Woche eine interessante Spekulation bleiben, 25 Wochenstunden in der anarchistischen Fabrik sind ein realistischer Versuch. Einschließlich notwendiger Gespräche beanspruchen viele Kollektive ihre Mitarbeiter über 50 Stunden in der Woche.

    Wer da nicht das entsprechende Durchstehvermögen hat, gibt leicht auf.

    Am ersten Tag wurden also mehr die Möglichkeiten besprochen, die Menschen in solchen Betrieben überhaupt haben, nach innen eine sinnvolle, ausfüllende Arbeit, nach außen, wie weit sie sich auf dem Weg zu einer utopischen freien Gesellschaft mit der Verwirklichung von wirtschaftlich arbeitenden Projekten voranbringen können.

    Diskutiert wurden die Möglichkeiten und Gefahren, die Utopie auf dem Weg der Verwirklichung in den Schwierigkeiten und Sachzwängen wieder zu verlieren. Wie weit sich eine Gruppe von ihrem Umfeld, ihrem Stadtteil, anderen Betrieben in der Umgebung abgrenzt, wie gleiche Branchen mit der Konkurrenzsituation fertig werden.

    Wobei nicht ganz klar wird, ob elitäres Bewußtsein oder schlichte Hilflosigkeit im Umgang mit dem Umfeld Abgrenzungen bewirken. Betriebe, die schon länger bestehen und bewußt und direkt an dieses Problem herangehen, haben meist nicht die Schwierigkeiten wie Gruppen, die noch im Aufbau total mit sich selbst beschäftigt sind.

    Aber der Wunsch mit der Umgebung auszukommen kann nicht heißen, sein Verhalten an Normalos anzupassen und den eigenen Stil zu verlieren. Der Wunsch, sich exotisch unter Angepaßten zu fühlen und das ausdrücken zu wollen, kann also nicht Anpassung heißen sondern gegenseitige Akzeptanz von beiden Seiten.

    Als wichtig wurde eine Vernetzung von Projekten angesehen, weil dann die Möglichkeit besteht, bei auftauchenden Widersprüchen und unvereinbaren Ansichten Betrieb oder Wohngemeinschaft wechseln zu können, wie z. B. bei dem Wespeverbund in Neustadt.

    Schön wären Möglichkeiten einer Wanderschaft durch verschiedenen Bereiche von Dienstleistung, Handwerk, Handel und Fabrikation. Als Erprobungszeit, um Erfahrungen zu machen und den Platz zu finden, an dem ich wirklich sein will und mich nicht nur mit meinen beruflichen sondern auch meinen politischen Zielen wiederfinde.

    Menschen, die noch auf der Suche sind, können für eingefahrene Projekte sehr wertvolle Anregungen bedeuten, ins Stocken geratene Gespräche wieder voranbringen.

    Aber besteht dafür nach einem jahrelangen Betriebsaufbau noch die Offenheit und Neugier?

    Wenn sich eine belastbare Gruppe zusammengefunden hat, die effektiv und wirtschaftlich arbeitet, hat sie dann noch den Schwung nach außen zu wirken?

    Zweiter AG-Tag

    Am zweiten Tag stand ein anderes Thema im Mittelpunkt:

    • Wie ist mit Randgruppen, AußenseiterInnen, weniger “effektiven” Menschen umzugehen?
    • Wieviele davon verträgt eine Gruppe, ohne daß sie an Überlastung zerbricht?
    • Wie groß ist unser Anspruch, anderen helfen zu wollen?

    Theoretisch lassen sich leicht moralische Maximalforderungen aufstellen, jede/n aufnehmen zu müssen, der/die Hilfe braucht und in der normalen Konkurrenzgesellschaft wenig Chancen hat. Stellt eine Ablehnung von Menschen unsere ganzen Ansprüche in Frage?

    Wenn ich aber jeden Tag länger arbeiten muß, um Schwierigkeiten anderer auszugleichen, kann mir die Zeit für Kreativität und Kommunikation verlorengehen, damit meine Möglichkeit zur Weiterentwicklung.

    Kollektive erleiden dann leicht Absprünge durch Rausgehen in weniger belastete Gruppen oder es findet ein Rückzug auf einen normalen Arbeitsplatz statt, wo mensch sich mit so etwas gar nicht erst auseinandersetzen muß und unter keinen moralischen Druck gerät.

    Dieses Gespräch wurde teilweise sehr emotional geführt. Einige gingen raus und kamen erst nach vermittelnden Gesprächen wieder.

    Besonders die Möglichkeit, HartdrogenbenutzerInnen in Projekte aufzunehmen, wurde von einigen nach schlechten Erfahrungen strikt abgelehnt, weil Mißtrauen nach herben Verlusten eine vertrauliche Offenheit unmöglich macht.

    Ein Projekt hatte schon zweimal Probleme mit HartdrogenbenutzerInnen, wollte aber weitere Versuche nicht ausschließen. Einige waren empört, daß überhaupt in der Diskussion die Möglichkeit einer Ausgrenzung vertreten wurde, daß überhaupt Ablehnungen möglich sind, wenn jemand Schwierigkeiten mitbringt.

    Was für zeitliche, arbeitsmäßige und finanzielle Belastungen kommen durch Betreuung auf eine Gruppe zu?

    Was so schön und idealistisch klingt, heißt in der Praxis immer eine Bereitschaft der Einzelnen, die sich daraus ergebenden Belastungen tragen zu wollen und bei Überlastung die Gruppe nicht zu verlassen.

    Denn was nützt das schönste Konzept, wenn die Gruppe an der Überfrachtung mit Problemen zerbricht. Da stellen sich auch grundsätzliche Probleme der Beurteilung von bestehenden Projekten.

    Wenn KritikerInnen an die praktische Verwirklichung möglicher, gangbarer Wege zur anarchistischen Utopie mit idealistischen Vorstellungen herangehen, kann ihnen die Praxis nie genügen. Die real existierenden Versuche werden darum meist mit “Ungenügend” oder “Falsch” verurteilt. Wonach sich die TheoretikerInnen wieder beruhigt zurücklehnen können, denn auf solche Versuche brauchen sie sich nicht einzulassen.

    Wir wollen aber die Utopie einer freien, sozialen, ökologischen Gesellschaft verwirklichen und müssen uns darum auf Unvollkommenheit und Fehler einlassen, aus denen wir lernen und uns weiterentwickeln können.

    Auf dem Weg müssen wir uns möglichst weit so verhalten, wie wir auch in unserer verwirklichten Gesellschaft handeln wollen. Sonst verlieren wir auf dem Weg die Utopie.

    • Welche Probleme haben wir eigentlich allein schon auf unserem richtigen Weg innerhalb einer falschen Gesellschaft?
    • Wieviel Vorstellungskaft und Phantasie müssen wir aufbringen, um nicht ständig als innovatives Potential für kapitalistisches Wirtschaften vereinnahmt zu werden?
    • Oder werden wir bei Nichterfolg dieser Taktik der Herrschenden ausgegrenzt und verfolgt?
    • Wo läßt sich dazwischen noch frei agieren…?

    Meist wird Anarchie mit viel Theorie und wenig Praxis gemacht, und wo Praxis stattfindet, wird häufig versucht, sich mit minimaler Theorie durchzuwurschteln ohne rechte Lust auf Reflexion dessen, was gemacht wird. Projektanarchie versucht einen evolutionären Weg.

    Aus dem gemeinsamen Lernen jedes Menschen, mit dem ihm gemäßen Erkenntnisfortschritt ohne Zwang sich an eine allgemeine Theorieentwicklung anpassen zu müssen, wenn er sie innerlich noch nicht mitvollzogen hat.

    Fazit

    Ich betrachte unsere Arbeitsgruppe als die einzige, die sich mit den praktischen materiellen Grundlagen und realen Erfahrungen der Verwirklichung von Anarchie auseinandersetzte. Die rein spekulative Diskussion über die 5-Stunden-Woche zog schon alleine mehr Interessierte an.

    Zu anderen Themen, die sich mit theoretischen Erörterungen innerhalb der Libertären beschäftigten, kam ein Mehrfaches an BesucherInnen. Das war auch so vorausgesehen und bei der Raumplanung richtig eingeteilt.

