ÜBER MICH Rückwärts nur um Anlauf zu nehmen

Erinnerungen an den Krieg: Meinen Vater war Leiter des Reichsnährstandes in 0ldenburg organisierte die Lebensmittelverteilung, damit noch ein Wochenmarkt funktionierte und die Bauern die Notlage nicht zu sehr ausnutzen konnten. Er und seine Mitarbeiter galten darum bis 1945 als unabkömmlich. Als die Russischen Armeen an der Oder standen, wurden auch die letzten Reserven eingezogen. Sie waren unerfahren und kaum vorbereitet. Als seine Mitarbeiter dann doch eingezogen wurden, bestand mein Vater darauf mit an die Front zu gehen. Er wurde mit dem letzten Aufgebot verheizt und bei den ersten Einsätzen in Crossen an der Oder erschossen. Meine Mutter habe ich nie fröhlich erlebt. Auf einem Bild im Garten aufgenommen ist als einziges meine ganze Familie zu sehen. Meine Mutter und Schwestern lachen ich bin etwa 2 Jahre kusche! mich an meine Mutter mein Vater uns gegenüber schaut uns irgendwie stolz und ernst an. Bewußt habe ich meine Mutter nie fröhlich gesehen. Der Tod hat für sie alles zerstört
Merkwürdigerweise erinnere ich mich nur als er das letzte Mal aus dem Haus ging und wir ihn nach einer Tafel Schokolade fragten. Auch an den Ärger im Bunker in der Amalienstraße wenn beim Bombenabwurf auf den Bahnhof meine Bauklötze umfielen. Mit dem Alter ab dem 4. Jahr setzen die allerersten Erinnerungen ein. Bewußt habe ich also nur die Nachkriegszeit erlebt.
Die Amalienbrücke war zerstört und durch eine Notbrücke ersetzt worden. Kanadiern bewacht sie hatten ein Zelt und einen großen Lastwagen. Ein Soldat schmierte grade Weißbrote mit Butter und Marmelade. Als ich ihn hungrig anstarrte, schnitt er eine besonders breite Scheibe ab, beschmierte sie dick mit Butter und tat reichlich Marmelade drauf. Ich trug die Kostbarkeit vorsichtig auf beiden Händen nach Hause. Ich bekam das größte Stück meine beiden Schwestern und meiner Mutter auch etwas. Meine Mutter war immer sehr traurig. Sie hat den Tod meines Vaters nie verwunden eine der vielen Kriegerwitwen, die im Leben zurückblieben.
Als katholisches Kriegskind wurde ich ab 6 Jahren jede Sommerferien zu Bauern nach Südoldenburg ins stockkatholische Münsterland verschubt. Bei denen konnten wir uns richtig satt essen, schliefen in den Schulen auf Stroh und gingen zu den Malzeiten zum zugewiesenen Bauern. Alles war streng reglementiert. Die begleitenden Lehrer achteten auf regelmäßiges Gebet und sonntags war Kirchgang. Anders kannte ich es von meiner Mutter auch nicht. Nur waren wir in Oldenburg als Katholiken eine Minderheit. Insgesamt war ich 6 Sommer bei verschiedenen Bauern in Hagstedt Haltern Westendöllen Meierhöfen Varnhorn und wieder in Hagstedt.
In Südoldenburg lernte ich noch eine ganz andere Welt kennen von ursprünglicher
Landarbeit mit Pferden, die die Ackerwagen Kutschen und Ackergeräte und
auch die Mähmaschinen zogen. Bereits mit 11 lenkte ich die Mähmaschine mit 2 Pferde, der Bauer warf mit einer Pedale alle 2 Meter eine Korngarben raus. Sie wurden noch von Hand gebunden und abends zu Hocken zusammengestellt. Im fünften Sommer kam ich zum ersten Mal zu einem Heuermann weiter außerhalb von Varnhorn. Darum durfte ich den Tag bleiben streifte mit den Bauernjungs durch den wilden Bruch einer Wassermühle mit Teich und Aalfang. Wir kletterten in die riesigen Buchen. Der alte Bauer saß verkrümmt am Küchentisch und rotzte auf den Boden
Im sechsten Jahr kam ich in Hagstedt zu den Heuerleuten Hermes, Ein Vater etwa 55 Jahre mit 2 Töchtern, tollen einfachen klugen Menschen, die noch fast alles selber machten und mich an ihrem wunderbar natürlichem Leben im Ablauf des Jahres teilnehmen ließen. Fünf Jahre verbrachte ich die Oster-Sommer- und Herbstferien bei Ihnen. Bei Ihnen erlebte ich das an Familie, was meine Mutter nicht geben konnte. Jedes Jahr mußten Hermes genau wie die Nachbarn Meyer 90 Arbeitstage für den Großbauern ableisten. Sie bekamen dafür eine winzige 3 Hektar-Landstelle mit einem Heuerhaus mit einer Diele dahinter die Küche mit 4 winzigen Zimmern teils nur 5qm groß und einem Stall für 3 Kühe im Anbau war der Stall für 5 Muttersauen und einer für 60 Hühner. Sie bauten fast alles an, was sie für die Tiere brauchten legen Rüben-und Kohlmieten an für den Winter. Das Wasser kurbelten wir aus dem Ziehbrunnen auf der Grundstücksgrenze zu dem anderen fast genau gleichen Heuerhaus vom Nachbarn Meier. Jeden Tag fuhr ich einen Handwagen mit 100 Litern zu der Kuhweide. Erst mit dem Ziehbrunnen Eimerweise hochgekurbelt
Über Spannungen mit dem Großbauern wurde nie geredet. Nur manchmal bei
Ungerechtigkeiten konnte der alte Hermes kurz sehr wütend werden. Die Erfahrungen mit dem direkten Leben mit den Jahreszeiten den Tieren für die fast alles selbst angebaut wurde im großen Garten fast alles übrige für die eigene Ernährung fast alles selbst repariert manches mit dem Dorfschmied zusammen hergestellt, hat meine Sicht auf viele Dinge für mein ganzes Leben bestimmt.
Der Bauer Hermes war nach dem Krieg gleichzeitig im ersten Gemeinderat Visbecks und im Kreistag von Vechta. aber bei der nächsten Wahl, als die alten Machtverhältnisse wieder funktionierten, verlor er seine Sitze.
Hermes baute verschiedene Geräte selbst zB einen großen Fahradanhänger
schrotete regelmäßig das Futterkorn drosch sogar mit einer eigene Maschine,
schnitt das Feuerholz mit der Kreissäge alles mit dem Treibriemen an den gepflegten Elektromotor angeschlossen. Der Wagen, der mehrmals wöchentlich die Eier einsammelte und alles Wichtige für den Bedarf mitführte, konnte nur wenig verkaufen. Für Butter gab eine eigene Zentrifuge und ein Butterfaß, das ich stampfen durfte. Durch die Runkelrüben zogen Paula und Agnes den Pflug, den ich führte.
Im Herbst gab es für Schulkinder Halbtags 2 DM fürs Kartoffelsuchen. Der Roder von zwei Pferden gezogen wirbelte eine Furche Kartoffeln hoch auf einen breiten Streifen. Nach einem Halbtag war ich zu abgekämpft, mein Rücken schmerzte heftigste. Viele Jungs machten täglich beide Halbtage und waren zum Ende der Herbstferien, die extra in die Kartoffelernte gelegt wurden, stolzer Besitzer eines Fahrrads. Nach einigen Jahren kam der Vorratsrodern der die Erde über ein Laufband aussiebte und die Kartoffeln in eine Reihe ablegte. Da mußten wir mehr schaffen. Noch ein paar Jahre später war der Ferienjob vorbei. Ein Trecker zög einen Selbstlader mit eigenem Vorratsbehälter. Neueste Errungenschaft war bei der Getreideernte einige Jahre ein Selbstbinder von Pferden gezogen mit einem Motor der die Mechanik antrieb und die Garben seitlich fertig gebunden auswarf. Nur zu den Hocken, in den sie trockneten, mußten wir die Garben noch aufsetzen.
Mit 15 und anderen Interessen wie Jugendgruppe mit Sommerfahrt und
Schwimmverein fuhr ich nicht mehr zu Hermes. Hier fand ich den neuen Halt und Anerkennung
In Oldenburg gab es keine eigentliche Jugendkultur, höchstens im Jazzclub Alluvium. Als die Louisiana Jazz Band auf einem Abiturball unserer Schule spielten und beim Walzer patzten gab das richtig Ärger. Die Schüler durften danach die Band nicht mehr selbst aussuchen. Auch nannte sich unsere Vertretung nach den ersten von den Lehrern missbilligten Gehversuchen nicht mehr Schülerselbstverwaltung sondern Schülermitverwaltung. jede Entscheidung mußte vom Rektor genehmigt werden, manches kam auch vor die Lehrerkonferenz.