    Aber stellt sich diese unsere Bewegung damit nicht in Frage, können solche Treffs über theoretische Auseinandersetzungen hinaus überhaupt etwas bewirken? Wenn sie/er etwas besser weiß, wie mensch manipuliert und unterdrückt wird, aber nicht, wie sie/er sich positiv mit anderen weiterentwickeln kann.

    Ich weiß, wie schwer es war, überhaupt Räume zu finden. Für Frankfurt war schon das Mögliche ausgeschöpft. Aber die kurze Zeit des Tages, die uns die vielen Räume und großen Flure des Seminarbereichs zur Verfügung standen, waren meist von Arbeitsgruppen ausgefüllt.

    Der freie Austausch, eine zirkulierende Kommunikation in einer Basaratmosphäre um die Stände waren immer nur kurze Zeit möglich und wenn es gemütlicher wurde, mußten die Bereiche auch schon verlassen werden. Jede schöpferische Muse brach ab.

    Draußen auf dem Platz hatte uns Krankfurt rasch wieder eingeholt, unsere angereisten AbhängerInnen mit ihren mitgebrachten Bierpaletten und der überdrüssigen, schmuddeligen Variante eines hilflosen Individualanarchismus; und die Abgeschobenen der Überflußgesellschaft in dieser reichen Stadt, mit deren Aggressionen wir nur schwer umgehen konnten.

    Pu, Oldenburg

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    Selbstverwaltete Betriebe Libertäre Tage 1993 Einführung

    AG Selbstverwaltete Betriebe

    Ich habe da so meine Schwierigkeiten über das bunte Spektrum der selbstverwalteten Betriebe einen Text zu verfassen, in dem sich alle wiederfinden. Mir scheint gerade umgekehrt, daß die Vielfalt ausufert von mönchisch-ökologisch-selbstverwirklichend über neugierig-testend bis zu juppihaft-erfolgsorientiert, sich vieles alternativ bis anarchistisch selbstverwaltet.

    Meine Rolle sehe ich dabei mehr in der Vernetzung und Ansprache verschiedener Gruppen, die sich dann in Frankfurt auf den Libertären Tagen einbringen. Meinen eigenen Beitrag zu praktischer Ökonomie und Vernetzung hatte ich eigentlich mehr als Sammeln von Projekten und Entwürfen zur praktischen Verwirklichung der Anarchie gesehen und nicht als Vorbereitung einer theoretischen Arbeitsgruppe.

    Dazu werde ich an der Vorbereitung von Ständen auf einem Jahrmarkt der Möglichkeiten, einer Vorstellungsrunde der teilnehmenden Projekte und dann mehr einer Gesprächsrunde mit eingehenderen Vorstellungen der beteiligten Projekte und Planungsgruppen mitwirken.

    Zu meinen eigenen Vorstellungen:

    Ein Weg zur einer Anarchie kann grundsätzlich nur über die Lernfähigkeit des Menschen führen. Eine Revolte von der viele träumen: so mal eben den Staat zerschlagen, und dann kommt die freie Gesellschaft schon von alleine. Eine solche Revolution kommt nie von der Gewalt wieder runter. Die Brutalsten und Machtgeilsten setzen sich am ehesten durch und geben die Herrschaft nicht wieder ab, auch wenn sie vorher noch so viel von der Beendigung der Diktatur nach einer Festigungsphase reden.

    Mit Anarchie zu leben, können wir nur lernen und verwirklichen, wenn wir “befreite Bereiche” schaffen, in denen wir begrenzt erleben können, wie es mit den Entwürfen einer freien Gesellschaft in dem Projekt-Alltag tatsächlich zugehen könnte. Wir sollten dabei milde miteinander umgehen und jedem das Tempo seine persönlichen Entwicklung überlassen und nicht mit moralinsaueren aufgepfropften Forderungen das Unmögliche verlangen. Wir leben in der falschen Gesellschaft und können da nicht einfach das richtige tun.

    Solange ein Staat besteht, wird es nie eine heile Projektwelt geben, auch wenn sich einzelne Gruppen noch so weit auf die Almwiesen oder ins Heidekraut verziehen. Darum müssen wir mit den Brüchen leben, die zwischen Projektinseln, umgebender kapitalistischer Gesellschaft und auch innerhalb der Projekte bestehen. Und die werden von den Möglichkeiten bestimmt, die wir uns innerhalb dies Systems mit Phantasie und guter Planung und Flexibilität schaffen und erhalten.

    Die theoretischen Entwürfe für eine andere Gesellschaft können keine Patentrezepte nach Art einer Ideologie sein, die die Welt vollkommen erklärt, die nur noch genau umgesetzt werden brauchen. Mit der praktischen Entwicklung der Projekte verändern sich die Formen des Zusammenlebens und die Menschen selber. Sie lernen mit den neuen Bedingungen umzugehen.

    Und jetzt von ihnen zu verlangen, genau weiterzumachen, was Theoretiker vorgedacht haben, die die Erkenntnisse aus der Praxis noch nicht kannten, die am Umsetzungsprozeß nicht teilnehmen, bedeutet ein großes Maß an Unfreiheit.

    Darum kann ein Konzept zwar weite Ziele setzen, insbesondere grundsätzliche Forderungen, die zur Erreichung einer freien, sozialen, ökologischen Gesellschaft dezentraler Strukturen und Abbau jeder Art von Herrschaft, Patriarchat, Sexismus und Rassismus, Abschaffung von Gefängnissen, Staatsschulen, Zwangspsychiatrie führen. Wie weit aber in der Praxis die Erkenntnisse immer neu umgesetzt werden müssen, können allein die entscheiden, die das Werk in immer neuen Fortsetzungen erleben.

    Auf dem Weg muß immer neu entschieden werden, wie weit die Kraft reicht, über Veränderungen im Projektbereich auch andere Forderungen zu verwirklichen, wie weit z.B. das Engagement bei den Kämpfen gegen neofaschistische Umtriebe reichen kann, wie weit das auch in anderen Bereichen gehen kann, wenn es Selbstaufgabe bedeutet, die Kraft für unsere eigenen Möglichkeiten nicht mehr reicht.

    Die anarchistische Fabrik

    In einer kapitalistischen Fabrik arbeiten Menschen. Sie sollen mit Maschinenhilfe in möglichst kurzer Zeit aus möglichst wenig Material möglichst viel Waren herstellen, die sich gut zu einem hohen Preis verkaufen lassen, so daß das Geld, das in die Fabrik gesteckt wurde, in möglichst kurzer Zeit den möglichst hohen Gewinn bringt.

    Die Kapitalisten interessiert dabei weder die Gesundheit, die die Menschen bei der Arbeit ruinieren, noch die Umgebung, die sie mit dem Gift, Lärm und Verkehr unbewohnbar machen, noch die Zerstörungen, die beim Abbau der Rohstoffe erfolgen, noch die Folgen, die durch die Produkte angerichtet werden. Waffen, Gifte, Drogen, Verpackungsmüll, Autos, Plastikspielzeug und andere schädliche Produkte verlassen die Fabrik. Kriege werden um billige Rohstoffe geführt, Menschen in kurzer Zeit in den Bergwerken ruiniert, Landschaften mit Monokulturen  überzogen, vergiftet, verstrahlt, abgenutzt, betoniert oder ausgebeutet aufgegeben.

    Die häufig nutzlosen bis schädlichen Produkte werden trotzdem durch Werbefeldzüge entwurzelten Menschen angedreht, die ihre wirklichen Bedürfnisse nicht mehr kennen, die Folgen ihres Handelns nicht überblicken, sich nicht mehr dafür verantwortlich fühlen.

    Eine anarchistische Fabrik dagegen dient sinnvollerweise dazu, auf möglichst angenehme Weise in möglichst kurzer Zeit auf ökologisch unschädlichstem Wege sinnvolle, nützliche Produkte herzustellen.

    Sie müssen langlebig sein, leicht zu reparieren, auszubauen, wiederzuverwerten, unschädlich zu beseitigen.

    Vertrieben werden sie in vernetzen Strukturen, was immer du und ich uns darunter vorstellen. Geld abschaffen ist das Vordergründige, Menschen und Produktionen zu vernetzen ist der Weg, auf dem das weitgehend selbst passiert.