In der OT (Offenen Tür) beim Beatabend jeden Donnerstag wurde genau auf
angepaßtes Verhalten geachtet. Trotzdem war das in der Woche der einzige Treffpunkt für Schüler mit Beatmusik und darum waren die recht engen Kellerräume unter der „Brücke der Nationen“ immer brechend voll. Im Saal darüber lief die Jugendfilmstunde für die ich manchmal Filmkritiken schrieb. Im begrenzten Rahmen konnten wir auch Filme auswählen, die für Schüler zugelassen waren. Die Kirchen hatten ein Einspruchsrecht
Die Flying Arrows brachten etwa ab 1964 die grüne Eiche zum rocken. Mit dem Cadillac von Bassist Edgar durfte ich manchmal vorn in der Mitte zum Starclub fahren. Im Astoria spielten sonntags die Midnights der Tisch unserer Clique war oben am Aufgang von wo wir alles im BlicK hatten. Einer mußte sich ganz früh anstellen, raufstürmen und unseren Tisch besetzen So um 18 Uhr an verschiedenen Tagen standen wir mit der Clique am Leffeerseck und machten unseren Schabernack mit den Passanten. Jemand griff durch den Briefkasten nahm die Post, die von der anderen Seite eingesteckt und gab sie den verblüfften Einwerfern zurück. Kinder in Wagen fanden wir besonders häßlich. Manche Mädchen vom Sonntagstanz kamen ganz zufällig vorbei, vorsichtige Begrüßung und ausschleichen, denn wir waren schnell! mit unserem Spott.
Meine Schulzeit bis 1965 war relativ ereignislos. Noch heute kommt mir ein Gähnreflex hoch, wenn ich in Räumen ausharren muß, die einer Schulklasse ähnelt. Da mein Vater in den letzten Kriegsmonaten an der Oder fiel und meine Mutter 1958 starb hatte ich mit 16 keine Eltern mehr und wurde bei Familien „untergebracht“ Wobei die Kirche eine Familie besorgte, bei der ich Essen und ein zugiges Zimmer unter dem Dach erhielt neben dem ihres Sohnes einem Maurer mit abgebrochenen Gymnasium. Ein anderes Zimmer teilten sich zwei Architekturstudenten. Als die Alten sonntags zurückkamen und Gospelmusik im Fernseher lief, Mahalya Jackson im Bild, drehte der Vater durch. Rockmusik war für unsere Elterngeneration bis auf Ausnahmen absolut negativ. Bei meinem ersten Tramp mit einem Elternpaar in England ein Kulturschock. Die beiden sprachen sehr anerkennend über Stones Beatles und was sonst im Radio lief.
Ohne Eltern war ich besonders auf ein Umfeld angewiesen, das mir eine positive Gruppenzugehörigkeit gab wie Pfadfinder und Schwimmverein. Die Osternburger Pfadfinder waren eine zwar kritische aber auch elitäre Gruppe, die sich auch mit verschiedenen politischen Themen auseinandersetzte, bis sie der Pfarrer aus der Gemeindearbeit ausschloss, womit sie ihren Treffpunkt verloren. Da ich immer der
Jüngste war, den die anderen nicht ernst nahmen, ging ich in eine andere
Pfadfindergruppe, wo ich mit meinen Fahrtenkenntnissen Anerkennung fand. Wir kauften eine Kothe ein lappisches Feuerzelt und gingen damit auf Fahrt. An den Wochenenden erforschten wir erst die Zeltplätze aber dann auch verbotenes Gebiet an Lehte und Fischteichen.
Eine Jugendkultur gab es kaum. Aber eine Druckerei von zwei Freunden, die alles mögliche Kritische zu Friedenspolitik, Wehrdienstverweigerung, Gewerkschaften, Kino, Schriften und Plakate und im Umfeld auch Veranstaltungen wie Wanderungen der Bibliophilen und Lesungen, von Autoren, die vorher in OL niemand kannte, organisierten die aber leider nach 2 Jahren schon wieder aufgeben mußten.
Die Schule interessierte mich als notwendiges, langweiliges Übel wenig. Noch heute packt mich das Gähnen, wenn ich in eine Schulstundenähnliche Situation gerate. Ein neuer Lehrer machte eine wirklich gute Stunde ich machte begeistert mit doch schon hatte er sein Pulver verschossen döste weiter er war von mir enttäuscht ich fand es sinnlos ihm das zu erklären.

Ich wollte nach 8 Hauptschuljahren 1958 mit 14 Jahren unbedingt eine
Elektikerlehre machen, um mich nach der Lehre weiter hochzuarbeiten wie das bei der Familie meines Vaters mit 5 Brüdern üblich war. Meine Mutter aber stopfte mich trotz Widerstand auf dem GAG-Gymnasium 2 Jahre zurück. Ich trottelte sauer mit mußte die 7. und 8. Klasse doppelt machen. Als ich in der 1O.Kiasse mal aufwachte und gegen das Lehrerthema über „echte soziale Not“ einen bösen Aufsatz schrieb, daß seien nur ein Verteilungs- und keine echtes Problem brüllte mich der Pauker Storkebaum vor der Klasse zusammen und sorgte dafür das ich auch diese Klasse
nochmals machen mußte mit deutsch von 3 auf 5 und Latein von einer sicheren 4 auf 5 ohne blauen Breit was Vorschrift war. Aber mein Vormund fand das richtig.