    Anarchistische Fabriken entstehen immer da und dann, wenn sich notwendige Produkte nicht kleinteilig herstellen lassen ohne vernünftigen Zeitaufwand, Materialumschlag, Maschineneinsatz und Organisation, oder weil die Herstellung sonst zu laut, zu stressig, zu gefährlich, zu giftig ist.

    Es gibt keine erhaltenswerten Arbeitsplätze, immer nur notwendige.

    Es gibt kein Recht auf Arbeit; es gibt ein Recht auf ein freies, gesundes, selbstbestimmtes Leben, auf die Entfaltung der Persönlichkeit.

    Lebensstandard bezeichnet alles, was ich im allgemeinen Konkurrenzkampf für meine persönliche Nutzung zusammenraffe; Lebensqualität, was ich genießen kann, egal ob es mir allein oder der Gemeinschaft gehört.

    Ansprüche und Forderungen, die noch aus der bürgerlich-idealistisch-erfolgsorientierten Erziehung stammen oder ihrer Umkehrung in der Pubertät, die natürlich zu wahnwitzigen Koppelungen führen können, sind mit äußerster Vorsicht zu genießen. Meist sind von vornherein die Grundlagen falsch, auf denen sie basieren. Fabrikarbeit fällt da total unter ein Tabu, wobei die gleichen Menschen aus Bequemlichkeit gerade auch Fabrikprodukte für Musik, Kommunikation und Fortbewegung nutzen. Aus meiner Sicht besteht das Projekt A in Neustadt (WESPE e. V., ein Zusammenschluß selbstverwalteter Betriebe) in der Tradition der alternativen Handwerks-, Verkaufs- und Dienstleistungsbetriebe, die schon seit etwa 15 Jahren Erfahrungen machen und durch Netzwerk im größeren Rahmen und auch durch Großraumkommuneprojekte und regionale Vernetzungen Gemeinschaftsideen verwirklichten.

    Das wesentlich neue an Neustadt ist die Verbindung mit Projekt A und damit die Entwicklung in einer libertär/anarchistische Vernetzung:

    Die Utopie einer Stadt, die sich mit jedem Entwicklungsschritt, jedem neuen Produkt, jedem Menschen, der mitmacht, weiter von der kapitalistischen, ausgrenzenden, manipulierenden Konkurrenzgesellschaft weg zu einer solidarischen, freien, sozialen, ökologischen Gesellschaft hinentwickelt.

    In Kommunen, die gemeinsam leben und arbeiten, unterscheiden sich die Anforderungen der einzelnen Betriebe meist nicht wesentlich. Sie sind mehr auf die angestrebte Lebensform als auf Effektivität angelegt.

    Die unterschiedliche Bewertung von Arbeitsstunden tritt als Problem nur am Rande auf. Die Mitarbeit in verschiedenen Bereichen, die sich dabei ergebenden Gespräche und die allgemeine Kommunikation ergeben zusammen einen runden Tag.

    Das ist in der anarchistischen Fabrik völlig anders. Zwar wird sie sich von den heutigen kapitalistischen Fabriken radikal unterscheiden, z. B. durch die Aufhebung der Trennung  von Gewerbe- und Wohngebieten, durch die Nutzung der Materialien und der technischen Einrichtungen auch außerhalb der Fabrikationszwecke. Aber andererseits macht sie nur einen Sinn, wenn eine klare Begrenzung und Bewertung der einzelnen Arbeiten besteht.

    Hier arbeitet jede/r nur soviel, wie er/sie zur Erhaltung seiner/ihrer Lebensqualität und gesellschaftlich notwendiger Aufgaben braucht.

    Daneben hat er/sie noch seine Aufgaben in seinen/ihren Lebenszusammenhängen, ansonsten aber viel “Freizeit”, in der er/sie machen kann, was er/sie für richtig hält, wozu ihn/sie Bewußtsein und Neigung treiben.

    Pu Schröder

    Kontaktadresse:
    Pu Schröder, Karlstraße 7, W-2900 Oldenburg

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    Wespe PA Libertäre Tage

    Projekt A / Wespe / von Bernd Neustadt Selbstverwaltete Betriebe

    Der “Projekt A”-Entwurf entstand so um 1984 und ab 1985 ging Horst Stowasser, der Autor, mit dem frischgedruckten Buch “Das Projekt A” an die Öffentlichkeit. Viele Leute bekamen das Buch, das damals ausdrücklich nicht in den Buchhandel gelangen sollte, persönlich überreicht, noch mehr lasen es dann. Es verbreitete sich erstaunlich schnell.

    Das Projekt A war ursprünglich auf die Realisierung in einer Kleinstadt angelegt. So haben wir dann auf bundes-, regional- und sachbezogenen Treffen drauflosgeplant und von der “Stadt X”, dem “Tag X”, der “Urgruppe” und Ähnlichem geredet. Es gab auch einen Anlauf in diese Richtung, doch die dabei gemachten Erfahrungen führten z.B. vom strengen Stadt X-Konzept weg.

    Natürlich fällt es schwer, das “Projekt A” auf ein paar Sätze zu reduzieren. Wird das versucht, erntet man&frau fast sofort Widerspruch. Aber das ist auch ganz gut so – finden wir. Verschiedene Leute haben verschiedene Vorstellungen über das “Projekt A”. Bestimmt aber ist das “Projekt A” eine Denktendenz, deren Definition je nach praktischer Erfahrung immer ein bißchen anders ausfallen kann, ja, ausfallen sollte!

    Im Kern geht es dem “Projekt A” um die Vermittlung der drei großen Bereiche von Leben, Arbeit und Politik. In einer Gesellschaft, in der die Trennung zwischen Freizeit und Beruf, zwischen privatem und öffentlichem Leben immer weiter vorangetrieben wird, heißt ein Weg, diese Vermittlung zu betreiben: “Vernetzung”. Etwas anders gefaßt ist das “Projekt A” also ein beispielhafter Vernetzungsprozeß von und für Einzelleute, Gruppen, Initiativen und Projekte.


     

    Vorstellung des “Projekt A” während der Eröffnungsveranstaltung im Hörsaal VI
    Foto: Klaus Malorny


    In der Alternativbewegung ging es hauptsächlich im Projekte im Sinne selbstverwalteter Kleinbetriebe, in der Kommunebewegung um Arbeiten und Leben in einer Gruppe, bei den meisten “Föderationsversuchen” um die Zusammenarbeit politischer Kleinorganisationen. Wir wollen uns für unsere Vernetzung die ganze Palette von Möglichkeiten offen halten. Und die Einzelleute, die Individuen, die in den meisten Organisationen mehr oder weniger untergehen, stehen in der Aufzählung nicht von ungefähr am Anfang.

    Als direkte MitmacherInnen wurden von Anfang an (und werden auch heute noch) hauptsächlich zwei Gruppen angesprochen:

    • zum einen projektinteressierte Menschen, denen es bei selbstverwalteten, ökologischen Produktionsformen um mehr geht als um eine dürftige AussteigerInnennische für arbeitslose Akademiker;
    • zum anderen AnArchistInnen oder libertär eingestellte Leute – die sich nicht unbedingt so nennen müssen (!) -, die über den allzu begrenzten Kreis ihrer eigenen “Szene” hinauskommen wollen.

    “Projekt A” beinhaltet für uns zwei große Orientierungen, die auf Projekte und die auf Anarchie. Das Wort “Orientierung” soll sagen, daß wir aus beidem kein Dogma, keine “heilige Kuh” machen wollen.

    Projekte sind soziale Experimente: Sie bedeuten für uns zum einen nicht mehr und nicht weniger als die Möglichkeit, in unserem heutigen Tun schon zu versuchen, Formen einer wünschenswerten Gesellschaft zu verwirklichen; und zum anderen die Möglichkeit uns eine eigenständige (ökonomische) Basis zu schaffen. Projektemachen hat immer etwas von Aussteigen. Wir wollen jedoch ausdrücklich unsere Projekte in dieser Gesellschaft verwirklichen.