Dafür machte ich 2x den Bezirksmeister im Brustschwimmen und war auch recht gut im 1OOOm Lauf eine Stütze der Schulstaffel. Wir hatten einen Superläufer einer war genauso schnell wie ich der nächste wieder 1Osec langsamer. Die stellvertretende Rektorin versuchte meine Auftritte auf Schulsportfesten zu verbieten wegen meiner Haare den längsten auf einem Jungenkopf an der Schule. Erregte Konfrontationen im Lehrerzimmer, aber ich durfte doch laufen. Wir machen den zweiten Platz die Schule war stolz drauf. Mir war das egal nur das ich trotzdem mitlaufen durfte war mir
wichtig. Mich bis zum letzten verausgaben, war mir selbstverständlich, wenn ich etwas will, kann ich sehr viel Energie entwickeln. Auch mit 70 tauche ich noch 50 Meter 2 Bahnen im Hallenbad.
Was war es damals doch einfach, mit langen Haaren und Parka seine Antihaltung auszudrücken. Heute muß einer brachiale Mühe und Kosten mit seinem Outfit geben, um ähnliches Aufsehen zu erreichen.
Bei der neuen Pfadfindergruppe war ich anerkannt im Kartenlesen und sonstigen Lager-und Fahrtenfertigkeiten. Ich führte einen Haufen desorientierter Bengels durch dickste Wildnis und als sie schon aufgeben wollten, jemals aus dem Wald rauszufinden, standen sie plötzlich gut geleitet vor einem Wirtshaus mit köstlich kühlem Malzbier. An den Fischteichen mit dem Flüßchen Lehte fanden wir an den Wochenenden wunderschöne versteckte Plätze für unsere Kothe aus den lappischen Feuerzelten entwickelt. Wir sangen viel, hinterfragten mit 15 aber nicht die Inhalte der Lieder, überfielen andere Jugendgruppen um deren Wimpel zu klauen, hielten Wache um nicht selbst überrascht zu werden. Häufig endete das nachts nach gutmütiger Rauferei mit gemeinsamen Tee und Gesang. In meinen 10 Jahren Jugendgruppen habe ich zwar manchen autoritären Gruppenführer erlebt aber niemals, daß sich jemand mit Gewalt durchsetzte oder bestrafte, Auch sexuelle Anmache habe ich nie bemerkt. Vielleicht ist das an mir vorbeigegangen. Ich legte viel Wert auf Kameradschaft, sich aufeinander verlassen können und Fahrtenfertigkeiten, behutsam mit der Natur umgehen. Das kann ich auch heute noch positiv sehen. Als Anarchist sehe ich aber auch einiges „Bündisches“, was ich strikt ablehne. Jugendarbeit war damals eben ein sehr breites Spectrum. Grade 18 Jahre alt wurde ich von einer Gruppe mit einem sehr frommen Gruppenführer eingeladen, eine Radtour durch Holland zu organisieren. Doch die 15/16 jährigen in der Gruppe machten schon nach 3 Tagen Ulrichs autoritäre Frömmelei nicht mehr mit und setzten ihn schließlich ab. Da ich nicht bereit war, die „Führung“ zu übernehmen, aber die Gruppe als „Offizieller über 18“ weiter zu begleiten, fuhren wir einfach weiter. Kochen Einkäufe Tageseinteilung Schlafplätze mußten die Jungs selbst hinkriegen was auch klappte. Nachher versuchte der Pfarrer ein großes Donnerwetter und den frommen Ulrich wieder einzusetzen. Aber die Gruppe machte ohne ihn ihre Treffen und ich konnte nachweisen, daß ich an den Entscheidung der Gruppe nicht beteiligt war, nur als Begleiter die Übernachtungen organisierte. Das machte ich auch in der nächsten Zeit, wenn die Jungs auf Fahrt gingen und ohne einen Älteren nicht losfahren
durften. Wenn ich später einen von Ihnen traf, fand ich immer noch die Begeisterung über die Zeit der Unabhängigkeit.
Die Lehrer hatte mich nach 17 Schuljahren also 4x extra Runden endlich durchs Abitur gelassen, weil ich versprach, ordentlich und bescheiden Pädagogik zu studieren. Im Jahr davor hatten Sie noch mit einer 5 in Zeichen meine Zulassung verhindert. Auch die 10 Klasse mußte ich nach einer Konfrontation mit dem Deutschlehrer über ungerechte Armut doppeln. Nach dem Abitur arbeitete ich 2 Monate auf Brands Werft im eiskaltem Ostwind Schiffssektionen die der Kran aus der Halle holte mußten wir mit riesigen Spannschrauben ausgerichtet Dabei habe ich das Elektroschweißen gelernt. Natürlich paßte ich erst nicht auf, kuckte ungeschützt in den Lichtbogen. Die nächste Nacht rannte ich mit irren Augenschmerzen auf der Straße herum. Ein herumliegendes Eisenteil warf ich am ersten Tag einfach vom hohen Heck. Als die anderen blaß und vorsichtig runterkuckten ob jemand getroffen worden war, hatte ich eine Lektion in Arbeitssicherheit gelernt.
Nach den 2 Monaten konnte ich mir einen 49er VW mit 24PS unsynchronisiertem Getriebe mit Seilzugbremsen und einigem Rost kaufen vollpacken und ab ging’s nach Hamburg.
Ich versuchte ernsthaft Psychologie zu studieren. Manches war spannend und nützlich wie Gruppendynamik und Verhaltensforschung. Angeblich unangepaßtes Verhalten von Professor Hofstätter als negativ bewertet, regte meinen Widerspruch. Ich versuchte darin einen creativen Wert zu erklären, war danach bei ihm erledigt. Nach 2 Jahren fand ich alles Wissenswerte aufgenommen zu haben besonders über Tiefenpsychologie Verhaltensforschung und Gruppendynamik. Dann noch die verschobenen Ansichten und Lehren von Professoren fürs Diplom auswendig zu lernen hatte ich keine Lust. Was ich aus eigener Ansicht im Zusammenhang verstehen konnte, lernte ich leicht. Was ich als nachschlagbares Formelwissen auswendig lernen sollte oder in zusammenhanglosen Leersätzen eines eilten Professors aufgezwungen wurde verweigerte mein Gehirn aufzunehmen.
Ich entdeckte den Hamburger Hafen Ich arbeitete 2 gekoppelten Schichten auf Schiffen die frei im Hafen an Dalben vertäut waren in stinkender indischer Tabioka in staubigen Säcken. Mit den Schiffsladebäumen wurden die von uns gepackten Säcke in Hieven in längseits liegende Schuten umgeladen. Nach etwas über 9 Stunden statt 16, wenn wir unser Pensum an Tonnen gepackt hatten, konnten wir mit zwei Schichten und Übergangsgeld insgesamt 72 DM auf der Karte völlig verdreckt mit der Barkasse zurückfahren zum Duschen. Später als Fruchtpacker in Schuppen 42 haben wir ganze Bananendampfer in 8 gekoppelten Schichten entladen. Als erster Student überhaupt bin ich in die Gang reingekommen, als ein Fester ausfiel und sie mich als besten Zuarbeiter auskuckten. Ich hatte Aussehen und Sprache total übernommen, achtete auf Sicherheit stapelte ordentlich, konnte das Arbeitstempo gut mithalten und als dann rauskam, das ich kein „Ständiger“ war, flog ich nicht aus der Gang trotzdem ich ihnen manchmal die Bildzeitung auf meine Art deutete. Auch Schuppen 75 bis 85 Fernoststückgut arbeitete ich bei Bedarf. Ein Mal haben wir mit dem Gabelstapler eine verlötete Blechkiste aufgebrochen und alle sind blaß geworden. Feuerwerkskörper, wir hätten mit dem ganzen Schuppen explodieren können. Interessant waren die Teppichlager, zB wie den 66.Teppich aus einem Stapel von 80 Teppichen kriegen? Alles eine raue Arbeitswelt, aber auch ungeheuer authentisch. Eine klare direkte Sprache, solidarische Kameradschaft, denn jeder in der Gang mußte sich auf die anderen verlassen. Wenn ein Latexballen von 50kg in dem Netz falsch gepackt war und aus 30 m Höhe in den untersten Raum runter donnerte, konnte dem niemand ausweichen, wenn Block durch den Laderaum sprang.
Seit der Entwicklung von Dampfwinsch und Ladebaum hat sich in 80 Jahren die Hafenarbeit wenig geändert. Mit dem Container einer Kiste von 12,20 x2, 40x 2,60m konnten 40 Tonnen bis dahin eine Schichtgangleistung von einer Std. in Minuten gekrant werden. So war diese Hafenarbeitswelt wenige Jahre später verschwunden. Niemand brauchten mehr Stauer die um 6.30 morgens mit Arbeitskarte im Arbeitsamt Admiralitätsstr. um eine Schicht anstand.
Im Karolinenviertellernte ich Release kennen, die akzeptierende Drogenarbeit Daß die Profitgesellschaft den Menschen und seine Gesundheit zerstört auch wenn er „arbeitsfähig“ bleibt und Drogenabhängigkeit eine Folgekrankheit ist, die nicht einfach durch Forderung nach Abstinenz und Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit geheilt werden kann. Release versuchte mit ganz anderen Lebensmöglichkeiten in Wohngemeinschaften auf dem Land mit Werkstätten möglichst auch zur Existenzsicherung um auf Dauer eine Lebensgrundlage zu schaffen. Ich half öfter im Druckbereich und konnte Fehlexemplare der tollsten Bücher mitnehmen. Vorm Jahresende als der Sozialsenat Hamburgs seinen Restetat noch ausgeben mußte und wir plötzlich zu viel Geld kamen das ebenso schnell sinnvoll ausgegeben werden mußte kauften, wir Teppiche Regale Druckmaschine und Lieferwagen.
Nach zwei Jahren Hamburg traf ich Puse.Wir hatten uns in der Schule nur flüchtig wahrgenommen, aber am Oldenburg-Tisch in der Uni-Mensa wiedererkannte. Nach kurzer Zeit zogen wir zusammen und merkten daß wir ganz anders leben wollten als unsere Familien uns erzogen hatten. Wir erlebten daß sich ändernde Klima der Lebensauffassungen 1967 eine kritisch hinterfragende Aufbruchskultur. Wir wurden die, vor denen uns unsere Eltern und Lehrer immer gewarnt hatten.
Wir beschlossen nach München zu wechseln: bessere Jobs schönes Wetter und eine interessante Subkultur. Auch die Polizei war weniger brutal. Denn wir erlebten die letzten Tage in Hamburg, die Reaktion, als das Dutschkeattentat durch einen Bildzeitungsleser verübt wurde Wir versuchten mit vielen Demonstranten das Springerhochhaus in Hamburg zu stürmen, mindestens aber die Zeitungsauslieferung zu verhindern. Bullen prügelten wahllos in die Menge schufen Breschen Lastwagen fuhren Vollgas durch die Lücken Im Wasser der Werfer war zum ersten Mal reichlich Reizgas Wir hatten alle entzündete tränende Augen und wußten nicht warum
Vorher hatten wir auf einem großen Gutshof beim größten Kunstblumenimporteur gearbeitet. Ein zwar handelsmäßig top aber in der Arbeitsorganisation in Lager vertrottelt, überfordert die Bearbeitung der Aufträge stockte die Packstationen mit ihrem Laufband war den Anforderungen nicht gewachsen. Denen organisierte ich nach kurzer Zeit neben anderen Innovationen in einer entrümpelten Scheune einen Rundlauf für große Einzelaufträge, die nicht aufs Laufband paßten. Dafür bekam ich regelmäßig fast die doppelte Stundenzahl angeschrieben. Einige neue Studenten waren empört als sie erfuhren, daß ich ebenfalls Student war und gleichzeitig dem Chef die Arbeitsabläufe rationalisierte. Denn zuerst dachten sie, ich wäre der Manager für Arbeitsabläufe und Lager. Sie machten mir in der abseitigen Ecke für Grünpflanzen rasch klar, daß ich solidarisch handeln müsse statt Arbeitsplätze weg zu organisieren.
Und bei Treffen nach Feierabend machten sie mich mit Grundlagen sozialistisch/marxistischer Politik vertraut. Ich solidarisierte mich rasch lernte die Widersprüche zwischen Arbeitern und Ausbeutern nur widersprachen ihre Forderungen nach strikter Einbindung in Gruppendogmen und Funktionärs-Hierarchie meiner Forderung nach freiem Denken für jeden Menschen und freier Vereinbarung untereinander. Für eine verbindlichen Arbeit und gemeinsamen Zielen braucht Mensch keine Kader und Dogmen und Zentralkomitee. Räte und Syndikalismus statt Lenin Stalin Mao und Hodscha.
ln München genossen wir das bunte Leben in Schwabingen die langen
verschwatzen Nächte im Schwabiger Dachel und im Voltaire. Ich machte anfangs den Fehler, den Diskutanten zu genau ihre Meinung zu zerpflücken, buntes Schwadronieren mit konsequenten Folgerungen zu belasten. Anderntags nüchterner wollten sie mich nicht mehr kennen. Ich wurde vorsichtiger mit Kritik an großen Gesellschaftsfantasien unverbindlicher nahm die Abende mehr Spaß-Erlebnisorientiert.
In München kämpften wir gegen die Notstandsgesetze mit häufigen Demos Als wir wieder mal Straßenbahnschienen blockierten meinte ein väterlicher Polizist: na mei nu hams fui gnug demoschtriert, nu gehns fui nach Haus. Aus mehreren Jobs flog ich raus weil ich mir die Schikanen der Lagermeister nicht gefallen lassen wollte. War man morgens aufsässig, bekam man noch das Geld für den ganzen Tag Jobs gab’s genug. Ich war kräftig konnte zupacken. Dann fiel in einem Stahltürenzentrallager nach kurzer Einarbeitungszeit der Lagermeister aus, was nicht auffiel, da ich seine Arbeit schnell im Griff hatte. Der Chef sprach schon von einer gutbezahlten Festeinstellung nachts noch fuhr ich gegen gutes Überstundengeld eilige Bestellungen quer durch Bayern.
Doch auch diese Erfolgskarriere endete jäh. Ich mußte kündigen den Puse
vermißte unsere Gemeinsamkeit und verschubte mich in den Skiverband Karteileichen zupfen ein entspanntes Arbeiten in fröhlicher Runde. zu halben Verdienst. An der Kunstakademie hatte Puse ihre Mappe abgegeben, wurde leider nicht genommen. Wir bemühen uns um einen Stand für Kunstprodukte an der Leopoldstraße. Aber der wurde nicht genommen denn die Mafia verteilte die Plätze schon vor dem Bewerbungsende untereinander. Wir bemühten uns um die Förderprogrammen für junge Paare in Berlin. Aber es gab kein Interesse an noch einem abgebrochenen Studentenpaar. Die allgemeine Stimmung in Berlin erschien uns hektisch bis aggressiv
So landeten wir 1969 nach 4 Jahren wieder in Oldenburg. Die Pädagogische Hochschule, wie sie damals noch hieß war für 400 Studenten geplant für 600 gebaut und für 800 wurde es bald schon eng. So blieb es eine Baustelle für demnächst 1300 Hier bekam ich als Kriegswaise noch ein Stipendium und Puse ein Halbes. So ging es erst mal ernsthaft ans Lehramtsstudium, denn noch wurden Pauker gesucht.
Nach der Auflösung des SDS hofften wir, daß sich 1969 neue geistige Freiräume entwickeln würden zu Spontanität und Anarchie. Doch stattdessen bildeten sich die dumpfesten verbohrten Kadergruppen und fast alle uns bekannten linken machten mit bei drei trotzkistischen GIM, KJO Leninisten vier maoistischen KB, KBW, KPD und KPDML und bei der DKP mit ihren verschieden Untergruppen. Aus Notwehr kam es bei uns wenigen Sontis Libertären und Anarchisten zur Gründung des Blattes “Der Kleine Oldenburger“ Wir versuchten, die dogmatischen Gruppen mit ihrem Zentralkomitee Kaderschulung usw als absurdes Theater darzustellen und die Entfremdung und Unfreiheit dieses rückschrittlichen Wegs öffentlich zu diskutieren. Daneben mischten wir uns natürlich in die Stadtplanung und zB die Grundstücksspekulationen der Handwerkskammer einzumischen.