    Wir sprechen von anarchistisch-libertärer Orientierung, weil wir die alten, fruchtlosen und entzweienden Diskussionen über die Anarchie als solche, über den einzig “wahren” Anarchismus nicht wieder aufleben lassen wollen. Der Anarchismus ist vor allem deshalb so fruchtbar für uns, weil er uns auch genügend Potential zur Selbstkritik an die Hand gibt.

    Hehre und abstrakt klingende “Lehrsätze” und Begriffe haben auch immer praktische Aspekte, die sich zur Reflexion und Selbstkontrolle auf das eigene Handeln anwenden lassen.

    • “Auf den einzelnen Menschen kommt es an” (Individualität und Selbstbestimmung)
    • “Das Zusammenkommen der Menschen aus Lust aneinander und nicht aus (Profit)-Kalkül” (freie Assoziation und Gegenseitige Hilfe)
    • “Beim Zusammenkommen nicht in eine Einheit verschmelzen, sondern die Vielfalt bewahren” (Föderation)
    • “Das Ganze hat seinen Teilen nichts reinzureden bei Angelegenheiten, die nur sie selbst etwas angehen” (Autonomie)
    • “Übergroße Gesellschaftsstrukturen wieder auf ein menschliches Maß bringen, die eigenen Zusammenhänge überschaubar halten” (Dezentralisation).

    Das A in unserem Namen bedeutet also: Dezentralisation, Föderation und Autonomie der “Kleinen Einheiten”. Und weiterhin, daß wir ebenso ökologische Produktionsweisen wie herrschaftslose Lebens- und Politikformen anstreben.

    Ziel ist immer noch eine Gesellschaftsveränderung, allerdings wohl eher langsam, gewaltfrei – soweits geht – und von unten nach oben, von der Peripherie zum Zentrum und vom Kleinen zum Großen.

    Ein Vernetzungsmodell ist das “Projekt A”, weil es ihm nicht nur um sich selbst geht. Weil die Konzepte beispielhaft, unsere Versuche beispielgebend gemeint sind. Es geht ganz ausdrücklich nicht darum, eine einzige große Einheit zu errichten, wo alles auf einem Haufen zu finden ist, sondern darum, bereits bestehende Einheiten zusammenzubringen, ohne daß sie ihre Autonomie aufgeben müßten.

    Wenn wir im Zusammenhang von Vernetzung von “Vermittlung” von Leben, Arbeit und Politik reden, heißt das, daß die extremen Gräben zwischen diesen Bereichen als ein Problem erkannt werden, für das andere, neue Lösungen gefunden werden müssen.

    Vernetzung zwischen Einzelnen und Gruppen plus “Ver-Netzung der Gesellschaft” lautet unser Ziel. Uns geht es nicht um die Vernetzung unserer Gettos. Wir wollen unsere “Netze” durch die ganze Gesellschaft legen und so knüpfen, daß viele verschiedene Menschen damit in Kontakt kommen, einsteigen, aber auch wieder aussteigen können.

    So hoffen wir, vermeiden zu können, daß die Scheidelinie zwischen uns und denen zu einer unüberwindlichen Mauer wird. Auch für die Projektmacher und – macherinnen hätte eine solche Struktur Vorteile: Nämlich, daß man nicht gar zu sehr im eigenen Saft schmort, daß man hin und wieder von außen vorgeführt bekommt, daß mensch nicht der Nabel der Welt ist und daß der Konflikt, der einen gerade beschäftigt, nicht das zentrale Problem der Menschheit darstellt.

    Das “Projekt A” fiel als Modell in Neustadt an der Weinstraße auf äußerst fruchtbaren Boden. Den Leuten dort, die mit dem “Projekt A” in Berührung gekommen waren, war meist von vorneherein klar gewesen, daß sie niemals in die “Stadt X” ziehen würden. Waren sie vorher schon rege und aktiv in der neustädtischen Alternativszene vertreten, so wurde ihrer Motivation und Überzeugungskraft mit dem “Projekt A”-Modell eine entscheidend neue Ausrichtung gegeben.

    Seit 1989 besteht das “Werk Selbstverwalteter Projekte und Einrichtungen” (WESPE). Es wird versucht, selbstverwaltete, dezentrale, ökologische und libertäre Strukturen aufzubauen und miteinander zu vernetzen, die wirtschaftlich, kulturell und politisch wirken.

    Libertäre Lebensformen als praktische Anarchie im Alltag sollen so auch breiteren Schichten zugänglich werden. In der WESPE gibt es bisher 14 Betriebe, ein Dutzend Wohngemeinschaften und eine Reihe von Initiativen, in denen etwa 100 Erwachsene und viele Kinder bunt miteinander vernetzt sind.

    Kontakt:
    WESPE e.V., Friedrichstr. 36, 67433 Neustadt, Tel. 06321 – 35129, FAX 06321 – 34701
    (Vor Besuchen bitte anmelden!)

    Allerdings: Neustadt soll nun nicht als die letztlich doch noch gefundene “Stadt X” gelten – die Neustädterinnen selber wollen das auch gar nicht. Wenn wir dennoch relativ oft “Neustadt” im Munde führen, dann als eine Art praktisch-realen Fluchtpunkt, der verdeutlichen kann, was mensch z.B. gegenüber “herkömmlichen” Projekten der Alternativ-Szene alles anders, vielleicht sogar besser machen kann, wenn mensch nur die richtigen Leute und Konzepte zusammen hat.

    Was es noch so alles gibt, was sich “Projekt A” nennt: Ein bis zwei Bundestreffen pro Jahr, wo sich die über die ganze Republik verstreuten aktiven PA-Interessierten treffen, koordinieren und beraten.

    Zusätzlich dazu ist ein “PA-Spektakel entstanden, eine Art Festival, wo sich das große libertäre, projektorientierte Spektrum mit den PAlerInnen zusammenfindet, um ein paar Tage lang Informationen zu sammeln oder weiterzugeben und einfach viel Freude zu haben. Außerdem gibt es trotz wechselvoller Geschichte immer noch das AHA!, das “Projekt A”-Bulletin.

    Bernd

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    Utopie der Entstehung einer Fabikfiliale von 1992