Schließlich waren wir die Jahre vorher für die totale undogmatische Befreiung des Geistes eingetreten. Was uns nicht daran hinderte, mit vielen einzelnen der K-Gruppen freundschaftlich umzugehen Feten zu feiern oder im Lindenstübchen endlose Debatten zu führen. Insidermäßig war ich immer gut informiert und wußte wo ich mich besser raushielt oder wo ich grade gut eingreifen konnte.
Besonders als die Gewaltdebatte aufkam einige sinnlose Mollis flogen und ich einige von diese absurden Aktionen abhalten konnte. Einer wurde besonders verdächtigt, die Mollis geschmissen zu haben und landete 8 Monate in Untersuchungshaft. Danach wurde er wegen Aufforderung zur Gewalt auf einem Flugblatt und einer Pappe die er in einer Kneipe beschriftete zur abgesessenen Zeit verurteilt. Wir selbst hatten eine ganze Nacht lang vor zwei abgefüllten Bezinflaschen gesessen und die Gewaltfrage ausdiskutiert durchforscht, keinen Sinn darin gefunden und die Flaschen zurückgeschüttet Damit war das Thema Gewalt für uns erledigt. Die meisten Anarchisten hatten schon um 1900, der Propaganda der Tat nach einigen erfolglosen Gewaltaktionen eingesehen, daß auf Attentate nur mehr Repression, verschärfte Gesetze und mehr Überwachung erfolgte, sich politisch aber nichts damit bewegen ließ. Aber einige maoistische Splittergruppen mußten diese Erfahrungen wohl um 1975 noch mal machen. Besonders wenn denen zwar klar ist, daß dieser Staat zerschlagen werden muß, aber keinerlei bis sehr vage Vorstellungen besteht wie eine freien Gesellschaft aus alternativen Gegenstrukturen entwickeln kann und wie sich so eine Gesellschaft nach rätedemokratischen syndikalistischen und grasswurzelnden Vorstellungen aussehen kann. Nächtelange heftigste Gespräche waren zu der Zeit üblich. Mit der parallel entstehenden Bürgerinitiativen- und Alternativbewegung mit ihren unzähligen Projekten und Kollektiven gab es auch in Oldenburg bald andere Schwerpunkte. Wer sich daran beteiligte, hatte ganz andere Interessen und Probleme. Wir schwammen in der neuen Bewegung mit unserer Holzwerkstatt wie die Fische im Wasser.
Ich wurde in der Zeit angesprochen an einer Initiative mit Beate Klarsfeld zu beteiligen, einen KZ-Schergen der viele Menschen totgeprügelt hatte und unbehelligt in Oldenburg lebte zu entführen. Die Sache war einerseits einleuchtend aber schon nach kurzer Zeit bekam ich mit, daß der Staatsschutz alles beobachtete und alles auf einen großen Medienrummel hinauslaufen mußte. Briefe die ich bekam waren offensichtlich schon geöffnet worden Das wurde mir dann zu blöd.
Daneben entwickelte sich unsere Art von Pädagogikstudium zu einer Abfolge von Projekten.
Nach einer Ferienfreizeit mit benachteiligten Berliner Kindern Dann hörten wir von Obdachachlosenarbeit mit Kindern und Jugendlichen am Schlagbaumweg. Mit den Kindern war das einfach sie freuten sich über jede Zuwendung und Schularbeiten-Betreuung. Mit unserer Antiautoritäten Einstellung konnten wir Studenten bei den Jugendlichen nichts werden. Die verlangten eine klare Ansage wie wir mit ihnen umgehen wollten, was wir von ihnen wollten. und ganz besonders wo wir und aus den Interna rauszuhalten hatten. Manche Studenten kapierten das nicht, hielten sich aber an die Regeln die ich intuitiv richtig erkannt habe“ Den wahren Durchblick dank ihrer politischen Schulung hatte angeblich die K-Grüppler. Daß IHNEN das in der Obdachlosensiedlung nichts brachte, durften Sie nicht anerkennen. ich taufte das auf „kompensatorische Erziehung“ tat einiges angelesene Wissen kund verließ mich in der Praxis aber auf meine Intuition. Entgegen Warnungen organisierte ich in der Nachbargemeinde einen Beatabend der nach strikten Regeln gewaltfrei ablief. Nur als mich andere Jugendliche für ihren Abend offen abwerben wollten kam es zu einer erregten Debatte. Ein Quatschkopf, der
die Jugendlichen belehren wollte, und gegen meinen Rat dazwischen schob als sie sich verbal anmachten, mußte mit geknicktem Nasenbein nach
Hause. Ich sage nichts dazu, denn ich wußte wie die Spielregeln liefen.