    1.9.1992 Hannover
    Unterwegs erzählte Turban noch einiges über das Verhältnis von F
    und PA in Hannover. Vor 5 Jahren hatten einige Interessierte nach
    dem Bremer Modell einen monatlichen Arbeitskreis eingerichtet und
    in den verschiedenen Alternativbereichen Flugblätter verteilt mit
    den Anregungen Strukturen aufzubauen, die über den üblichen
    Netzwerkaktivitäten, sich mit dem Arbeiten und Wirtschaften  zu
    beschäftigen und dabei Geldsucher mit Unterstützern
    zusammenzubringen  Kontakte zwischen Betriebe zu knüpfen und auch
    Möglichkeiten zur Beschaffung von Staatskohle herauszufinden und
    die Formalitäten dafür zu managen.
    Wie üblich kamen die immer überall sonst auftauchenden Aktivisten
    hier nicht. Stattdessen aufmerksam gewordene schon halb
    resignierte früher mal begeisterte von den Realitäten und den
    Machern mit ihren ewig vorgeschobenen Sachzwängen mit denen sie
    jede fantasievolle Weiterentwicklung abblocken, gefrustete auf
    einen Ausweg oder Neuanfang die Hoffnung noch nicht aufgegeben
    haben.
    Und Neueinsteiger, die noch so richtig neugierig alles
    beschnüffeln, die Altalternativler ablehnen und gleich eine
    Vorstellung von einer Gesellschaft mitbringen in der sie leben
    und zu der hin sie sich entwickeln wollen.
    Nach kurzer Zeit gab es richtig Zoff zwischen den Netzwerkern die
    alles auf dem alten Standard der etablierten Alternativbetriebe
    also Schwerpunkte Ökologie und Kollektiv lassen wollten und den
    PAlern, die Leben Politik und Arbeit zu einer lebendigen Einheit
    entwickeln wollten. DAs brachte natürlich auch die
    eingeschlafenen Strukturen durcheinander die nur bei gemeinsamer
    Werbung und Vermarktung und der Jagd nach Staatskohle aktiv
    wurden. Das ging bis zur Spaltungs- und Rausschmißdrohungen.
    Bis die Etablierten endlich merkten, das hier ein ruhiger
    Lernprozeß anfing und keine provokativer Bruch und das die
    Vernetzungsvorschläge von PA ohne einen Konsens im jeweiligen
    Projekt/Betrieb sowieso nicht umzusetzen waren.
    Als die PA-Gruppe sich überlegte ein Infobüro/cafe einzurichten
    und die Finanzierungsfrage auftauchte kam einer mit dem Vorschlag
    das als Doppeltprojekt mit einer Filiale von Projekt F der
    Regalfabrik zu verbinden. Edwin arbeitete doch seit 6 Monaten
    dort mit und so wurde mit ihm und den Alternativtischlern ein
    gemeinsamer Termin gemacht um die Konsequenzen für den Markt in
    Hannover zu erörtern und mit Leuten zu reden die Interesse an der
    Mitarbeit in der Filiale hatten.
    Die Debatte wurde gleich erregt. Was das den solle
    Alternativbewegung und Fabrik. Ist diese Bewegung nicht
    angetreten um wieder die direkte Verbindung zum eigenen Machen
    zur Arbeit zu finden zur Selbstverwirklichung in der
    individuellen Anfertigung von Einzelstücken in der Tischlerei mit
    dem Wissen für wen man das macht”. Frage:”Aber was ist mit den
    vielen die sich im Aufbruch befinden die die dann erforderlichen
    Preise nicht zahlen können zB der Naturkostladen der wohl die
    8ooo für unsere Regale hat aber nicht die 25ooo für eine
    Tischlerarbeit aufbringen kann  Sollen die alle weiter in
    Großmärkten kaufen wo keiner weiß mit was für schädlichem Material
    in welchen Knästen die Sachen hergestellt wurden.
    Wenn die neue Gesellschaft entstanden ist zu der wir uns
    entwickeln wollen, werden sich viele Widersprüche lösen. Es
    werden sich viel Produkte als überflüssig herausstellen und so
    verschwinden. Andere werden von den einzelnen direkten Bezügen kleinteilig angefertigt werden weil es angenehm und
    kommunikativ ist. Strümpfe stricken und Bücher binden Segelboote
    bauen. So wird viel weniger fabrikmäßig hergestellt weil es sonst
    unangenehm ungesund gefährlich oder stressig ist oder die Zeit
    es mit einer Maschine herzustellen soviel schneller ist daß die
    Zeit wirklich günstiger verbracht werden kann. Aber grade jetzt
    ist es wichtig auch hier Erfahrungen zu machen. Es kann auch in
    viel weniger Zeit das nötige Geld verdient werden. Wie viele
    Tischler können häufig nicht für Kunden arbeiten, weil die ihre
    Preise nicht bezahlen können. Andererseits kann die Fabrik auch
    Tischler mit Vorprodukten wie Einlegeböden für Schränke und
    verleimten Trägern beliefern. Wie die Erfahrung in Oldenburg,
    Delmenhorst und Bremen zeigt tun sich beide Bereiche nichts eher
    das über die Filiale schneller der Kunde den passenden Tischler
    findet wenn ihm klar geworden ist das der ihm besser helfen kann.

    In Innenstadtrandlage war bald ein Laden mit Nebenräumen gefunden
    und für die Zwecke eingerichtet worden. Doch nach dem Ökomarkt wo
    sie über 5oo Prospekte verteilten und der Auslage in
    verschiedenen Projekten ging ein solcher Run auf die Produkte
    los, daß sie noch einen weiteren Werkstattraum anmieten müßten
    womit sich eine ungünstige Trennung von Info- und Verkaufsraum und
    der Endfertigung mit Auslieferung ergab.
    Schon nach einem Jahr hatten sie ein Wohnhaus mit Werkstatt und
    Hofzufahrt gefunden das teuer gemietet oder günstig gekauft
    werden konnte womit eine ungeheure Debatte durch die gesamte
    Scene losging. Netzwerk wollte sich gar nicht erst beteiligen, es
    sah einen Gegensatz zwischen seinen und den Prinzipien der
    Fabrikidee. Alles was in Esoterisch- Antroposophische Bereiche wirkte
    war entsetzt  über ein so grobschlächtiges Ansinnen einer Fabrik.
    Finanzierung war auch von dieser Seite nicht zu erwarten.
    Dagegen bot ein Typ der geerbt hatte den 6 verantwortlichen
    Projektlern an das heruntergekommene Objekt zu kaufen und ihnen
    ein Jahr sogar mietfrei zu überlassen und danach für eine
    Festmiete wenn sie alle notwendigen Instandsetzungsarbeiten Um-
    und Ausbauten selber anpackten  und finanzierten. Er hätte damit
    einen sinnvollen Zweck für seine Kohle gefunden und ihnen wäre
    geholfen.
    Der Vertrag wurde konkreter und auch mit der Fabrik in Oldenburg
    besprochen wie weit sie sich dem Ausbau beteiligt. Von denen kam
    ganz unerwarteter Widerstand. Wenn das in Hannover so gut liefe
    warum dann so ein Zentrum. Warum nicht dezentral in den einzelnen
    Stadtteilen Filialen einrichten und gleichzeitig das Konzept
    Stadtteilinfoladen damit verbinden. Für das Centrum würde ein
    Ausstellungsraum im Infoladen völlig ausreichen.
    Alle waren sauer auf die Fabrik was die sich in Hannover einfach
    so einmischt. Warum nicht dann gleich ganz selbständig und
    innerhalb von PA eine eigene Herstellung. über  Zusammenarbeit
    und Austausch könne  sich beide dann immer noch verständigen.
    Die Fabrikler fanden da viel heiße Luft und sahen einen Vorschlag
    und kein Diktat

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    Gedanken zum realen Fabrikprojekt 1990

    12.6.1990 II Das Konzept unserer Holzproduktion lässt sich recht
    einfach auf größere Maßstäbe übertragen. Momentan arbeiten wir
    im Rohbau mit nur einer Sorte von Brettern für die Baden und
    einer Sorte Latten die Ständer. Für Rückwände verwenden wir
    Pappelsperrholz. Falls wir noch Tischplatten und Hochbetten usw
    reinnehmen würden, brächten wir noch eine weitere Sorte dickerer
    Bretter.
    Wir können keine Stämme selbst aufsägen und trocknen auch keine
    Bohlen passend längssägen. Dafür fehlen uns Technik, Erfahrung,
    Maschinen und Platz.
    Durch Vierseitenhobel Breitbandschleifer und Verleimanlage ließe
    sich ein grosser Teil der Arbeitszeit einsparen. Aber dann müßte
    soviel Material durch die neuen Anlagen laufen, um sie
    wirtschaftlich zu betreiben, wie es sich in Oldenburg nur mit
    Konkurrenzkampf und Verdrängungswettbewerb durchsetzen liesse. Was
    wir schon rein politisch ablehnen. Stattdessen wäre es
    sinnvoller, die Vorproduktion noch weiter zu treiben, zentral
    herzustellen und in den verschiedenen Städten an Filialen
    auszuliefern.
    Die machen nur Endfertigung, Zusammenbau, Anstrich, Auslieferung
    und Einbau mit wenig Maschinen Kapital und Raumbedarf. Das
    werden richtig schöne Doppeltprojekte, die im politisch kommunikativ kulturell künstlerischen Bereich die Belebung,
    Verbreitung und Verwirklichung friedlich ©anarchistisch sozialer
    Ideen Lebensformen und Projekte voranbringen. Durch unsere gut
    organisierte Vorproduktion und Marketing bräuchten die
    Kollektivmitglieder nur etwa 2o/25 Std für ihre Bedürfnisse zu
    arbeiten und hätten noch genug Zeit Kraft und Fantasie für die
    andere Seite des Projekts. Dabei könnten sie alle Möglichkeiten
    der Fabrik nutzen, die sie als Doppelprojekt für Kunst, Kultur,
    Kommunikation und Verwirklichung von Anarchie in Theorie und
    Praxsis brauchen.
    Auch die technischen Möglichkeiten von Maschinenausleihe
    Anleitungen und Praktika Fahrgelegenheiten mit den Fahrzeugen der
    Fabrik die regelmäßig ausliefern und auch zurückbringen was an
    Tauschmöglichkeiten mit Betrieben vor Ort möglich ist.
    In den Filialen ist eine richtige Wanderung möglich vielleicht
    angefordert wenn viel zu tun ist oder Spezialisten benötigt
    werden. Nur muß eine Konstanz gewahrt bleiben und so darf eine
    Gruppe in einer bestimmten Form auch eine Grösse nicht
    unterschreiten wenn die Durchmischung mit Verantwortlichen und
    Praktikanten stimmen soll und die Zwänge für den einzelnen nicht
    zu groß werden sollen.
    Das wesentliche Hindernis dieses ganz einfache und praktikabele
    Konzept zu verwirklichen, ist die Sperre im Gehirn der Menschen
    die meinen anarchischen Zielen zustreben muß etwas ganz
    besonderes sein schon in der Ausführung der ganz einfachen
    Grundlagen muß die Post abgehen der Poge den Kopf zerreißen ein
    Wahnsinnsgefühl der Quasierlsung alles erfassen.