Mit den Bewohnern planten wir eine Demo. Ein Ofen, der
ausgewechselt worden war, trotzdem er noch schlechter war als der vorige, wollten wir mit einem Bollerwagen gemeinsam transportieren und dem Ordnungsamtsleiter auf den Cheftisch stellen. Die NWZ-Schlagzeile: „Pu Schröder stürmt mit den Obdachlosen das Ordnungsamt“. Sofort kam die Angelegenheit: Obdachlosigkeit im absoluten Sondertempo genau wie wir lange schon gefordert hatten in die Zuständigkeit des Sozialamts, in genau den zwei Wochen. Die Demo hatte ihr Ziel erreicht ohne daß wir loslaufen mußten. Danach kam aus manchen Verwaltungskreisen nur noch heftige Ablehnung
Was damit endete, daß der Arbeiterwohlfahrt angedroht wurde, ihr alle Mittel zu sperren, wenn wir nicht aus dem Projekt geschossen würden. Was uns nicht schmerzte. Wir hatten sowieso als Ziel unserer Arbeit gesehen uns durch den Auszug aller Eltern mit Kindern in Wohnungen selbst arbeitslos zu machen Da uns auch diese Kampagne gelungen war und keine Kinder mehr in den Siedlungen hausten. In einer Kneipe feierten wir gemeinsam mit allen Beteiligten erfolgreichen Abschied. Auf der
nächsten Sitzung des Jugendwohlfahrtsauschußes kuckte der Sozialamtsleiter komisch an mir vorbei. ich machte ihn intuitiv an: sie wollen ja schon wieder eine Familie in die Obdachlosensiedlung stecken. Mit seinem hilflosen Gestammel; Herr Schröder das können sie doch gar nicht wissen“. entlarvte er sich. Die Familie kriegte auch eine Wohnung.

Für die Arbeiterkinder in Osternburg  vor allem von der Glashütte machten wir danach ein  Vorschulprojekt als freie Initiative innerhalb unseres Pädagogikstudiums Wir mieteten einen ehemaligen Blumenladen, verteilten Einladungen und sprachen auch Eltern in den Glashüttensiedlungen „Kammerun“ und „Sansibar“ direkt an. Es kamen alle Eltern, die Kinder im Jahr vor der Einschulung hatten und freuten sich, daß wir uns um ihre Kinder kümmern wollten. Unsere Vorstellungen die Creativität soziales Verhalten und notwendiges Vorschulwissen zu fördern kam gut an. Wir begannen mit einer festen Gruppe von 12 Kindern

Die Redakteurin vom „ OL-Bürger“ erschien und wollte gleich den Chef der DKP sprechen, „der das ganze doch leite“. Wir konnten sie davon überzeugen, daß die DKP wohl einigen unserer sozialen Ansprüchen, keinesfalls aber unserer Idee einer freien fantasievollen Gesellschaft entspreche und darum eine direkte Zusammenarbeit unsinnig sei. Sie ließ sich überzeugen und fand unsere Bestrebungen und Konzept sehr unterstützenwert. Nachdem wir auch Frau Deipenbrok von der NWZ überzeugt hatten, bekamen wir auf der ganzen erste Stadtseite einen begeisterten Bericht mit Fotos über „engagierte Studenten im Blumenladen“, Danach konnte sich das Jugendamt nicht der Notwendigkeit entziehen, auf unseren Antrag mit einer regelmäßigen Förderung beizutragen. 2 Jahrgänge hielten wir das Projekt durch, die Kinder so zu fördern, das gut durch den Schultest kamen, und gute Grundlagen hatten in der Klasse mitzukommen. Das vorher häufig nicht der Fall. Anfangs verdächtigte uns sogar die Schule, wir würden den Schultest verfälschen, durch den vorher etliche dieser Kinder zur gleich Sonderschule sortiert wurden. Leider fanden wir nach den 2 Jahren keine Nachfolger. Dafür hatte sich die Kindergartensituation verbessert und die Eltern inzwischen motiviert ihre Kinder anzumelden.

Das Pädagogikstudium brachen wir aber desillioniert ab. Im zweite Schulpraktikum an der Röwekampschule wurden wir vom Rektor als die kommenden engagierten Studenten vorgestellt, denn sein Sohn hatte bei uns in der Obdachlosensiedlung ein Praktikum gemacht. Ohne jede Vorbereitung wurde die erste Schulsprecherwahl angesetzt. Als sich die Schüler auf dem Pausenhof um die Plätze rangelten brach der Rektor die Abstimmung ab und beschloß, den Schülern einen Sprecher zu bestimmen. Als ich das im Lehrerzimmer beanstandete, verbot er mir in der Versammlung etwas zu sagen. Donnernd kritisierte er in der Aula die Schüler und als einer mutig aufstand, zählte er ihm eine alte Verfehlung auf. Nun muße ich doch dazwischen, klarstellen, daß der Rektor sich im Ton vergriffen hat. Nur zwei entschiedene Sätze von mir und danach meldeten sich viele Schüler die jetzt Rückenwind spürten. Statt 45 Minuten ging die Versammlung über zwei Stunden. Alle Lehrer standen im Raum um diese erste Auflehnung mitzuerleben. Ich muße nur noch einen scharfen lauten Satz sagen, als der Rektor wieder anfing Schüler zu beschimpfen Auf dem Schulhof tobten die unbeaufsichtigten unteren Klassen. Es war nichts mehr wie vorher. Auf eine Anweisung des Hausmeisters bekam der zu hören: „Hier wird sowieso alles anders und Schröder wird Rektor“ Darauf bot er mir Prügel an. Etliche Lehrer redeten nicht mehr mit uns, der Rektor sage er werde dafür sorgen, daß wir nicht an eine gemeinsame Schule kommen

Durchgehalten haben wir das Praktikum auch weil genau in der Mitte das Festival in Fehmarn war, in dem sich zwar die Rocker brutal aufführen und die Wiese immer mehr verschlammte. Aber die Musik war gut die Besucher solidarisch und freundlich und Sonntags spiele sogar noch Jimi Hendrix ein wahnsinns Konzert, leider das letzte seines Lebens

Nach unseren Erfahrungen in den 6 Wochen konnten wir uns nicht mehr vorstellen an einer solchen Schule einen freien Unterricht zu gestalten. Einige Professoren wollten uns unbedingt zum Abschluß motiviere, uns goldene Brücken bauen da sie unser „Projektstudium“ für genau das hielten, was sie eigentlich anstrebten. Zum Beginn der Uni waren wirklich einige ganz tolle Leute gekommen, die über eine libertäre soziale Gesellschaft nachgedacht hatten und mit uns darüber diskutierten. Etliche beteiligten sich auch finanziell an der Gründung des Autonomen-Zentrums Alhambra, als anfangs noch eine Ente als Auto und ein Zimmer in der Wohngemeinschaft reichte,

Um einen Freiraum zu schaffen, in dem wir uns mit anderen zusammen entwickeln konnten, begannen wir 1972 eine Holzwerkstatt für einfache Regale. 6 Jahre später nannte sowas Alternativprojekt und trat plötzlich sehr gehäuft auf ebenso wie die Menschen Ihre Probleme selbst in die Hand nahm und zu jedem Anlass Bürgerinitiativen gründeten. Ich natürlich überall mittendrin. Die Dogmatiker versuchten auf den Zug aufzuspringen aber ihre Zeit kam erst für einzelne als wir Spontis die Grünen nichtmehr als parlamentarische Verteuerung der Bl.s sehen konnte und die Karrieretypen uns rauszudrängen versuchten in dem Gemenge auch einzelne der K-Grüppler Fuß faßten.
Wir jedenfalls schwammen bald in BI- und Alternativbewegung wie Fische im
Wasser, machten zwei Zeitungen Den „bunte Kahn“ und das Stattblatt Es entstand eine Kneipenscene von der Mottenkiste Dammtor Chimära Lindenstübchen