    Natürlich werden jetzt wieder die Pubertären ihre kleine überschaubaren anarchistischen Antiwelten ebenso wie die Elitären ihre
    Ansprüche an eine saubere heile Tausch- Bastel- Garten- Landbauidylle gestärkt sehen. Forderungen, alles zu lassen, was sich mit
    einer kleinbürgerlichen  Anarchievorstellung von einer Erlösung
    schon gleich wenn es losgeht nicht vereinbaren lässt. überhaupt
    ist der Begriff anarchistische Fabrik für alle eine
    Absurdität, die nur von dem Ideal einer schönen reinen und in
    jeder Beziehung stimmenden Welt ausgehen. und nicht von ihrer
    eigenen Betroffenheit und den zu verwirklichenden unvollkommenen
    Formen zu den Brüchen die da entstehen und mit den wir dann leben
    müssen wenn wir aus den Elfenbeintürmen in die Realität
    hinuntersteigen.
    Wer tatsächlich mit anderen Menschen in Projekten lebbare und
    dadurch auch vermittelbare Formen zu entwickeln versucht, wird
    zumindestens nach seinen ersten Erfahrungen anders herangehen.
    Lebbar heißt ausdrücklich nicht eine primitiven Mangelwirtschaft
    mit 70 Wochenstunden Fronarbeit in selbstdiktierten primitivsten
    Arbeitsformen ohne Elektrizität und Chemie. Sondern eine
    kritische Überprüfung aller technischen Fortschritte. Dabei
    müssten alle Techniken auf Umweltschädlich, Gefährlichen,
    Verstreßend, Kommunikationshemmend, Phantasie-zersetzend,
    Lusthemmend untersucht und entweder umgewandelt oder durch andere
    Produktionsweisen ersetzt werden. Selbstverständlich müssen sie
    auch dienend© unterstützend nicht dominierend- bestimmend sein.
    Wir werden nach uns suchen müssen im modernen Leben mit Fernsehen
    Telefon Auto industrialisierten Nahrungsmitteln und
    digitalisierter Kommunikation. Suchen nach unseren Lebensgefühl
    Rhythmus nach Gesundheit, nicht nach Arbeitsfähigkeit also
    künstlich einem kranken Körper mit Penecillin Wachmachern und
    Schlafmitteln fitmachen.
    Wir müssen auch daran glauben daß wir unser Ideal nicht dadurch
    zerstören das wir zwar den Anspruch erheben Anarchie zu
    verwirklichen aber noch so vieles falsch machen weil wir
    gleichzeitig verwirklichen und leben müssen.

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    Besuch in der anarchistischen Fabrik von 1992

    31.7.1992 Besuch
    Es gibt in der Fabrik keinen Besuchsstop nur größere Gruppen
    müssen sie sich für eine Führung vorher anmelden. Die kostet dann
    mit einem gesunden Mittagessen und Nutzung aller
    Informationsmöglichkeiten wie Zeitungsarchiv Bibliothek und
    Datenbank 10 DM. Auch einzelne die nicht direkter Besuch eines
    Bewohners sind gehen erst mal ins Büro und bekommen
    Informationen, wo er bleiben und übernachten können und wo sie
    sich zu einem Praktikum vorstellen können. Das kann sich nach der
    Art der Arbeit richten oder nach den sonstigen Schwerpunkten der
    Gruppe zB Kunst Kommunikation oder Forschung. Wer sowieso auf der
    Reise ist, kann nach einem Rundgang gleich mit einem der
    Transporter in eine Filiale fahren und dort das Ende der
    Produktionskette ansehen. Wo eine Gruppe von vier bis 8 Menschen
    das zusammensetzt und endbearbeitet, was in der Fabrik
    entsprechend vorbereitet wurde. Die Filialen sind immer Teil
    eines Doppelprojektes. Das ist bei der Kalkulation gleich
    berücksichtigt worden daß auch in den Filialen nicht mehr als 25
    Wochenstunden für eine gute Lebensqualität bei vernetzter
    Lebensweise gearbeitet werden muß. Dort wo es noch nicht
    vorhanden war einer Mischung aus Teestube und Infoladen mit
    unterschiedlichsten Zeitungen und Büchern Gruppenraum Kopierer
    Computer um allen von Links bis Alternativ die Möglichkeit zu
    geben sich zu informieren und kommunikativ zu arbeiten.

    Unsere Besucherin Iris ist 20 hat grade Abitur und möchte sich
    orientieren. Sie will morgens mitarbeiten um kostenlos wohnen und
    alles nutzen zu können. Sie kommt in die Kommune x die die
    westlichen Filialen betreut und für sie die Zuschnitte Fräsungen
    und sonstige Zurichtungen ausführt und kompliziertere
    Verleimungen die mit den dortigen Mitteln nicht machbar sind..
    Sie bekommt ein Gästezimmer und sitzt bald mit in dem großen
    Eßraum am Abendbrottisch.

    Am nächsten Morgen ist sie mit sechs andere in der Werkstatt. Ein
    Haufen Aufträge wird erst mal danach sortiert, was einfach im
    Zuschnitt aus dem Bestand genommen werden kann. Einiges muß aus
    einem Speziallager geholt werden ein bestimmte Sorte Beschläge
    wird per Fax bestellt und eine grosse Tischplatte wird aus
    Lamellen in einem grossen Rahmen speziell verleimt. Sie fährt
    mit Sven mit dem Seitenstapler ins Lager fährt Leimholzböden um den
    Tagesvorrat an der Aufteilungssäge zu ergänzen. Sie schauen auch in
    die nächste Halle wo an einem Ende die unterschiedlichsten Latten
    auf Rollwagen sortiert darauf warten zu Böden verleimt zu werden.
    Zwei machen eine Endkontrolle und versuchen möglichst
    einheitliche Latten zu gleichwertigen Böden zusammenzustellen.
    Die Latten werden dann durch eine Einleimanlage geschickt um
    dann in einem gewaltigen Verleimstern in rotierenden Ebenen
    ausgerichtet und gepreßt zu werden. Danach erfahren die Böden noch
    weitere Bearbeitung erst mit dem Hobel dann mit einem
    Breitbandschleifer der mit breiten rotierenden Schleifbändern die
    letzte Maschinenglätte erzeugt. Sven packt mit Iris aus dem
    dahinterliegenden Lager diverse Böden steckt dann seine Liste in
    ein Lesegerät woraufhin ein Drucker bei den Sortierern eine Bogen
    ausspuckt auf dem zu geringe Lagermengen durch die Entnahmen
    angezeigt werden.
    “Werdet ihr dann nicht zu Sklaven des Computers”? fragt Iris.
    “Nein die liefern nur die Rohdaten mit denen wir machen können
    was wir wollen. Wir bekommen keine Zeitvorgabe aber die Listen
    beziehen noch die allgemeine Auftragslage ein und wesentlich ist
    wer bereit die Arbeit jetzt zu machen andererseits machen wir
    auch mehr Vorrat wenn auch mehr ihre Arbeitszeit abarbeiten
    wollen, aber eine gute Übersicht vermeidet Hektik und Mehrarbeit
    die entsteht, wenn wir spezielle Kleinmengen dazwischenschieben
    müssen. In der eigentlichen Fabrikation möchte jeder möglichst
    schnell fertig sein. Wir akzeptieren die Arbeit und wenn sie sich
    auf 5 Stunden am Tag beschränkt kommt jeder mit seinen übrigen
    Interessen noch gut zurecht”. Wer sich mit seiner praktischen
    Arbeit selbst den ganzen Tag verwirklichen will ist hier falsch.
    Wir sind mit mehreren Tischlereinen befreundet mit denen wir auch
    tauschen in denen das möglich ist. Wir haben auch eine
    Kreativwerkstatt in der jeder sich austoben kann und wo auf
    Effektivität nicht geachtet werden muß. Ein alter Meister der
    noch viele Techniken beherrscht die heutigen Tischlern nicht mehr
    beigebracht werden hilft Anfängern gerne weiter Hier kommen auch
    Tischler aus anderen Betrieben die dort weder Muße, Werkzeug noch
    Anregungen für ganz spezielle Interessen finden.”
    Sie fahren den Stapel zu einem Gestell mit rotierenden Ebenen die
    immer den gewünschten Boden direkt vor die Aufteilsäge postiert
    wo mit äußerster Präzision Schnitte in allen Winkeln ausgeführt
    werden können.
    In einem Nebenraum fräst eine Kette viereckige Löcher in Latten
    genau dort wofür sie programmiert wurde. die Latten wandern
    zusammen mit den Sprossen in die Filialen wo sie zusammengesetzt
    und endbearbeitet werden genau wie die Böden die mit einer
    anderen Maschine stapelweise ausgeeckt werden. “Ist das nicht eine
    ungeheure Verschwendung was ihr hier macht mit dem vielen Holz?”
    fragt Iris. “Unsere Möbel sind keine Verschleißteile und wir
    achten darauf, daß wo wir es schlagen nachher aus einer
    ökologisch fast wertlosen Baumplantage wieder ein lebendiger
    Organismus wird aus dem wir nur noch viel weniger entnehmen
    können, das aber regelmäßig. Wir befinden uns hier in einer
    Übergangsphase. Demnächst machen wir an den Orten auch eine
    Tauschbörse wo unsere Produkte zurückgegeben und aufgearbeitet
    werden können. Andererseits arbeiten wir mit an Projekten von
    flexibel nutzbaren Räumen in die unsere Möbel optimal integriert
    werden.