Wir mieteten für 2 Jahre unweit meines Elternhauses in der Amalienstraße 36 eine geräumige Hundehütte in der nacheinander 48 Leute zeitweise wohnten etwa 12 gleichzeitig. Viele dachten mit dem Auszug aus dem Elternhaus und dem Miteinander mit Gleichgesinnten sind alle Probleme vorbei und des volle freie Leben beginnt. Das dann erst die eigenen Schwierigkeiten wirklich sichtbar wurden wollten fast alle damals noch nicht wahr haben natürlich waren dann die anderen schuld besonders wir beiden die im Mietvertrag festhingen und als einzige nicht ausziehen konnten. . die Fluktuation war immens Darum waren wir froh, als
Wir nach dem Ablauf nach 2 Jahren ausziehen konnten.
Danach war auf Monate unser Kommunikationsbedürfnis auf 0. In unserer
Honigkuchenfabrik am Julius Mosen Platz gab es keine Klingel außerhalb er Öffnung unsere Regalbaus waren wir nicht erreichbar. Die Werkstatt entwickelte sich für die Alternativen war es selbstverständlich sich mit unseren Regalen einzurichten auch für linke Buchläden waren wir in 60km Umkreis immer die erste Wahl. Unsere Honigkuchenfabrik stand in einem Innenstadtinnenhof ein trockener Keller Parterre erster Stock und Boden je 8×8 Meter also je 64 qm. Im Parterre war die Grobwerkstatt darüber unser Wohnbereich ganz oben Lager für fertige Regale und
Farbwerkstatt ein Torfaufzug mit Endlosseil ließ die Regale nach oben schweben runtertragen mußte ich die lackierten Regale auf der Treppe. Da es sonst keine billigen Regale gab lkea kam drei Jahre später nach Bremen und für uns keine echte Konkurrenz da wir unsere Regale konsequent billig in Serie bauten und kaum Nebenkosten hatten. Wir lebten hier 4 Jahre.
Die drei Jahre vor den Kindern nutzen wir um das Wattsegeln zu lernen. Dies amphibische Gebiet mal Sand und Schlick mal Wasser faszinierte uns. Im ersten harten Lehrjahr mit einer stämmigen Jolle auf dem Autodach transportiert fuhren wir erst auf der Jade vor Wilhelmshaven später auf dem Watt um Spiekeroog und zelteten auf den flacheren Wattwiesen bei Nipptide was damals noch niemanden aufregte, da alle wußten, daß dort wo bei Spring alles überflutet war keine Vögel nisteten. Dieses Gebiet im ständigen Wechsel wie zwischen Traum und Realität mal Wasser mal Sand oder Schlick mal alles vom Grau aufgesogen mal klar im Sonnenschein faszinierte uns. Im zweiten Jahr kauften wir ein kleines Kajütboot. Wir versuchten es erst ohne Motor. Das brachte uns in einige absurden Situationen die wir mit Einsatz und Intuition ohne die keiner im Watt zurechtkommt immer wieder überstanden. Dazu will ich noch ein eigenes Buch machen mit Fotos die heute mit den Sperrgebieten nicht mehr möglich sind. Die Magie dieser Landschaft wurde für uns und bald auch für unsere Kinder zu
Genau wie früher meine Zeiten mit meinen Heuerleute, wurde es zur Möglichkeit
intensiven Erlebens natürlicher Vorgänge. Bei den Bauern noch unzerstörte Elemente eines direkten natürlichen Lebens das es wenige Jahre später mit Mähdreschern Vorratsrodern und Massentierhaltung verschwunden war. Die beiden Heuertöchter mußten dann in einer Hähnchenschlachterei arbeiten und wohnten in einem Wohnblock. Auch das Wattsegeln wurde mit dem beginnenden Massentourismus und EU-Verordnungen den bei uns gab es keine Soldwatervereinigung wie in Holland die den Unsinn, Menschen auch da aus der Natur zu drängen wo sie gar nicht störten aber die Umweltsünden und Zerstörungen in den Industriezonen zu decken weil keine Menschen sie mehr beobachten konnten erleben konnten.
Nach vier Jahren Honigkuchenfabrik und unserem Umzug in den Bauernhof
Schützenhofstr und Umstellung auf Naturholzregale richteten sich die Naturkostläden mit uns ein. Aus Helfern wurden Kollektivmitarbeiter Es machte Spaß zusammenzuarbeiten aber es stellte sich über viele Jahre nie die Besitzfrage. Die wenigen Maschinen alten abgeschriebenen, die wir brauchten, fielen gegenüber dem Wert der akuten Arbeit, der Miete und dem Materialdurchsatz kaum ins Gewicht Auch blieben die meisten nur sechs bis fünfzehn Monate, dann wollten sie ihren Lebensweg nicht mehr mit unserem Projekt verbinden, die Entwicklung ging anderswohin ein Beruf abgesichert mit den Vorteilen einer festen Anstellungen. Bedauern eher über den Umstieg, bei dem ich etlichen mit meiner Erfahrung gute Anregungen geben konnte mit vielen bin ich heute noch befreundet.
Etwa 5 Jahre nach der Gründung unserer Holzproduktion begannen überall
Kollektive innerhalb der Alternativbewegung zu sprießen und Werkstätten Läden und Garten-Landbau zu betreiben. gleichzeitig wehrten sich die Menschen in verschiedensten Bürgerinitiativen gegen die Beeinträchtigung ihrer direkten Umgebung und bundesweit gegen Umweltzerstörung und Atomkraftwerke.

Dann stand auch die Gründung der Grünen an Anfang mit der Absicht, lediglich Sprachrohr der Bürgerinitiativen zu sein Zum Gründung der Partei in der Harmonie trafen sich hauptsächlich Lehrer usw aus dem Landkreis. Dagegen versammelte sich eine Protestrunde im Alhambra Die konnte ich motivieren nach einigem Zögern zur Gründung in die Harmonie mitzukommen. Hier fanden wir ein offenes Gespräch, und unsere Vorbehalte wurden entkräftet. So beschlossen fast alle gleich mit bei den Grünen einzutreten Paul Deing, der eigentliche Initiator hatte plötzlich bei den Vorstandswahlen nur noch eine Stimme mehr wie ich. So wurde ich zweiter Vorsitzender. Die eigentlichen Gründer kamen nicht uns „Spontis“ klar und separierten sich in den Landkreis. Stattdessen schlossen sich uns dann die Ammerländer an. Als Zeichnungsberechtigter führte ich das Konto und mietete in der Nadorster Str. einen Laden mit Nebenräumen an und führte die Mitgliederliste.  Es entwickelte sich bald ein buntes Treiben aller möglichen Arbeitsgruppen Initiativen und Protestbeteiligungen. Da alles selbstverwaltet funktionierte stellte sich keine Frage nach Mitgliederversammlung und Vorstandswahlen.