    Am nächsten Morgen will Iris in eine Filiale mitfahren wohin ein
    Lastwagen mehrere Paletten mit Regalteilen ausliefert. Hannover
    ist die größte Filiale erst vor einem halben Jahr in größere
    Räume umgezogen wo 8 Leute Arbeitsmöglichkeiten haben und wo auch
    der meiste Zuschnitt in allen gängigen Bödenteilen selbst
    erledigt wird. Darum nimmt auch ein langer Stapel verleimter und
    geschliffener Böden den meisten Platz ein daneben noch ein kurzer
    mit verschiedenen Tischplatten und ein anderer mit einem Haufen
    Holmen und passenden Sprossen. die verkaufen soviel wie die ganze
    Fabrik ein halbes Jahr nachdem sie auf die grüne Wiese zog. Wir
    sind am überlegen ob wir nicht Stadtteilbezogen dezentralisieren
    und nur den Zuschnitt an einer Stelle lassen. Eine Palette kommt
    noch mit vielen einzelnen Teilen. In Celle müßt ihr eben noch
    vorher rum da haben zwei Typen einen Infoladen aufgemacht mit
    einem Kopierer einem Zeitschriftenregal einer Sitzecke und
    mehreren von unseren Musterregalen. Jetzt haben sie sogar schon
    ein paar Bestellungen. Kurt einer von den beiden hatte die
    letzten Tage in der Fabrik mitgearbeitet und dabei einiges Wissen
    über Zusammenbau und Oberflächenbearbeitung vervollständigt.
    Jetzt besetzte er den dritten Platz im Fahrerhaus um mit
    zurückzufahren. “Schön daß ihr für meine Palette noch Platz
    hattet und den Umweg fahrt”. “Ach was sonst hätten wir den Kram
    eben per Hand obenauf gepackt. Wir lassen Euch doch bei Eurem
    schweren Anfang nicht in Stich sieht doch gut aus wenn die ersten
    Regale besonders pünktlich kommen”, meint Turban. Die Fahrt auf
    der Autobahn 2 Stunden in einer langen Kolonne Lastern und noch
    eine halbe auf der Landstraße und schon waren sie dank Kurts
    guter Einweisung vor dem kleinen Laden. da sie nur kurz halten
    konnten luden sie zu viert rasch alles aus fuhren den Laster um
    die Ecke und hatten jetzt Muße bei Kräutertee oder Kaffee einen
    aus zu schnacken. Hurz der andere Typ der schon im Laden wartete
    war ein halbes Jahr in Neustadt gewesen und hatte beim Ausbau des
    Technikhofs mitgearbeitet der zweiten groáááen Gráándung dort nach
    der Konsolidierung des Ökohofs vier Jahre nach der grade noch
    abgewendeten Pleite.
    31.8.1992 Ihm war aber das ständige Rotieren in den
    Verschiedensten Projekten über den Kopf gewachsen überall traf er
    auf Projektler manche die kaum über ihren eigenen Betrieb
    rauskuckten mache die nur das Machbare interessierte wenige die
    mehr als N interessierte und vor allem eine Gruppe die ständig
    allen klar machen wollte wie richtige Anarchisten auszusehen
    haben eben wenn sie es genauso machen wie die es sich vorstellen.
    Bei den meisten stießen die auf Granit aber für Hurz brachte es
    das Faß zum überlaufen. Er sehnte sich nach einem Ort wo noch
    ganz einfache Aufbauarbeit von ganz unten ganz vorne zu leisten
    war ohne gleich die Erwartung aller mittragen zu müssen.
    Er hatte Kurt besucht der in Celle geblieben war und hier in
    verschiedenen Initiativen mitarbeitete, darunter auch einen
    vierzehntägigen Informatonskreis über das praktische Erleben von
    Anarchie und Vernetzung. Sie hatten die Möglichkeit diskutiert
    eine Filiale des Fabrikprojekts einzurichten sich in OL
    eigeklinkt einer hatte einen Monat mitgearbeitet der andere nach
    Räumlichkeiten gesucht und den alten Laden gefunden. Ihr Geld
    ging für die Renovierung drauf einige Kommunikationsgeräte wie
    Computer mit Mailbox Kopierer und Fax und benutzbare Musterregale
    bekamen sie von der Fabrik, einige Initiativen machten sofort mit
    um die Räume mit ihnen zu nutzen. Zur Einweihung vor zwei Wochen
    kamen 2oo Leute viele kluge Worte warum Anarchie nicht
    funktionieren kann und warum Projekte immer zur Integration in
    die kapitalistische Gesellschaft führen müssen. Um 2 Uhr kam die
    Polizei auf Beschwerden von Nachbarn, etliche nahmen auch
    Prospekte der Fabrikproduktion und jetzt waren die ersten
    Bestellungen eingelaufen.

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    Anarchistische Fabrik Text etwa 20 Jahre alt

    23.Má„árz.93.Dienstag.8.42.
    Zusammenfassung:
    Auch Anarchisten können nicht zaubern. Sie können keine Fabrik
    schaffen, in der Maschinen mehr produzieren als anderswo. Ihnen
    verkauft auch niemand über die normalen Einkaufswege deswegen
    irgendwas billiger und welcher übliche Kunde zahlt schon mehr,
    wenn wir uns ein großes A im Kreis auf die Wand malen.
    Aber wenn wir es gut finden, so miteinander zu arbeiten, alles
    möglichst effektiv gestalten, unsere Fantasie einsetzen, sinnvoll
    die Vorprodukte selbst herstellen, über eigene Filialen direkt
    verkaufen, bleibt viel mehr in unserem Kreislauf. Durch Tausch
    können wir andere Produkte ohne Zwischenverdiener entsprechend
    günstiger erhalten und auf den Rückfahrten von den Filialen fast
    umsonst transportieren.
    Wenn wir dazu noch außerhalb der Fabrik vieles wieder selbst
    machen, weil uns das so gefällt und Gemeinsamkeiten bringt, wir
    miteinander kommunizieren und ein gutes Gefühl haben, daß wir mit
    unseren eigenen Dingen umgehen, wird sich die Notwendigkeit über
    die Fabrikarbeit Geld zu verdienen, immer mehr reduzieren. Aber
    da ist dann auch wirklich eine Trennung nötig zwischen dem, was
    wir machen, weil es ein Teil unseres gemeinsamen Lebens ist und
    dem was wir nach außen tun, um dieses Leben zu ermöglichen.
    Vernetzt Leben heißt, vieles gemeinsam nutzen was sich sonst jeder Einzelne anschaffen müßte, oder nutzen was durch Firmen öffentliche Einrichtungen oder Projekte sowieso da ist.
    Was interessiert bei gleicher Lebensqualität noch der sinnentleerte Begriff Lebensstandard, der falsche Traum vom mir allein
    verfügbaren, zusammengerafften, gehorteten Reichtum an Geld, Ansprüchen, Gebäuden, Einrichtungen, Fahrzeugen und Gerät, das nur
    dem Einzelnen oder der isolierten Kleinfamilie zur Verfügung
    steht. Gemeinsam nutzen heißt, auch darüber zu kommunizieren,
    auch auf die Mitnutzer zu treffen.
    Die Fabrikeinrichtungen können auch anderen Zwecken dienen. zB
    Räume, Fahrzeuge, Büroeinrichtung. Flexibel können Arbeitszeiten
    auch sonstigen Aktivitäten und dem persönlichem Lebensrythmus
    angepaßt werden. Jeden Nachmittag kommt der Gabelstapler und
    räumt die grosse Halle für alle möglichen Zwecke frei und am
    Wochenende ist es Theater, Sporthalle oder Rockpalast.
    Wenn wir nur noch höchstens 5 Std jeden Tag eine sinnvolle Arbeit
    in der Fabrik machen, die uns nicht verstreßt und wir auch sonst
    machen, was wir wollen oder uns dahin entwickeln, wohin wir wollen, brauchen wir viel weniger Frust auszugleichen. Wichtig ist
    dabei das Gefühl, daß wir auch wirklich da sind, wo wir leben
    wollen. Daß wir auch mit den Menschen zusammen sind, mit denen
    wir gemeinsam arbeiten wollen, daß wir Sachen herstellen, die wir
    nützlich finden, auf eine Weise, die wir für sinnvoll halten. Natürlich wären wir alle nicht in der Fabrik, wenn wir damit nicht
    unseren Anteil am gesellschaftlich notwendigen Gesamtprodukt erarbeiten würden. Wäre unsere Arbeit nicht nötig, würden wir sofort die Maschinen verschrotten oder sonstwie entsorgen und nur
    dem Lustprinzip oder dem leben, was wir für schön und richtig
    erachten.
    Unser Projektanarchismus ist von vornherein eine lustbetonte
    Politik. Wir stehen nicht ständig unter einem moralischen Druck
    äußeren Normen zu genügen. Wir versuchen unseren eigenen Ansprüchen soweit gerecht zu werden, wie das mit unserer Lebensform
    vereinbar ist, mit dem momentanen Stand unserer materiellen und
    organisatorischen Möglichkeiten, dem Lernprozeß jedes Einzelnen, für
    der Entwicklung in der Gruppe und der Integration von Neuen. Auch
    müßte bei weiterer Entwicklung die Teilung von Urgruppen stattfinden oder Umstrukturierung von Gruppenprozessen wie in Kaufungen, wenn von der Grösse her Formen des Miteinander anders nicht
    mehr funktionieren.
    Die vielen Aufgaben, die sich uns stellen, wenn wir die Fabrikidee entwickeln, können keine Ausrede sein uns der Ausbeutung
    weniger entwickelter Länder zu verschließen, von denen wir auch
    profitieren. Den Anteil an unserem Reichtum durch billige Rohstoffe, der aus der Ausbeutung weniger technisch entwickelter
    Länder stammt, müssen wir auch wieder zurückgeben, auch wenn das
    für uns heißt, jeden Tag eine halbe Stunde mehr zu arbeiten. zB
    wenn wir zu Solidarpreisen aus deren Kooperativen kaufen.
    Unsere ökologischen Ansprüche lassen nicht jede Effektivität zu.
    Etliche Vorprodukte und Rohstoffe scheiden aus diesen Gründen
    aus, auch wenn sie billiger und einfacher zu bearbeiten sind.
    Auch wollen wir keine Energieverschwendung! Vernetzte Erzeugung
    von Strom und Wärme, möglichst aus regenerierenden Quellen wie
    Sonne, Wind und Holzreste.
    Wir wollen uns während der Arbeit auch nicht verstressen, sondern
    danach noch richtig Lust auf andere Aktivitäten haben. Auch die
    erst mittags mit der Arbeit anfangen, weil sie die Morgenstunden
    frei und kreativ für sich brauchen.
    Also kann unsere Fabrik nicht nach kapitalistischen Verwertungskriterien optimal wirtschaftlich sein, aber da muß eine ganz
    sorgfältige Kontrolle erfolgen, welches die wirklich stichhaltigen Gründe sind, Effektivität nicht auszunutzen, wo wir vordergründig romantisieren oder uns ein Gruppenprozeß oder Amositäten
    und Vorurteile, die wir noch nicht rational überwunden haben, daran hindern, zu einer sinnvollen Effektivität zu kommen. Das
    gleichen wir durch folgende Faktoren aus: Wir stellen nur sinnvolle Produkte her, die keiner Mode unterworfen sind und sparen
    uns so viel Leerlauf. Unsere Kunden wissen, daß wir gute, langlebige Waren haben und bezahlen das auch.
    Verantwortung für sein Tun muß jeder Mensch und jede Gruppe
    selbst tragen. Darum dürfen Gruppen nur so groß sein, daß für
    jeden einzelnen durchschaubar ist, was die anderen machen und er
    sich  mit jedem anderen darüber persönlich verständigen und auseinandersetzen kann. Die schönen Träume vom Ausbruch der Anarchie
    “und dann hat jeder Mensch plötzlich das richtige Bewußtsein und
    funktioniert perfekt als Gemeinschaftswesen” mag für eine kurze
    Aufbruchszeit zutreffen. Aber zu leicht kommen mit dem Alltag
    auch die alten Gewohnheiten zurückrutschen wir wieder in alte
    Verhaltensweisen.
    Daß unangenehme Arbeiten nicht mehr getan werden müssen oder
    durch das Bewußtsein zu tollen Aufgaben verklärt werden und ungeheuer Freude machen ist Unfug. Unangenehme Arbeiten können natürlich anders verteilt werden, daß sich mehrere unterschiedliche
    Arbeiten gegenseitig ausgleichen. Prestige und Status von Berufen
    müssen überwunden werden.
    Wir sollten die Entwicklung der Anarchie nicht zu sehr mit den
    Erwartungen aufpoppen, daß dann jeder nur noch gute Eigenschaften
    hat und das auch noch ewig durchhält.

    Ergibt sich hier eine neue Anonymität, die den einzelnen genauso
    vereinzelt läßt, wie in der kapitalistischen Konkurrenzgesellschaft? Hat er keine Gruppe, in der er mit anderen zusammen die
    Ansprüche immer wieder gemeinsam stellt, die wiederum mit anderen
    Gruppen über gemeinsame Aufgaben vernetzt sind, wird sich der
    Vereinzelte rasch in frühere Fehlhaltungen zurückentwickeln.
    Die Vermutung, daß Eigenschaften für negative Entwicklungen im
    Menschen angelegt sind und das es Sache der Gruppe und
    Gesellschaft insgesamt ist, daß sich jeder einzelne positiv
    entwickeln kann und daß wer sich negativ verhält das mit seinen
    Mitmenschen austragen muß und nicht einer Justiz ausgeliefert
    wird die vordergründig für Ordnung und Rache sorgt aber den
    Menschen weiter in eine Fehlentwicklung treibt und ihn dort
    isoliert auch insgesamt nicht verhindert das sich dabei Gettos
    bilden. Heilung und Integration kann manchmal für eine zusammen
    lebende und arbeitende Gruppe (etwa 16 Menschen) zuviel sein da
    müssen Strukturen entwickelt werden, daß mehrere Gruppen
    gemeinsam solche Aufgabe tragen.

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