mit angelegter Karriereleiter erwarteten, begannen sie den Kampf gegen die Subkultur und waren etwa 8 Monate nach Gründung auf einer Sitzung in der Lage meinen Ausschluß wegen Sabotage zu fordern. Das kam zwar nicht durch aber ich bezog mich auf die Zeitung „Der bunte Kahn“ und Zusammenarbeit mit den BI und Alternativen. Ziemlich rigide frustrierende Leute meist mit Unibezug besetzten auch Pöstchen und forderten in endlosen Diskussionen ein gemeinsames politisches Selbstverständnis zu entwickeln ohne das wir nicht zu den Stadtratswahlen antreten könnten. Wir müßten darum noch 4 Jahre damit warten, bis wir nach grundlegender Diskussion eine gemeinsame Plattform erarbeitet haben. Ein netter Briefträger formulierte mühsam sein Unverständnis und war bereit mit mir zu den Wahlen anzutreten. Ich behauptete einfach daß wir über den Landesverband antreten, wenn der Ortsverein nicht will. Ob das stimme, war mir egal, solange das alle
beeindruckte. Erst zwei weitere dann noch 4 Grüne schlossen sich uns an. Die Unidiskutierer gaben ihren Widerstand auf. Und bei den Wahlen hatten wir drei Grüne im Stadtrat. Ich nicht, denn ich hatte mich auf Osterburg versteift, wo wir von Größe und Struktur die geringsten Chancen hatten, trotzdem ich auch in der Innenstadt hätte antreten können. aber so ist Oldenburg PU Schröder als Stadtrat erspart geblieben. Nach gut zwei Jahren wollte unser Postbote Bernd Keck nicht mehr die Anmachen einiger Besserwisser ertragen und ich wäre nachgerückt. Die Ratsherren kamen in meine Werkstatt und wollten, daß ich einem Finanzfachmann als nächsten Nachrücker weiche. Dummerweise fing ich die Outfitdebatte an, daß nicht mehr die Rede der keiner zuhört sondern das Outfit die Botschaft übermitteln und mit einer selbstgeschneiderten Hose und anderen schönen Ausstattungen wollte ich das vermitteln. Das brachte die grünen inzwischen seriösen Ratsherren ins Nachdenken. Plötzlich waren alle wieder nett zu unserem Postboten, hoffierten ihn ganz plump, er machte weiter. Scheiße ich hätte der Quasseibude 18 bunte fantasiegeladene Monate beschert,
Die anarchistische Fabrik als Idee entwickelte sich, regelmäßig betreuten wir einen später zwei Menschen, die wir intern nicht als Behinderte ansahen eher als Menschen mit besonderen Fähigkeiten. Wir versuchten nicht sie für unsere Ideen zu motivieren sondern sie in ihrer Würde und Persönlichkeit zu stärken. Mit etlichen, die bei uns wieder Vertrauen zu sich fanden bin ich heute noch befreundet. Wir sahen es nicht als unsere Aufgabe, sie fit zu machen als Verwertungsobjekte im Arbeitsmarkt. Wenn sich das so ergab auch gut. Wichtiger war ein persönliches Selbstwertgefühl zu bestärken, ein einzigartiger wertvoller Mensch zu sein, innerlich gesund zu werden.
Wir verbanden die Fabrikidee mit ProjektA, das versuchte bundesweit
Alternativbetriebe auf anarchistisch zu vernetzen und dafür Schwerpunktorte zu finden. Für PA brachte ich mehrere Jahre das AHA als Forum heraus. Ich war auf viele Treffen auch ganz interne, Kommunetreffen auf denen ich als vertrauter Besucher und Außenvertreter von ProjektA kommen durfte. Auch zu den Ökodörflern Zegg Grasswurzlern Es war eine aktive bunte Zeit.
ProjektA entwickelte einige Orte wie Leer Alsfeld Berlin Marburg und ganz besonders Neustadt
Leider lief sich besonders in Neustadt, wo fast 150 Menschen sich mit PA-Ideenvernetzten alles um 1985 in und um ProjektA müde neue kamen aus den Autonomenzentren mit aufgesetzten sterilen Ansprüchen. Das wunderbare lockere Spontane das neugierige Leben wich frustrierte Mißtrauen zerstörte Solidarität eine wunderbare Zeit war zu Ende
Ich arbeite noch nach 1985 mit Widerstandsdörfern zusammen und besuchte öfter
den Platz an der Autobahn die von Osnabrück nach Bielefeld gebaut wurde. Im Verlauf der Bauarbeiten wurde der Platz mehrfach geräumt und ein Stück weiter auf der Planungsstrecke mit fantasievollen Aktionen neu eingerichtet. Ich bemühte mich immer mit einem vollen Wagen zu fahren damit möglichst viele die Erfahrungen mitnahmen. denn der Platz lag immer zwischen zwei Unistädten und eine
Für das entstehende Widerstandsdorf in Papenburg lag Oldenburg 70km entfernt im Moor, eine wertvolles Biotop in das Mercedes eine gigantische Teststrecke klotzen wollte. Aus Brettern Planen und Unmengen Torfsoden wurden Hütten gebaut. die nicht nur der Sommerhitze und Regen sondern auch der Winterkälte trotzen sollte. Kaum hatte mal ein Bewohner ein Auto und das nächste befreundete Telefon war 500 m entfernt. Um deren Verbindung besonders im Winter mit der Oldenburger Scene zu halten, mußten regelmäßig Autos rausfahren. Jeden Sonntags 14oo versuchte ich das zu organisieren, die die gespendeten und zwischengelagerten Sachen vom Alhambra und Besuchter hinfuhren Rückfahrt war meist 18oo Wichtig war eine Unterstützerscene auch im Winter zusammenzuhalten und manchmal mußte ich auch 2 Wochen nacheinander fahren. Drei Winter haben die unterschiedlichsten Bewohner den Platz gehalten.
Der Überfall zur Räumung traf uns unvorbereitet. Die Bewohner konnte alle unerkannt flüchten. Mußten aber alles zurücklassen, was dann in der Kammer des Staatsschutzes Lingen verwahrt wurde. Da klugerweise keine persönlichen Daten erbeutet wurden, verhandelte ich mit dem Staatsschutz Lingen zwei Mal über die Herausgabe. Natürlich wollten die Namen, die sie aber nicht bekamen. Dazu wollten sie die Sachen loswerden, die ihre Räume blockierten und nach Rauch stanken. Beim dritten Verhandeln konnte ich die Sachen abholen für unseren grade gegründeten Verein für alternatives in Leben der Wagenburg. Natürlich konnte ich mir ein klammheimliches Grinsen nicht verkneifen.
Neben unserer Regalbauwerkstatt in der Karistrasse waren die Hallen es
Eisenbahnausbesserungswerks die langsam aufgelöst wurden. Hier konnte ich anfangs manch schönes Werkstück schweißen lassen, das waren richtige Kumpel. Damit war bald Schluß. Die Lehrwerkstatt lief aus die Hallen leerten sich. So um 1985 wurden dort Bauwagen abgestellt an denen zukünftige Bewohner eifrig werkelten, um sie herzurichten. ich baute ihnen eine Anlage um die Dachbögen zu verleimen. und war auch sonst als Helfer mit unserer Werkstatt in allen Schwierigkeiten gefragt, wenn Sachzwänge gelöst und neue auf den Stand der Verhandlungen eingestimmt werden mußten. Als ein linker Stadtrat einige Mitstreiter überzeugte, sich doch vom Sozialamt einen Platz anmieten zulassen, stockten die Verhandlungen. Sozialhilfeempfänger in Bauwagen vermittelt im reichen Deutschland hätte einen irren Presserummel weltweit gebracht, doch wir verloren drei Monate und die für uns günstige Stadtrats-Koalition war dabei durch Übertritte ihre Mehrheit zu verlieren. Ich setzt alle Energie darein, die Verhandlungen wieder auf die politische Ebene zu bringen. Allerdings schwand bei diesen Späßen die Mehrheit der Befürworter im Stadtrat und als der Bauamtsleiter den Vatertag unterschrieb hätte er ihn auch nochmals überprüfen lassen können was der im Stadtrat nicht mehr überlebt hätte.
Die neue Verhandlungsgruppe blieb stabil bis zur Vertragsunterschrift arbeitete sich ernsthaft in die Materie ein durchblickte immer mehr die Trix der Verwaltung mit Sachzwängen und Vorschriften. Wir schafften es sogar, daß von einer Grünen aus Niedersachsens Innenministerium eine Anfrage an den Oberbaurat kam, warum in Oldenburg nicht möglich sei, was in anderen Städten schon vertraglich geregelt ist. Eine Besetzung des Platzes vor dem Ministerium ergab ein Gespräch mit der Bezirksregierung, die danach recht kooperativ wurde.
Oberstadtdirektor Wanscher hatte von Anfang an verkündet, jede Entstehung von hafenstraßenähnlichen Verhältnissen persönlich zu verhindern. Ein Jahr lang versuchte er auch jeden kleinsten Anlaß zB eine Mahnwache vor dem Rathaus nach Beschlagnahmung der Wagen mit eine Polizeiaktion und Verhaftungen zu beantworten. Die Polizei war genervt, und auch der Stadtrat, der zum ersten Mal Wanscher verboten sich weiter mit einer Angelegenheit:der Wagenburg zu befassen. Bei solchen Aktionen schafften wir es bei Schulbeginn schon mit Flugblättern die Schüler
Grüne und Linke unterstützten uns sowieso ebenso der linke SPD-Fiügel. Aber
Holzapfel als Vertreter der SPD- Rechten behauptete, mit uns nicht reden zu können. Schließlich erklärte er sich bereit bei Bürobeginn um 9oo 10 Min mit einem von uns am Tel. reden zu wollen. Ich organisierte, daß wir zu fünft in den Stühlen um 9 vor einem Büro saßen. Als er die Falle sah und an sich an uns vorbeidrängelte trat ich ihm energisch in den Weg Er könne sich die versprochenen 10 min auch zu uns setzten. Das
wurden 30 Minuten angeregte Unterhaltung. Danach konnte er nicht mehr behaupten, mit uns sei nicht zu reden.
…………..und der Legalisierung unserer Wagenburg, was nach 3 Jahren hartem Kampf und organisatorischen Mühen endlich zu einem Vertrag führte, der noch heute noch besteht. Es wurde groß gefeiert aber es krachte mit dem Alhambra als sich einige beschwerten, die nicht mit auf den neuen Platz ziehen durften weil sie nicht
zur Gruppe paßten. Nach reichlich Feiern mit Feuer und Musik. Danach versuchten die Wagis mit den gleichen Mitteln wie Blockaden und Platzbesetzungen einen zweiten Platz zu ertrotzen. Doch alle Parteien machen ihnen klar, daß niemand mehr mitmacht. Uneinsichtig und als ich vorschlug mit einem Vertrag auf Bauerwartungsland einen Platz auch kurzfristiger zu pachten zu suche und ihrem Plan keine Chancen gab war ich abgesagt. Das wiederholte sich als klar war, daß nach 13jahren ein Umzug anstand und sie mit Crashkurs gegen den Stadtrat ihren Platz erzwingen wollte. Die Verwaltung steckte sie drauf auf den hintersten Flugplatz ohne den Shelterbau. Ich bin weiter i-gitt
Als unser Regalbau immer widersprüchlicher wurde, weil das Umfeld austrocknete und sich fast alle Kollektive aufgelöst hatten verkaufte ich meinen Anteil an dem Projekt an das übrige Kollektiv nach einiger Zeit stellte der letzte Inhaber einen Tischler ein. Der übliche Kreislauf eines Alternativbetriebs war geschlossen. Zum Konflict wurde Franz für den wir große Förderung bekamen den aber außer mir niemand betreuen wollt weil er zwar sehr intelligent war aber nicht seinen Platz einrichten konnte. Ich kam inzwischen um 11 und blieb als letzter. Doch als ich ihn unter irren Bedingungen Arbeiten sah und keiner sich betroffen fühlte kam es nach 3 1/2 Jahren zum ersten deftigen Krach mit Klaus Keine Ausspracheergebnis am Nachmittag Am Montag war klar das er nicht mehr mit mir arbeiten wollte. So zahlte er mich aus und ich hüpfte glücklich aus der Werkstatt nach 26 Jahren Regalbau.
Als die Zeit anstand, daß die Kinder selbständig leben wollten zu Lebenspartnern auszogen auch meine Lebensgefährtin einen Aufbruch in ein Leben ohne Partnerschaft begann, um endlich ganz ihre ganz eigenen künstlerischen Vorhaben zu entwickeln. Dazu gehörten zwei längere Aufenthalte in Madagaskar
Unser Haus am Drielaker See ein kleines Eisenbahner-Siedlerhaus hatte ich mit dem Bodenausbau für die heutigen Raumansprüche einer Familie mit je einem eigenen Zimmer ausgebaut. Für den Ausbau mußte ich leider den herrlichen Jollenkreuzer verkaufen. Keine Wattfahrt für viele Jahre. ich konstruierte verleimte ineinander greifende Träger für das aufgeklappte Dach das 1 x1 m Fenster dazwischen passten wir dämmten und vertäfelten Türen rein und Fritz und Suse hatten so eigene Zimmer mit einem Zwischenraum und einer steilen Treppe
Mit dem Geld aus dem Regalbau konnte ich einen wunderschönen Anbau einen Raum mit hoher Balkendecke und einem geräumigen Boden mit Fenstern nach drei Seiten abbauen für Puppenbühne und Bücher.
Alles mußte leider verkauft werden als wir uns trennten. viel ist nach Bezahlung aller Schulden und Verbindlichkeiten nicht übrig geblieben. Für mich reichte es zur Einrichtung des Ladens und einen kleinen Jollenkreuzer um endlich nach 10 Jahren wieder auf dem Watt zu segeln. Auch unsere Puppenbühne überstand die Trennung leider nicht. Das Antiquariat mußte ich alleinverantwortlich weiterführen.
Mit meinem Anteil am Hausverkauf konnte ich meinen Traumladen direkt im Hafen mit Blick auf Ebbe und Flut mieten. Finanzierbar waren die Miete und sonstigen Kosten an diesem für mich schönsten Ort Oldenburgs nur durch das Internet, das sich für mich als Schnelldrehenes Hamsterlaufrad entpuppte. Und ich war der Hamster. Vorher machte in der Innenstadt zur weiteren Finanzierung einen illegalen Bücherkarren der erst nach 4 Jahren und 6 Monaten aufflog. Ich fand die Idee toll, als ambulanter Antiquar mitten im Zentrum herumzustehen den Tag zu verschwatzen William und den übrigen Musikern zuzuhören Manchmal fand ich auch „Orginal“ Waldemar und eiernden Drehorgelspielern akustisch unglücklich.
Das der Karren nach der Innenstadtsatzung nicht genehmigungsfähig war wußte ich nach dem ersten Gespräch im Ordnungsamt. Doch hatte ich die Erlaubnis, an drei Freitagen Prospekte zu verteilen und als Blickfang einen kleinen Büchkarren mitzuführen mit strengem Verkaufsverbot Zwei Mal erneuerte ich das auf insgesamt neun Tage. Und danach hatte ich als lernfähiger Anarchist alle Trix raus um alle Kontrollen zu umgehen und allen zu vermitteln, daß mein Karren erlaubt und legal sei, ich selbstverständlich niemals etwas tun würde das nicht streng genehmigt sei. Und die Polizei hatte sich an den Karren gewöhnt und fragte nicht nach einer Genehmigung. Es wurde ein neuer beim Ordnungsamt angestellt, der mit seiner Kamera alles abfotografierte und im Amt kontrollierte, was tatsächlich erlaubt war. Er schickte mir ein Bußgeld, Oberbürgermeister Schütz versuchte das abzuwenden, doch Glumert blieb stur. NWZ und Huntereport schrieben positive Artikel, Leserbriefe prasselten. Doch Glummert setzte sich gegen seinen Chef durch der mir aber das Bußgeld erließ
Danach entstand eine Pause von 7 Jahren in denen ich total mit meinem Antiquariat und Umfeld beschäftigt war. Erst jetzt ab 20014 komme ich wirklich nach dem verarbeiteten Umzug zum aufarbeiten der Zwischenzeit.
Da hatte ich aber schon genug Rückhalt, das ich auch so grade ebenüberleben konnte. Und das in dem Laden für 12 Jahre fast immer mit überzogenen Konto und zwei schweren Hüftgelenksoperationen. nach 7 Jähren hätte ich mit einer kleinen Legat meines verstorbenen Schwagers umziehen können in einen kleineren Stadtladen den ich auch heute noch hätte machen können. So waren die Widersprüche das Risiko und die Büchermarkentwicklung, die nur noch eine Auflösung sinnvoll machten.
Die Auflösung der Gebrauchtbücher war eine schwierige Expedition durch einen
Abschnitt unbekannter Sachzwänge und Aufgaben. Durch einen vor 2 Jahren verstobenen Antiquar wußte ich, daß so ein Laden nicht verkäuflich ist und das Bücher die für 5 Euro im Internet stehen nicht mal geschenkt loszuwerden sind.
Ein Wasserschaden durch ein Rohr in der Decke mit aufgequollenem Fußboden war der Anlaß im Einvernehmen mit der Vermieterin den Vertrag aufzulösen und das Startzeichen, den laden zu schließen. Ein guter Zeitungsartikel und die allgemeine Ankündigung in Anzeigen von 50 Prozent Rabatt brachte so viele Kunden, daß ich mit einem kleinen Plus aus der Ladenauflösung kam. Mit einem kleinen Kombi fuhren wir in Etappen unermüdlich die restlichen Bücher. In ein Lager und mein neues zu Hause in der Bergstr Mary sortierte fleißig Die Unterlagen was weg konnte. Die Familie rückte an, damit alles besenrein übergeben werden konnte. Ich steigerte mich in einen Wegwerfrausch, ließ nur wenig über bei Romanen Medizin und Esoterik während die Schubkarren in nacheinander drei Container fuhren und alles abkippten. Kaum ein Taschenbuch entkam meinem kritischen Blick. Ebenso kein Buch das mit 5€ und weniger gelistet war.
Inzwischen ist der Laden nach 12 Jahren Ende August besenrein übergeben worden.8,5 Tonnen Bücher wanderten in drei Schuttcontainer 11 Regale kamen in einen Abstellraum mit etlichen Kartons und einige Regale stehen hier in meiner Wohnung. 4 Regale für Mary’s Buchschopp in der Küche dazu Mein sogenanntes Wohnzimmer-Tiden-Antiquariat mit 2 Regalen Anarchie und sonstige Utopien alternative Entwürfe und sonstige libertäre Politik 2 1/2 Regale Seefahrt eins mit Regionalem und 1/2 mit meinen bescheidenen Bestand an ganz persönlichen Büchern eingerichtet.
Verleidet worden war mir der an sich tolle Platz am Wendehafen auch durch einen häßlichen Betonbau gegenüber der die weite Sicht auf die Wolken nahm und weil die Pappeln, die sich im Wind wiegten und jeden Hauch in harmonische Bewegung umsetzten, abgehackt wurden.
Als Rose am Stau leider schlossen, baute ich den nautischen Bereich mit Seekarten und Revierführern und eine nach und nach anerkannten Beratung aus. Insbesondere meine Empfehlung schon 1 Std vor Hochwasser loszufahren, um nicht vor Bremerhaven in den Gegenstrom zu geraten, wurde anerkannt. Meine Begeisterung für die Wattfahrt, welche mögliche Kurse, Landeplätze und Tidezeiten, welche Boote geeignet, Inzwischen
wo Gefahren und Grenzen zu beachten sind, wann Seegaten noch befahrbar sind. Sogar für ein Yachtgespräch mit der größten Seglerzeitung erhielt ich dort eine ganze Seite, fast ein Ritterschlag. Aus den vielen Fahrtenerfahrungen und Fotostrecken ein neues Buch zu machen ganz im Sinne von KarlHeinz Neumann dem wunderbaren Wattexperten. Daß ist eines meiner drei Projekten. „Rückwärts nur um Anlauf zu nehmen“ meinte der leider schon verstorbene Dr. Wassenberg, sei der einzig mögliche Titel für die Beschreibung meines unangepaßten Lebens. Wie im parlamentarischen Kapitalismus das Leben sinnvoll gestaltet werden kann ? Das Buch Alltagsanarchie (Projektanrchie) soll meine Anregungen dazu werden.

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf ÜBER MICH Rückwärts nur um Anlauf zu nehmen

  1. herman eberle sagt:

    war schön zu lesen !

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.